Axel Springer Ideas: Neue Ideenschmiede für Start-ups und IT-Hochburg des Konzerns

Das Medienhaus Springer treibt derzeit massiv seine Digitalisierung voran: Ein Baustein dabei ist – neben dem Axel Springer Plug&Play Accelerator – das bisher kaum in Erscheinung getretene Projekt Axel Springer IdeAS. Dahinter verbirgt sich zum einen eine Art IT-Knotenpunkt für das komplette Medienhaus und zum anderen eine Art Ideenschmiede bzw. Brutkasten für verlagsnahe Online-Projekte und somit Start-ups.

Das Wort Inkubator hören Ulrich Machold und Michael Paustian sowie Daniel Keller (Foto: v.vl.n.r.), der als Chief Information Officer die IT des Hauses massiv umstrukturiert, dabei aber gar nicht gerne. Sie sehen Axel Springer IdeAS lieber als Toolbox, in der sie mittels “Vermarktung und Reichweite”, den beiden Stärken des Medienhauses Springer, “profitables Wachstum für das Unternehmen” erschaffen wollen. Axel Springer Ideas sei auch kein Investor, sondern eher eine Abteilung in Sachen Forschung und Entwicklung. Ohne Zweifel sind gerade dies zwei Elemente, die viele Medienhäuser in den vergangenen Jahren vernachlässigt haben. Springer meint seinen mehrmals angekündigten Wandel “zum führenden digitalen Medienhaus” offenbar ernst. Klar sind auch die Rahmendaten: Springer will die Mehrheit (zumindest langfristig) bei allen Axel Springer Ideas-Projekten halten. Im Gegenzug bekommen die Startupper Kontakte zu passenden Abteilungen des Konzern – etwa den wichtigsten Werbe- oder Handelspartners in bestimmten Segmenten.

IT als neuer Teil der Springer-DNA

Im Rahmen des Bausteins Axel Springer IdeAS wird dabei die gesamte IT des Unternehmens zurück ins Haus geholt. “Technologie soll ein Teil der Springer-DNA werden,” sagt Keller. Bisher setzte das Medienunternehmen – wie viele andere Unternehmen auch – auf externe Dienstleiter aller Art. Nun baut Springer aber endlich eine richtig, richtig große interne IT auf, die das technische Grundgerüst für alle Produkte des Medienhaus entwickeln, bauen und auf Dauer pflegen soll und kann. Ein Meilenstein für Springer – vor allem, weil das Know-how nun intern bleibt und nicht bei jedem Dienstleisterwechsel – samt Pflichtenheft – verloren geht. Auf der anderen Seite wird Springer so vermutlich attraktiv als Arbeitgeber für ITler, die das Medienhaus bisher kaum auf der Agenda hatten.

Der große Springer-IT-Wandel ist aber auch für den Start-up-Arm von Axel Springer IdeAS wichtig: Denn alle technischen Grundgerüste, die das Unternehmen schon einmal entwickelt hat, können nun auch Start-ups zur Verfügung gestellt werden – und umgekehrt. Die erste Ausgründung von Axel Springer Ideas ist der The Iconist (www.iconist.de). Im Grunde ist dieser Marktplatz eine simple aber passende und vor allem fehlende digitale Verlängerung des Welt am Sonntag-Stilmagazins Icon. “The Iconist ist ein Online Store und bietet kuratiertes Shopping für Menschen mit Liebe zum eigenen Stil”, heißt es in der Selbstbeschreibung des Marktplatzes, der von Nico Bödeker und Sara Krüger geführt wird. Nutzer bekommen bei The Iconist ab sofort Home- und Living-Produkte präsentiert, die unter anderem aus Partner-Shops stammen. Ein solcher Marktplatz dürfte in Sachen E-Commerce weiter das höchste der Gefühle bedeuten. Klassische E-Commerce-Projekte soll es bei Axel Springer Ideas nicht geben. Einfach weil, Logistik und Warenrisiko nicht zur DNA von Springer passen würden.

