Von Alexander Hüsing
Dienstag, 10. Dezember 2013

Die wilde Wachstumsperiode bei zalando ist vorbei

Zeitenwende in Berlin: Die wilde Wachstumsperiode bei zalando ist vorbei! Nicht funktionierende Projekte wie der erst vor wenigen Monaten gestartete Luxus-Ableger Emeza werden laut mehrerer Medienberichte eingestellt. Für den Börsengang wird das Unternehmen auf Profitabilität getrimmt.

Das Online-Kaufhaus zalando stand zuletzt immer nur im Mittelpunkt, wenn es darum ging, wer schon wieder Geld in das Unternehmen gepumpt hat (zuletzt Putnam) oder wie sehr der Umsatz weiter steigt (letzte Prognose 2 Milliarden Euro in 2013) oder in Sachen Wasserstandsmeldungen zum geplanten Börsengang. Erst vor wenigen Tagen lieferte die WirtschaftsWoche dazu neue Details. Nach einem Bericht des Magazins treibt das Unternehmen derzeit seine Pläne für einen möglichen Börsengang weiter voran. So wurde Ende Oktober beschlossen, dass “1,4 % am gesamten Unternehmen für die Zalando-Geschäftsführung reserviert werden”. Zudem heißt es im Artikel: “Weitere 1184 Geschäftsanteile, knapp ein Prozent am Unternehmen, sind für Führungskräfte und Mitarbeiter aus der Zalando-Gruppe vorgesehen”. Die Vorbereitungen für den Börsengang laufen somit. Wann er tatsächlich kommt, ist aber weiter offen.

Als Vorbereitung in Sachen Börsengang könnte auch die nun an die Öffentlichkeit gelangte (unter anderem bei der Textilwirtschaft und bei Gründerszene) Abschaltung der zalando-Ableger Emeza und Kiomi zu sehen sein. “Die Neuausrichtung weg von zusätzlichen Verticals hin zu einer breiter aufgestellten Marke lässt Zalando etwas überschaubarer werden – und für potenzielle Börsenanleger etwas greifbarer”, berichtet Gründerszene. Die Textilwirtschaft berichtet weiter: “Auch die Hoffnung, mit jungen Top-Marken Umsätze zu erzielen, habe sich offenbar nicht erfüllt”. Beachtlich ist vor allem die Geschwindigkeit der Abschaltung: Kiomi, eine “Lifestyle Marke für Frauen und Männer auf der Suche nach zeitlosen Fashion-Favourites” ging ersr im Februar dieses Jahres an den Start. Nun wird der eigene Webshop der zalando-Eigenmarke abgeschaltet. Die Marke selbst soll es aber weiter geben – diese wird dann wieder nur über zalando direkt vertrieben.

Der Luxus-Ableger Emeza wiederum startete Ende des vergangenen Jahres. Im Luxussegement konnte zalando aber offenbar nicht Fuß fassen. Viele bekannte Marken machten trotz der Ausgliederung in einen unabhängigen Webshop weiter einen Bogen um das Unternehmen. Und Projekte, die nicht funktionieren, müssen bei zalando nun schnell weichen. Zum Börsengang will das Unternehmen offenbar bessere Zahlen präsentieren. Zur Erinnerung: 2012 betrug der Jahresfehlbetrag bei zalando stattliche 90 Millionen Euro. Nach Informationen der TextilWirtschaft werden die meisten betroffenen Mitarbeiter auf andere zalando-Projekte verteilt. In der Szene halten sich zudem weiter hartnäckige Gerüchte über weitere (freiwillige) Abgänge bei zalando. Was verständlich wäre, denn Mitarbeiter, die bisher aggressiv für Wachstum gesorgt haben, werden nun kaum noch gebraucht. Die wilde Wachstumsperiode ist vorbei, jetzt müssen andere Mitarbeitertypen ran.

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