Von Team
Freitag, 25. September 2015

Gründen will gelernt sein – es geht um mehr als Geld

Neben einer soliden Finanzierung brauchen Gründer die richtige Persönlichkeit und das nötige Know-how, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. An Hochschulen lässt sich „Entrepreneurship“ sogar studieren und der Unternehmergeist trainieren. Für wen und wieso sich ein solches Studium lohnen kann.

Wenn in Deutschland von Gründerförderung die Rede ist, steht meist die Gründungsfinanzierung im Fokus. Grundlegend ist das nicht falsch: Die Finanzierung ist ein erfolgskritischer Aspekt, an dem Neuunternehmer häufig scheitern. Doch die Gründe für das Scheitern einer Gründung sind vielfältig, und Geldmangel ist nur ein Symptom. Schlechte Kalkulationen und kaufmännische Mängel führen dazu, dass eine Finanzierung nicht oder nicht in der erforderlichen Höhe zu Stande kommt. Das Geld geht zu früh aus. Oberflächliche Marktbeobachtungen und mangelnde Detailkenntnisse resultieren in nicht belastbaren Annahmen, schlecht kommunizierten Wettbewerbsvorteilen und ungenügend ausgearbeiteten Business-Plänen. So scheitert eine gute Idee an einem unzureichend durchdachten Geschäftsmodell. Gründerförderung heißt deshalb auch Persönlichkeitsentwicklung und Aufbau von betriebswirtschaftlichem Know-how. Bei den Gründern selbst, aber auch bei Beratern und Investoren.

Ohne BWL-Grundlagen geht es nicht

Sogar als innovatives IT-Start-up, sogar als Kreativagentur: Für Gründer sind Basiskenntnisse in vielen Bereichen der Betriebswirtschaft sowie deren Zusammenhänge unverzichtbar. Das ist weniger trivial, als es klingt. Gerade in Start-ups müssen viele Kenntnisse und Fähigkeiten in wenigen Personen vereint werden. Nicht selten muss der Gründer neben einem Blick für die grundlegenden Anforderungen seiner Idee auch Fähigkeiten im Projekt- und Qualitätsmanagement, Marketing und Personal verfügen. Dazu kommen die wichtigsten Kenntnisse über Finanzierung und Investition, über Steuer- und Unternehmensrecht. Ein Entrepreneurship-Studium bietet hier eine solide Basis. Es deckt alle Bereiche ab, behält aber – im Gegensatz zu einem allgemeinen BWL-Studium – stets die Brille des Gründers auf. Im Laufe des Studiums lässt sich das Erlernte sukzessive auf die eigene Idee anwenden.

Der Gründer geht so kompetenter und vorbereiteter in die ersten Gespräche und Verhandlungen mit einem möglichen Finanzier – sei es eine Bank, ein Venture Capitalist oder ein anderer privater Investor. Er kann nachvollziehbar darstellen, dass er versteht, wovon er spricht, wofür er das Geld einsetzen will und was ein Investor von einer Beteiligung erwarten kann. Doch auch für Berater und Investoren ist dieses fachübergreifende Wissen hilfreich, vermittelt es doch Verständnis für die Bedürfnisse und die Perspektive des Gegenübers. Welche Themen treiben den Gründer gerade an? Welche Faktoren des Gründers und der Idee sind erfolgskritisch? Wie unterstütze ich seinen langfristigen Erfolg? Welche Investitionen sind zu tätigen und auf welchem Wege sind diese zu finanzieren?

Begleitung beim Business Plan

Welcher Gründer kennt es nicht: Schaut man zurück, sind es die Fehler, aus denen man am meisten gelernt hat. So dankbar man auf die Erfahrung zurückblickt, so schön wäre es doch, viele dieser Fehler nicht bei so einem wichtigen Projekt wie dem eigenen Business Plan zu machen. Im Rahmen eines Entrepreneurship-Studiums bietet sich ein gutes Testumfeld für die ersten Schritte.  Das Lernen aus Fehlern und Erfolgen im Rahmen von Fallstudien oder Planspielen ermöglicht praktische Lehren, ohne im negativen Fall die Folgen daraus tragen zu müssen.

Nachdem die ersten Erfahrungen gemacht und die ersten Hürden aus dem Weg geräumt sind, kann der angehende Unternehmer die eigene Gründungsidee in das Studium einbeziehen und am realen Projekt weiterarbeiten. Schritt für Schritt lässt sich so das eigene Geschäftsmodell entwickeln, abgrenzen und mit gründungserfahrenen Professoren und Kommilitonen diskutieren. Im Idealfall stehen am Ende der fertige Businessplan und die erfolgreiche Gründung.

Ein Auge für das Potenzial

Auch wer nicht selber gründet, aber Gründer beruflich berät oder in ihre Ideen investiert, sollte genau verstehen, welchen Herausforderungen sich diese aktuell gegenüber sehen. Dazu gehört es, alle für den Gründer wichtigen Stellschrauben zu kennen, am besten auch schon einmal selbst einen Business Plan entworfen oder sogar selbst gegründet zu haben. Mit einem Entrepreneurship-Abschluss signalisieren Berater ebendiese Expertise und Erfahrung und grenzen sich von Konkurrenten ab.

Doch so wie Gründer mehr sind als ihr Business-Plan, sind auch Gründungsberater und Investoren mehr als die Summe aus Finanzwissen und Geldbeutel. Für sie kommt es letztlich darauf an, eine besondere Gründerpersönlichkeit zu entdecken und deren Potenzial bestmöglich zu unterstützen und zu fördern. Auch der Gründer  selbst sollte sich mit seiner Gründungsidee als rohen Diamanten verstehen, der es wert ist, immer weiter geschliffen zu werden. Dieser Schliff der Geschäftsidee, des eigenen Führungsstils und der eigenen Persönlichkeit ist Gold wert – für ein Herzensprojekt wie die Firmengründung allemal. Ein Studium kann einen guten Rahmen bilden, um alles gleichzeitig zu formen.

Passend zum Thema: “14 Gründe, ein eigenes Unternehmen zu gründen

Zur Person
Prof. Dr. Daniel Markgraf ist Professor an der Fernhochschule AKAD University, Mitgründer des Online-Portals unternehmenswelt.de und sitzt im Aufsichtsrat der Gründerberatung Foundervision. Zum September 2015 startete sein neuer Studiengang MBA Entrepreneurship und Innovation an der AKAD University, in den er seine jahrelangen praktischen Erfahrungen eingebracht hat.

Foto: start up from Shutterstock