Noch geheim: Die weiteren Ideas-Projekte

Über weitere Projekte wollen die Axel Springer Ideas-Macher noch nicht reden. Sie kündigen aber zumindest 5 weitere Start-ups an, die in den kommenden Wochen an den Start gehen sollen. Nach Informationen von deutsche-startups.de haben aber schon mehrere weitere Ideas-Projekte ihre Spuren im Netz hinterlassen. Zunächst einmal PrepaidBild (www.prepaidbild.de), eine App, um sich seine gedruckte Bild-Zetung am Kiosk mitnehmen zu können – auch wenn mal gerade kein Kleingeld zur Hand hat. Das Projekt, das langfristig auch für andere Prepaid-Ma0nahmen nutzbar wäre, wird momentan in Düsseldorf und Nürnberg getestet. Noch nicht gestartet ist shopnow (www.shopnow.de), eine Shopping-App. Laut Handelsregister geht es bei diesem Unternehmen um “mobile Applikationen und Softwareanwendungen, die Nutzern Anreize geben, im stationären Handel einzukaufen sowie die Durchführung aller Handlungen, Maßnahmen und Geschäfte, die mit dem vorbezeichneten Gegenstand in unmittelbarem Zusammenhang stehen”.

Dann wäre da noch Room49 (www.room49.de), dessen Website bisher noch nicht einmal eine Vorschaltseite hat. Es geht bei Room49 darum: “Die Bereitstellung einer Plattform für den Informationsaustausch unter promiaffinen Nutzern sowie die Durchführung aller Handlungen, Maßnahmen und Geschäfte, die mit dem vorbezeichneten Gegenstand in unmittelbarem Zusammenhang stehen; ferner die Gründung, der Erwerb und die Veräußerung sowie das Halten und Verwalten von Beteiligungen an anderen Unternehmen insbesondere an Unternehmen zum Zwecke der Umsetzung der vorgenannten Geschäftsmodelle, im eigenen Namen, auf eigene Rechnung und nicht als Dienstleistung für Dritte”. Das Unternehmen wird von Bettina Lüke und Dirk Nolde geführt. Zu guter Letzt gehört auch TunedIn (www.gettuned.in) inzwischen zu Ideas. Springer hatte das Second Screen-Projekt im Frühjahr dieses Jahres übernommen. TunedIn positioniert sich seit der Gründung 2011 als TV-Social-Network. Seit längerer zeit ist ein Relaunch des Projektes geplant.

Springer experimentiert – und das ist auch gut so

Man darf gespannt sein, wie Axel Springer Ideas sich auf Dauer positionieren wird – und ob es langfristig ein attraktives Angebot für Gründer ist. Man darf auch gespannt sein, wie und ob Axel Springer Ideas mit dem Axel Springer Plug&Play Accelerator zusammenarbeitet. Und man darf gespannt sein, wie Ideas mit der Start-up Eventreihe hy! Berlin, die ebenfalls zu Springer gehört, zusammenarbeitet. Bisher stehen alle Aktivitäten – nach außen hin – sehr getrennt voneinander. Was durchaus sinnvoll sein kann, aber nicht immer muss. Beispielsweise wenn im Accelerator Projekte aufgenommen werden, die bei Ideas besser aufgehoben wären. Am Ende des Tages bleibt es aber vorbildhaft für Springer, dass das Medienhaus auch im kleinen Stil experimentiert. Genau dies hat die deutsche Verlagsbranche in den vergangenen Jahren einfach zu wenig.

Hausbesuch im Springer Accelerator

Der Axel Springer Plug and Play Accelerator ist auf jeden Fall einen Besucht wert. Allein die Wände erzählen stundenlang Geschichten. Die Start-ups sind aber auch interessant. Einige Eindrücke in unserer Fotogalerie.

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