„Ich habe mein Ego bewusst hinten angestellt“
Von Alexander
Dienstag, 13. Januar 2026

„Ich habe mein Ego bewusst hinten angestellt“

"Für Bloomwell war 2025 rein wirtschaftlich betrachtet das mit Abstand erfolgreichste Jahr seit der Firmengründung. Über uns haben 2025 mehrere hunderttausend Patient:innen Zugang zur Cannabis-Therapie erhalten", sagt Gründerin Anna-Sophia Kouparanis.

Bei der Bloomwell Group aus Frankfurt am Main, 2020 von Niklas Kouparanis, Anna-Sophia Kouparanis, Samuel Menghistu und Julian Wichmann gegründet, dreht sich alles um medizinisches Cannabis. Zu den Investoren der Jungfirma gehören Artemis Growth Partners, Measure 8 Venture Partners, M4 Capital und Schauspieler Moritz Bleibtreu.

Im Interview mit deutsche-startups.de blickt Bloomwell Group-Macherin Anna-Sophia Kouparanis einmal ausführlich auf das vergangene Jahr zurück.

2025 ist gerade rum. Was war das Highlight in den vergangenen Monaten bei Euch?
Nach einer 14-monatigen Elternzeit bin ich im Sommer wieder in den Betrieb zurückgekehrt. Ich habe mein eigenes Ego dabei bewusst etwas hinten angestellt, um nicht in die typische Falle zu tappen und zu sagen: Ich bin zurück und gebe wieder den Ton an. Das Team hat mich ganz wunderbar aufgenommen. Für die medizinische Cannabis-Industrie in Deutschland war 2025 ganz grundsätzlich ein sehr erfolgreiches Jahr. Importe und heimischer Anbau von Cannabis zu medizinischen und wissenschaftlichen Zwecken könnten sich auf fast 200 Tonnen summieren. Der Epidemiologische Suchtsurvey geht von fast 1,4 Millionen Cannabis-Patient:innen in Deutschland aus. Für Bloomwell, 2020 starteten wir erstmals überhaupt in Europa eine Telemedizin-Plattform für medizinisches Cannabis, war 2025 rein wirtschaftlich betrachtet das mit Abstand erfolgreichste Jahr seit der Firmengründung. Über uns haben 2025 mehrere hunderttausend Patient:innen Zugang zur Cannabis-Therapie erhalten.

Was lief 2025 bei Euch nicht rund?
Der Gesetzgeber leitet von den stark gestiegenen Importmengen und den rasant zunehmenden privat zahlenden Patient:innen einen Missbrauch ab. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat im Sommer daher einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Cannabis-Telemedizin und den Versand medizinischer Cannabisblüten massiv beschränken würde, sollte er tatsächlich so den Bundestag passieren. Wir gehen allerdings von Änderungen aus, da die relevanten Vertreter:innen der SPD-Fraktion allesamt Widerstand angekündigt haben. Dennoch hat dieses Gesetzesvorhaben den gesamten Markt, Investoren und vor allem auch Patient:innen verunsichert. Dabei sollte der Gesetzgeber sich vielmehr darüber freuen, dass die Digitalisierung des Gesundheitssystems im Falle von medizinischem Cannabis auf solch eine breite Akzeptanz gestoßen ist, ohne die GKV zu belasten und so effektiv, dass die Therapiekosten auf rund 30 bis 50 Euro monatlich gesunken sind.

Welches Projekt steht 2026 bei Euch ganz oben auf der Agenda?
Durch den vorliegenden Gesetzesentwurf steht bei uns Flexibilität mehr denn je an erster Stelle. Die gravierenden Änderungen sind im aktuellen Entwurf erstens ein verpflichtendes Arztgespräch zu Beginn einer Therapie mit medizinischen Cannabisblüten sowie zweitens ein Versandverbot von medizinischen Cannabisblüten für Apotheken. Aktuell bereiten wir uns für alle erdenklichen Szenarien vor. Ganz gleich wie das Gesetz am Ende aussehen wird, werden wir mit Bloomwell Cannabis-Patient:innen weiterhin einen sicheren und zuverlässigen Zugang zur Cannabis-Therapie ermöglichen. Zudem warten aktuell auch alle potenziellen Investoren auf den finalen Gesetzestext. Sobald dieser vorliegt, werden wir unsere nächste Finanzierungsrunde konkretisieren.

Mit welchen Erwartungen blickst Du wirtschaftlich auf 2026?
Ich gehe davon aus, dass SPD und CDU / CSU bei der Anpassungen des Medizinalcannabisgesetzes (MedCanG) einen Kompromiss finden, der die sichere Versorgung der Patient:innen auch digital gewährleistet. Es kann doch nicht sein, dass CDU und CSU im Jahr 2026 Digitalisierung und Telemedizin beschränken wollen, obwohl die Bundesregierung selbst die Digitalisierung des Gesundheitssystems ausgerufen hat, um die ausufernden Kosten durch mehr Effektivität in den Griff zu bekommen. Vor diesem Hintergrund blicke ich optimistisch auf 2026.

Was hast Du Dir persönlich für 2026 vorgenommen?
Als alleinerziehende Mutter möchte ich meine Aufgaben 2026 im Betrieb noch stärker ausbauen. Dafür habe ich inzwischen die entsprechenden Rahmenbedingungen aufgebaut, indem ich die manchmal herausfordernde Kinderbetreuung so gestaltet habe, dass ich selbst über ausreichend freie Ressourcen für die Arbeitswelt verfüge. Ich bin überzeugt, dass es mir auch 2026 gelingen wird, Unternehmertum und Mutterdasein auch alleinerziehend erfolgreich zu vereinen. Jenseits dessen, sehen wir bei Bloomwell weiterhin viel Potenzial bei neuen innovativen Produkten und Darreichungsformen im Bereich Medizinalcannabis. Auch beim Blick auf weiter entwickelte Regionen hat Deutschland in diesem Bereich noch viel Luft nach oben.

Tipp: Mehr Rück- und Ausblicke findet ihr in unserem Jahresrückblick.

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Foto (oben): Bloomwell Group