Von Team
Donnerstag, 26. Mai 2016

5 Gründerinnen, die europaweit für Aufsehen sorgen

In der achten Ausgabe des lesens- und sehenswerten Berliner Start-up-Magazins "The Hundert" geht es um erfolgreiche europäische Gründerinnen. Diese erzählen im spannenden Magazin ihre Gründungsgeschichten und geben einen Einblick in ihrer Gründerleben.

Unsere Rubrik “5 um 5” liefert jeden Tag um Punkt 5 Uhr insgesamt – wer hätte das gedacht – 5 wissenswerte Fakten, bahnbrechende Tipps oder hanebüchene Anekdoten rund um ein startupaffines Thema. Heute geht es um: 5 Gründerinnen, die europaweit für Aufsehen sorgen. Entnommen sind die Texte und Fotos der achten Ausgabe des Berliner Start-up-Magazins “The Hundert“, in dem es um erfolgreiche europäische Gründerinnen geht.

Stina Ehrensvard ­ CEO und Mitgründerin von Yubico

Vor fünf Jahren zog ich von Stockholm ins Silicon Valley, um meinem Business­Plan umzusetzen. Ich wollte eng mit Internet­Visionären zusammenarbeiten, die Internet­Sicherheits­Technologie meiner Firma abwiegen und dazu beitragen, das Internet sicherer zu machen. Einige Leute sagten uns, dass unser halb­seitiger Business­Plan nicht ernst genommen werden kann ­ eine grobe Skizze und ein Traum, mehr nicht. Dennoch war es unser Traum, und zusammen mit den Sicherheitsingenieuren von Google haben wir einen neuen Internet­Sicherheitsstandard geschaffen. U2F (Universal 2. Factor) wird heute von Google Mail, Dropbox und der britischen Regierung unterstützt. In naher Zukunft wird es Milliarden von Internet­Nutzern ermöglicht, sich sicher bei Online­Diensten anzumelden und Milliarden von Dollar, die bei Online­Identitätsbetrug verloren gehen, einzusparen. Meine Reise hat mir Folgendes gezeigt: Sobald du offen, freundlich und engagiert bist, wirst du sehr wahrscheinlich auf großartige Menschen treffen, die dir helfen und deine Vision teilen. Mein Rat an andere Unternehmer ist einfach: Höre nicht auf alle Ratschläge. Finde ein echtes Problem, das Du lösen will und konzentriere dich ganz darauf.

Biographie: Stina Ehrensvard ist CEO und Mitgründerin von Yubico. Sie hat eine Ausbildung als industrielle Produkt-Designerin gemacht und hat auch an dem Haupt­Produkt ihrer Firma, dem YubiKey, mitgearbeitet. Der YubiKey ist ein kleiner USB­ und NFC­Schlüssel, der eine einfache und sichere Anmeldung an Computern, Netzwerken und Online­Diensten ermöglicht. Er wird von acht der Top 10 Internet-Unternehmen eingesetzt. Yubicos Technologie wird von Millionen von Ntzern in mehr als 150 Ländern gebraucht.

Edyta Kocyk, Co­Founder of SiDLY, Poland

Die Geschäftsidee für SiDLY entstand aus einer persönlichen Situation heraus: Ich wollte meiner Großmutter helfen, die mit ernsten gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. Ständig sorgte ich mich um ihr Wohlergehen, konnte mich aber nicht ununterbrochen um sie kümmern oder mit ihr in Kontakt stehen. Da kam mir die Idee für ein telemedizinisches Armband. Die Vision, mein eigenes Startup zu führen, ein Gerät zu entwickeln, das für jeden nützlich ist, neue Jobmöglichkeiten zu schaffen, internationale Märkte zu erobern und das Gesundheitssystem zu unterstützen ­ das motivierte mich und gab mir sehr viel Energie. Jetzt, nach anderthalb Jahren, nutzen bereits einige der besten Kliniken in Europa unsere Geräte. Das zeigt mir, wie weit wir schon gekommen sind. Ich weiß auch, dass wir ohne unsere Leidenschaft, Liebe und Berharrlichkeit nicht da stehen würden, wo wir jetzt sind. Wearables, das Internet der Dinge, die Gesundheitsversorgung, all das sind Bereiche mit großen Wachstumsperspektiven, aber sie sind auch sehr herausfordernd. Es gibt immer noch vieles, das mich beunruhigt. Dennoch: Ein Entrepreneur muss sich darauf konzentrieren, seine Ziele zu erreichen, anstatt sich zu sorgen. Ich habe ein großartiges Team, das jeden Tag hart arbeitet, und deshalb weiß ich, dass wir alles bewerkstelligen können.

Biographie: Edyta Kocyk, 27, erhielt ihren PhD an der Warsaw School of Economics und ist Absolventin der Fakultät für Kybernetik an der Military University of Technology, University of Warsaw. 2014 erhielt sie die Auszeichnung “Businesswoman of the Year in New Technology” und “Debut of the Year”. Ihr Startup SiDLY wurde ebenfalls 2014 gegründet. Das Unternehmen hat das telemedizinische Armband SiDLYCare entwickelt und ermöglicht die Entwicklung medizinischer Telematik in Polen und Europa.

