Von Team
Mittwoch, 6. Oktober 2021

Ein Zyklus-Computer für die Frau: Die Geschichte hinter trackle

Die natürliche Familienplanung durch digitale Technik besser steuern: Das ist die Idee von trackle. Wie Katrin Reuters eigener Kinderwunsch sie zur Gründung brachte und welche Förderung sie auf diesem Weg erhielt, liest du hier.

Am Anfang ihrer Reise stand der Wunsch der Familiengründung. Als Katrin Reuter und ihr Partner 2015 beschlossen, Eltern zu werden, setzte sie die Pille ab – und hoffte. Um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen, suchte Reuter nach einer verlässlichen Methode der Körpertemperaturmessung. Diese steigt rund um den Eisprung, also dem fruchtbaren Zeitraum einer Frau, nämlich um etwa 0,5 Grad an.

Bei der natürlichen Familienplanung (NFP) wird dabei jeden Morgen händisch und zur selben Zeit die Körperkerntemperatur gemessen – für Katrin Reuter nicht die ideale Lösung. „Das war mir zu umständlich und zu fehleranfällig“, sagt sie. „Ich wollte es bequemer haben.“

Zyklus-Computer hilft, fruchtbare Tage zu erkennen 

Die Idee: Mithilfe eines kleinen Devices, das über Nacht minütlich die Körperkerntemperatur misst, die Zyklusermittlung genauer und einfacher machen. Die so erhobenen Daten werden anschließend verschlüsselt an die dazugehörige App übermittelt. Aus der Idee, einen Zyklus-Computer zur genauen Bestimmung der fruchtbaren Zeiträume zu entwickeln, wurde ein Geschäftsmodell. 2015 gründete die Unternehmerin gemeinsam mit ihrem Mann Maxim Loick und dem Unternehmer Stephan Noller die trackle GmbH.

Von Experimenten, Ingenieuren und Business-Angels 

Der Weg vom ersten Prototypen bis zum fertigen Produkt war von vielen Experimenten geprägt. „Anfangs hat es etwas gedauert, bis wir wussten, mit welcher Funktechnik wir die Temperaturdaten auf die App übertragen bekommen“, erinnert sich die Start-up-Unternehmerin, die zuvor als IT-Projektmanagerin und Unit Director in einer Webagentur gearbeitet hatte. Schließlich lernten sie, welche Beschaffenheit das finale Gerät mitbringen muss – auch dank eines guten Netzwerkes in die Startup-Szene und in Ingenieurskreise. 

Denn: trackle benötigte als medizinisches Produkt zwingend eine Zertifizierung, bevor es in den Verkauf gehen konnte. „Vorher ließ sich kein Euro verdienen – daher mussten wir schnell wieder aus der Prototyping-Phase heraus“, erklärt die Bonnerin. 

Der Zyklus-Computer ist als Medizinprodukt zertifiziert (Foto: trackle)

Unkomplizierte Unterstützung durch die NRW.BANK 

Bei der Finanzierung der Geschäftsidee erhielt das Gründertrio Unterstützung durch die NRW.BANK. „Ich habe mich umfassend über Fördermaßnahmen für Technologie-Startups informiert und bin dabei immer wieder auf die NRW.BANK gestoßen“, sagt Reuter. Als Förderbank für Nordrhein-Westfalen begleitet diese Existenzgründerinnen und -gründer sowie Startup-Unternehmerinnen und -unternehmer aus NRW in allen Phasen – von der Idee über die Gründung bis zum Wachstum mit zinsgünstigen Förderdarlehen, Eigenkapitalfinanzierungen und Förderberatung. Katrin Reuter traf hier auf Stefan Dörpinghaus und Torsten Klink. Die beiden NRW.BANK-Experten für Frühphasenfinanzierung griffen ihr bei der Suche nach Kapital unter die Arme und machten sie mit ihrem Netzwerk aus Investorinnen und Investoren bekannt. „Wir laden potenzielle Gründerinnen und Gründer zu unseren Pitch-Veranstaltungen ein, um sich vor Investorinnen und Investoren zu präsentieren“, erklärt Dörpinghaus. „Im Vorfeld helfen wir dabei, die Präsentation vorzubereiten.“

Mit Erfolg: „Mit Unterstützung der NRW.BANK fanden wir direkt einen Investor, der die Finanzierungsrunde anstieß“, erinnert sich Reuter. So kam insgesamt ein sechsstelliger Betrag zusammen. Die Investition der NRW.BANK kam aus dem Programm NRW.SeedCap. „Mit diesem Beteiligungsprogramm begleiten wir junge Unternehmen in der frühen Unternehmensphase. Da sie oft noch keine Kunden und somit keinen Umsatz haben, fehlen ihnen ansonsten die Finanzierungsmöglichkeiten“, erläutert Klink. 

