Von Team
Freitag, 20. August 2021

Erfolg liegt auch abseits der Metropolen

Entscheidend für die Wahl des Standorts ist für viele Gründer:innen zunächst die Frage nach der vorhandenen Infrastruktur. Ein breites Netzwerk von Expert:innen, Know-how, Mentor:innen und Investor:innen sollte vor Ort zugänglich sein.

Trotz der Corona-Krise nimmt die Gründungsaktivität in Deutschland weiter zu. In Niedersachsen ist beispielsweise laut dem Startup Monitor Niedersachsen die Zahl der Startup-Gründungen 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent gestiegen. Denn auch abseits der Startup-Hochburgen Berlin, München, Hamburg und Frankfurt existieren längst lebendige Startup-Ökosysteme. Ein wertvoller Partner sind dabei Initiativen und Gründerzentren, die junge Startups aus der Region nicht nur unter einem innovativen Dach vereinen, sondern ihnen auch das richtige Werkzeug und Wissen für den Start an die Hand geben. Hier sind die vier wichtigsten Vorteile des Gründens abseits der Metropolen.

Infrastruktur und Netzwerk – die Grundlagen des Gründens

Entscheidend für die Wahl des Standorts ist für viele Gründer:innen zunächst die Frage nach der vorhandenen Infrastruktur. Ein breites Netzwerk von Expert:innen, Know-how, Mentor:innen und Investor:innen sollte vor Ort zugänglich sein. Der Blick auf mögliche Partner, wie das passende Gründerzentrum in der gewählten Umgebung, kann dabei helfen. Gute Kontakte zu Hochschulen, Kammern sowie der Wirtschaftsförderung können hier eine wichtige Rolle im weiteren Aufbau des jungen Startups spielen.  

Das Technologie- und Gründerzentrum Oldenburg (TGO) stellt beispielsweise sein Netzwerk in der Region und in Niedersachsen den ansässigen Unternehmen zur Verfügung. Die Vorteile der Region liegen hierbei besonders in den kurzen Kommunikationswegen, die durch persönliche Kontakte stets gegeben sind. Vor allem Startups mit einem digitalen Fokus können aufgrund ihrer Standortunabhängigkeit von den persönlichen Netzwerken abseits der Metropolen profitieren, vorausgesetzt die digitale Infrastruktur erlaubt die notwendige Konnektivität. Der Ausbau des Breitbandnetzes wird diese Komponente auch in Zukunft weiter fördern und Gründungswillige mehr und mehr aus den Metropolen ziehen – wer allerdings nicht bis zum Glasfaserausbau warten kann und möchte ist auch in diesem Falle in einem Gründerzentrum in der Region gut aufgehoben. 

Viele Gründerzentren setzen auch beim Arbeiten auf kreative Konnektivität und ermöglichen durch Coworking Spaces eine Interaktionsplattform, die Gründer:innen weitere Anknüpfpunkte sowie flexibles Arbeiten ermöglichen soll, so auch im GO! Work Coworking Space des TGO.

Verlässlichkeit, Vertrauen, Vorsprung 

Verlässlichkeit und Vertrauen innerhalb der Szene schaffen ein sicheres Netz für Gründer:innen. Daraus resultieren schnelle Entscheidungen, etwa hinsichtlich Kooperationen oder der Finanzierung. Gründer:innen profitieren regional oftmals von einer hohen Transparenz und einem funktionierenden „Empfehlungsmarketing“. Innerhalb der Gründungsszene herrscht hinsichtlich der Unterstützung kein Verdrängungswettbewerb, sondern ein viel mehr passend abgestimmtes Angebot, das jedem Startup diverse Chancen ermöglicht. Eine Studie des deutschen Industrie- und Handelskammertages hat vor einiger Zeit analysiert, warum viele Gründungsinteressierte letztlich vor einer Gründung zurückschrecken: An erster Stelle stehen bürokratische Anforderungen. Auch bei dieser Hürde können Gründerzentren den Gründer:innen häufig ebenfalls behilflich sein. Durch die vielfältige Gründerszene, die sich an solch innovativen Knotenpunkten zusammenfindet, stützen sich Gründerzentren auf jahrelange Erfahrungen, die sie an die Gründer:innen und jungen Unternehmen weitergeben. Dieses Engagement fördert die Vertrauensbasis und ermöglicht den Gründer:innen einen deutlichen Vorsprung gegenüber den Einzelkämpfer:innen die außerhalb von Gründerzentren agieren.

Attraktive Förderung, Finanzierung und Fixkosten

Dass auch die Regionen abseits der Metropolen attraktiv für Gründer:innen sein können, zeigt sich durch diverse konkrete Förderungsprogramme und Finanzierungshilfen, die auch vermehrt von Gründerzentren ins Leben gerufen werden. Das TGO beispielsweise bietet Startups seit drei Jahren das Accelerator-Programm GO!. Gründer:innen können dabei auf ein Netzwerk aus starken regionalen Akteuren in den Bereichen Digitalisierung, Energie, Gesundheit und Nachhaltigkeit bauen das ihnen hilft, ihr Geschäftsmodell aufzustellen. Darüber hinaus bietet das GO! auch Geschäftsmodellentwicklungen für größere Unternehmen an und hat bereits den Energiekonzern EWE AG sowie das Großhandelsunternehmen FAMO beraten. 