Céline Lazorthes, Founder & CEO, Leetchi, Frankreich

Ein Startup zu führen bedeutet ständige Aufmerksamkeit. Der Erfolg ist dabei nicht garantiert. Trotzdem sehe ich es nicht als einen Job, sondern vielmehr als meine Mission und eine Quelle der Freude und des Lernens. Ich war schon immer inspiriert von meinen Eltern. Sie haben mich ermutigt, frei zu sein und meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Als 26­Jährige habe ich Leetchi Group gegründet, während ich mitgeholfen habe, ein Willkommens­Wochenende an meiner Universität zu organisieren. Ich hatte die Idee, den traditionellen Weg, um Geld zu sammeln durch eine Online­Lösung zu ersetzen. Das Projekt war sofort ein großer Erfolg in Frankreich. Außerdem wurde Leetchi.com von Wired zum Startup of the Year 2013 gekürt. Im selben Jahr entschieden wir uns, die von uns entwickelte Zahlungsmethode als API für Online­Marktplätze und gemeinschaftliche Websiten anzubieten. Heute wickelt Mangopay mehr als €220 Mio. pro Jahr mit über 1.000 Partnern ab. Ich habe es nie als Nachteil wahrgenommen, eine Frau zu sein. Ich ermutige ganz ausdrücklich alle Frauen, die im Tech­Bereich arbeiten und ein eigenes Unternehmen gründen wollen: Nehmt das Risiko auf Euch, es lohnt sich!

Biographie: Céline, 33, ist Gründerin und CEO der Leetchi Group, dem Mutterkonzern von Leetchi.com, einem Online Money Pot Service und Mangopay, einer Zahlungs­API. Das Team besteht aus mehr als 50 Mitarbeitern in Paris, London, Luxemburg und Berlin. Céline gründete die Firma als 26­jährige Studentin und verkaufte sie 2015 an die Bank Crédit Mutuel Arkéa ­ Frankreichs erster FinTech Exit.

Gioia Pistola, Co­Founder & CMO Atooma, Italy

2012 habe ich als Angestellte in einem Startup gearbeitet, das eine Plattform für das italienische Universitätsnetzwerk entwickelt hat. Das war für zwei Jahre eine großartige Herausforderung, aber schon bald merkte ich, dass ich noch mehr bewirken möchte. Auch wenn ich zunächst verwirrt war, welche Schritte nun anstehen, gelang es mir, in ein Programm für Entrepreneure in Italien aufgenommen zu werden. Dort habe ich meine Mitgründer kennengelernt und die Idee für Atooma entstand. Ich kündigte meinen Job und startete dieses Wagnis als Mitgründerin und CMO. Das Risiko zu scheitern machte mir keine Angst. Heute denke ich, dass es die fesselndste und unwiderstehlichste Entscheidung der letzten drei Jahre war. Ungeachtet hunderter Hindernisse, die ich zu überwinden hatte, bereue ich nichts. Die Energie und Motivation, die ich durch diese Entscheidung erlangt habe, entschädigen für alle Mühen, egal ob sie zum Erfolg oder zum Scheitern führen. Was das Lernen und das persönliche Wachstum betrifft, gibt mir diese Erfahrung viel mehr als es viele Jahre im Anstellungsverhältnis je könnten. Währenddessen wurde ich auch noch Mutter, und ich gehe mit meinem Sohn auf dem Rücken zu Tech­Konferenzen. Ich will die Beurteilungen überwinden, mit denen wir als Gründerinnen und Mütter tagtäglich zu tun haben.

Biographie: Gioia Pistola, 30, lebt in Rom und hat einen MBA mit Schwerpunkt Technologie­Unternehmen. Sie hat mehr als acht Jahre Erfahrung in Produktmarketing, Entrepreneurship und Social Media Management in Startups und großen Konzernen, darunter Deloitte 500 fastest growing companies. Atooma wurde 2012 gegründet und hat mittlerweile 10 engagierte Mitarbeiter, die wachsenden IoT­Firmen dabei helfen, ihre Produkte mit Hilfe von Resonance AI, einer IoT Artificial Intelligence Platform, zu schärfen.

Vladka Teskova, Co­Founder & COO, TeskaLabs, Tschechien

Meine Reise begann in Jablonec nad Nisou, einer kleinen Stadt im Norden Prags. Ich war ein ruhiger Typ, ganz schön “geeky”, und lehnte es generell ab, mich an Regeln zu halten. Es ist also nicht ganz verwunderlich, dass meine Unternehmens­Laufbahn im Bereich Netzwerktechnologie und Funktechnik von kurzer Dauer war. Ich wollte schon immer mein eigenes Ding machen. Das Thema Internetsicherheit ist für mich ein Meer der Möglichkeiten und ein Rennen um Marktanteile. Was mich antreibt? Ein Gefühl der Dringlichkeit und meine Mission, andere Menschen vor Hackern zu schützen. Die Auswirkungen können verheerend sein ­ mein Team, das aus Ex-Hackern besteht, weiß das nur allzu gut. Wenn ich meinen Kopf freikriegen oder mein inneres Gleichgewicht wiederfinden muss, laufe ich tief in den Wald hinein. Diese ruhigen Momente zwischen Bäumen, Moos und Steinen sind meine Meditation. Danach bin ich gestärkt für die Herausforderungen, die auf mich warten. Als Chefin muss ich jeden Tag energiegeladen aufwachen, um mein Team inspirieren zu können, hinaus zu gehen und die digitale Welt zu einem sichereren Ort zu machen. Dieser Ansporn bringt mich auch durch harte Zeiten. Oh, was auch sehr hilfreich ist: mit Katzen zu spielen.

Biographie: Vladka Teskova, 35, ist COO von TeskaLabs, einem Netzsicherheits­Startup mit Sitz in Prag und London. TeskaLabs wurde 2014 gegründet und beschützt Privatpersonen und Firmen vor Bedrohungen im Bereich Mobile und IoT. Gemeinsam mit ihrem Mitgründer hat Vladka das 15­köpfige Unternehmen durch zwei Accelerator gebracht, darunter TechStars London. TeskaLabs ist bereits Vladkas viertes Startup und ihre bisher größte Herausforderung.

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Foto: Woman working on laptop from Shutterstock