Der NRW.SeedCap auf einen Blick

  • Der Finanzierungsanteil der NRW.BANK beträgt in der ersten Finanzierungsrunde bis zu 100.000 Euro.
  • In einer zweiten Finanzierungsrunde können bis zu weitere 100.000 Euro bereitgestellt werden.
  • Die NRW.BANK verdoppelt das Investment des Business Angels zu gleichen Konditionen.
  • Die Finanzierungsanteile der NRW.BANK und des Business Angels werden als Bareinlage erbracht.
  • Sicherheiten müssen nicht gestellt werden.
  • Die Zusage beziehungsweise Auszahlung der Fördersumme erfolgt innerhalb weniger Wochen.

Die Voraussetzungen für eine Finanzierung durch NRW.SeedCap

  • Das zu fördernde Unternehmen muss seinen Sitz in NRW haben.
  • Das Unternehmen darf nicht älter als 36 Monate sein.
  • Ein Business Angel muss bereit sein, in das Start-up zu investieren.
  • Die Gründerin oder der Gründer muss einen erkennbaren Eigenanteil leisten oder bereits geleistet haben.
  • Das Unternehmen muss innovativ und wachstumsorientiert sein.
  • Das Geschäftsmodell muss grundsätzlich skalierbar sein.

Erfolgreicher Markteintritt

Mit dem Beteiligungskapital aus dem NRW.SeedCap konnte Katrin Reuter ihre Produktinnovation auf den Weg bringen. Mitte 2018 gelang ihr der Markteintritt mit trackle. Heute ist mit ihrem Produkt in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Ungarn, Polen, Spanien, Italien und in Frankreich vertreten. Und weitere Stationen der Expansionsstrategie hat Katrin Reuter bereits fest im Blick. 

Firmengründerinnen: Erfolgreich, aber selten 

Noch sind es viel zu wenige Frauen, die wie Katrin Reuter ein Startup gründen. Das belegt der Female Founders Report 2021. Dieser Untersuchung zufolge betrug im Jahr 2020 der Frauenanteil unter bundesweit allen Gründerinnen und Gründern 17,9 Prozent, unter den Startup-Gründenden waren es nur 11,9 Prozent. Damit sind die Potentiale der am besten qualifizierten Frauengeneration aller Zeiten also bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. „Es ist wichtig, dieses Potenzial stärker zu nutzen“, sagt Gabriela Pantring, Mitglied des Vorstands der NRW.BANK. „Dabei geht es nicht nur um die Karrierechancen von Frauen. Gründerinnen bringen auch neue Blickwinkel in die Wirtschaft ein. Bei der strategischen Ausrichtung ihrer Unternehmen setzen sie eher auf Profitabilität und die positive gesellschaftliche oder ökologische Wirkung statt auf schnelles Wachstum. Das macht sie zu wichtigen Trendsetterinnen für die notwendige Transformation zu einer nachhaltigeren Wirtschaft.

Mehr Geld fürs Wachstum: NRW.Venture 

Um ihre Unterstützung für diejenigen Start-ups weiter zu stärken, die bereits die ersten Schritte gemacht, erste Finanzierungen erhalten haben und auf Wachstumskurs sind, hat die NRW.BANK ihr Venture-Capital-Geschäft jüngst unter dem Namen NRW.Venture neu und stärker aufgestellt. Dazu gehört auch der „Venture-Circle“, der aus sechs hochrangigen Expertinnen und Experten für Start-ups und Venture-Capital besteht. Dieser berät NRW.Venture im Hinblick auf zukünftige Marktentwicklungen und unterstützt in der Ausrichtung der Investmentstrategie. 

Zur Erstbesetzung des neuen „Venture-Circle“ der NRW.BANK gehört Dr. Irina Staatz-Granzer, eine erfahrene Kennerin der Pharma- und Biotechnologiebranche. Die Inhaberin und Geschäftsführerin der Staatz Business Development & Strategy berät seit 2006 Start-ups zu ihren Wachstumsstrategien und zur Kommerzialisierung ihrer Geschäftsmodelle. Warum sie sich jetzt als Mitglied des „Venture-Circle“ der NRW.BANK für die Startup-Szene in Nordrhein-Westfalen engagiert, verrät sie im Podcast-Interview mit Caroline Gesatzki, Leiterin Kommunikation der NRW.BANK. 

Im Podcast „NRW.BANK.Hörbar“ erfährst Du mehr:

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Starthilfe für gute Ideen aus NRW

In Nordrhein-Westfalen soll keine gute Idee an der Finanzierung scheitern – unabhängig davon, ob eine Solo-Gründerin oder ein Solo-Gründer, ein rein weibliches, rein männliches oder auch gemischtes Gründerteam dahintersteht. Die NRW.BANK fördert Gründerinnen und Gründern in allen Unternehmensphasen. Denn gute Ideen und Innovationen sind der Motor für die Beantwortung vieler wirtschaftlicher, ökologischer sowie sozialer Fragen unserer Zeit.

Gute Idee in NRW? Jetzt Kontakt aufnehmen!

Mehr über trackle und die Unterstützung der NRW.BANK findest du hier:

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Dieser Artikel erschien zuerst bei t3n; Autor: t3n Redaktion.
Fotos: trackle / Claudia Kempf