An dem Accelerator-Programm beteiligen sich unter anderem die in Oldenburg ansässigen Unternehmen EWE sowie CEWE. Auch Forschungseinrichtungen, wie das OFFIS (Institut für Informatik der Universität Oldenburg) sind an dem Programm beteiligt. Im Rahmen des speziellen Förderprogramms erhalten Startups über sechs Monate ein intensives Coaching und bekommen die Chance mit erfahrenen Expert:innen zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus sind hier auch weitere Forschungseinrichtungen (Fraunhofer, DFKI, DLR) angesiedelt, die einen anwendungsorientierten Forschungsansatz verfolgen und an der Kooperation mit Startups interessiert sind. 15 Partner aus der Wirtschaft, sowie das Land Niedersachsen und die Stadt Oldenburg fördern den Accelerator. Durch diese Förderung ist es für die teilnehmenden Startups auch nicht notwendig, Firmenanteile abzugeben, wie es teilweise bei anderen Accelerator-Programmen der Fall sein kann.

Doch auch, wenn solche Initiativen an anderen regionalen Standorten erst wachsen und noch nicht überall verfügbar sind, so sind hier doch die attraktiven niedrigen Fixkosten für Gründer:innen ein weiteres Argument entgegen der hohen Mietpreiskonkurrenz in den Metropolen. Wenn das junge Startup dann exponentiell schnell wachsen sollte und Personalzuwachs notwendig ist, bedeutet das für Gründer:innen in diesem Milieu weniger finanzielle Belastung als in einer überteuerten Metropolenregion. Darüber hinaus bieten Gründerzentren durch die oftmals flexibleren Mietkonditionen nicht nur geeigneten Freiraum für die schnelle Vergrößerung oder, wenn nötig, Verkleinerung der jungen Unternehmen. Sie bieten zusätzlich mit attraktiven Serviceleistungen rund um das Unternehmertum einen Mehrwert, den es in herkömmlich gewerblichen Immobilien nicht gibt. Abseits der Ballungszentren lohnt sich der erwähnte Kostenvorteil außerdem nicht nur im beruflichen Kontext der Gründung, sondern auch privat. Egal ob Mietwohnung oder Eigenheim, die Lebenshaltungskosten sind hier wesentlich moderater. 

Hoher Lebensstandard, hohe Zufriedenheit, hohe Erfolgschancen

Aus einer geringeren finanziellen Belastung ergibt sich abseits der Metropolen für Gründer:innen häufig automatisch die Möglichkeit, einen höheren Lebensstandard zu halten. Eine Studie der Hochschule Landshut aus 2020 hat außerdem gezeigt, dass die knapp 100 teilnehmenden Gründer:innen die familiäre Situation in ländlichen Regionen als eine deutlich höhere Priorität wahrnahmen. Mehr Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance ist die Folge, genauso wie der Vorteil der geringen Distanz zum Wohnort und der dadurch eingesparten Pendelzeit. Diese Zufriedenheit hält auch bei einem großen Teil der Gründer:innen dem potentiellen Drang zum Standortwechsel in eine Metropole statt. Im Fokus stünde auch hier, näher an regionale Gründerzentren oder Kooperationspartner zu kommen. 

Dass die Entscheidung, weg aus der Metropole, hin zum regionalen Gründen, belohnt werden kann zeigen auch die vielen Oldenburger Gründer:innen, wie beispielsweise der junge Geschäftsführer von Quantumfrog, Hendrik Rump. Die Oldenburger Digital-Agentur Quantumfrog ist seit 2015 Mieter im TGO und wurde jüngst mit dem Deutschen Computerspielpreis ausgezeichnet. Auch zukunftsorientierte und nachhaltige Startups, wie Buses4Future nutzen die Möglichkeiten innerhalb des Gründerzentrums. Buses4Future produziert Wasserstoff-Busse, die eine emissionsfreie Mobilität ermöglichen. Das Oldenburger Startup wurde 2020 Landessieger im Gründerwettbewerb der KfW Bankengruppe, nachdem es zuvor den Accelerator GO! durchlaufen hatte. Darüber hinaus erhielt Buses4Future Venture-Capital durch das Land Niedersachsen. Diese Erfolgsgeschichten zeigen deutlich die Vorteile des vorhandenen und ausgeprägten Netzwerks auf.

Fazit

Zusammengefasst zeigt sich, dass das Gründen abseits der großen Metropolregionen besonders von kurzen Wegen, abgestimmten Angeboten und persönlichen Kontakten profitiert. Die darüber hinaus benötigte Infrastruktur kann durch geeignete Partner, wie Gründerzentren, in der jeweiligen Region etabliert werden. Sowohl junge Startups als auch lange in der Region verankerte Unternehmen werden dabei durch eine florierende Gründungsszene miteinander vernetzt und nachhaltig gestärkt.

Über den Autor
Jürgen Bath ist seit 20 Jahren Geschäftsführer des Technologie- und Gründerzentrums Oldenburg – TGO und betreut dort und im angeschlossenen Accelerator „GO! Start-up Zentrum“ junge innovative Unternehmen.  Ehrenamtlich ist er regional und überregional für die Interessen von Start-ups tätig,  u.a. als 1. Vorsitzender des „Verein Technologie-Centren Niedersachsen e.V.“ – VTN, als Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Innovationszentren BVIZ und als Mitglied der Vollversammlung der Oldenburgischen IHK.

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Foto (oben): Shutterstock