Von Team
Montag, 11. Mai 2015

Wie Start-up mit Green-IT nachhaltig arbeiten können

Mit der Etablierung einer nachhaltigen IT-Infrastruktur lassen sich nicht nur Kosten senken, Ressourcen und Energie sparen, sondern ebenso klimaschädliche CO2-Emissionen reduzieren. Diese bietet gerade Start-ups einen großen Mehrwert, denn sie trägt zur Steigerung der Leistungsfähigkeit bei.

Unternehmen, die sich nachhaltig ausrichten, werden künftig von Wettbewerbsvorteilen profitieren. Die Nachfrage nach verantwortungsvollen Produkten und fairem Umgang von Unternehmen wird von Konsumenten immer mehr gefordert. Die Entwicklung in der Kleidungs- und Kaffeeindustrie hat gezeigt, dass Konsumenten und Kunden verantwortungsvolles Handeln von Herstellern und Produzenten fordern und dadurch indirekt durchsetzen können. Daher können insbesondere junge Unternehmerinnen und Unternehmer, die ein Unternehmen aufbauen, von einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten IT-Infrastruktur profitieren. Dieser Artikel gibt Antworten auf die Frage, wie die Umsetzung einer nachhaltigen IT-Infrastruktur in jungen Unternehmen gelingen kann.

Nachhaltigkeit als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor

Eine nachhaltige Unternehmensausrichtung wird immer mehr auf die Kaufentscheidung von Konsumenten auswirken. Die Anzahl der bewussten Konsumenten wächst und neben dem Endprodukt interessieren sich Kunden zunehmend mehr auch für das Unternehmen, das hinter dem Produkt oder der Dienstleistung steht. Auch Gründer*innen haben den Trend zur Nachhaltigkeit als Notwendigkeit festgestellt und setzen bereits bei der Gründung Wert auf eine nachhaltig ausgerichtete Unternehmensstrategie.

Eine nachhaltige IT-Struktur ist nur eine davon. Durch die hohe Bedeutung von IT-Prozessen ist es jedoch empfehlenswert auch die Unternehmens-IT nachhaltig auszurichten. Ansprüche an eine professionelle IT im Unternehmen sowie an eine nachhaltige Unternehmensstrategie decken sich damit. Von der Einsparung von Ressourcen, Energie, CO2 und Kosten profitiert das eigene Unternehmen und die Umwelt.

Gute Gründe für Green-IT im eigenen Unternehmen

Der Begriff Green IT beschreibt den umwelt- und ressourcenschonende Einsatz von Informations- und Kommunikationstechniken. Während es bei dem Ansatz „Green in IT“ um Möglichkeiten und Technologien geht, die den Ressourcen- und Energiebedarf innerhalb von Rechenzentren, Infrastrukturen und IKT-Endgeräten zu minimieren, bietet der Ansatz „Green through IT“ Lösungen, den Einsatz von Ressourcen und Energie durch den Einsatz von IT zu reduzieren.

Durch den Einsatz von Green IT kann ca. 40 % an Materialien für Hardware eingespart werden, ebenso der benötigte Energiebedarf als auch der Ausstoß von CO² minimiert werden. Die Nutzung von IT-Anwendungen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen und wird auch in Zukunft weiter steigen. Viele Arbeitsprozesse in Unternehmen werden ausschließlich über IT-Prozesse ausgeführt. Bereits heute erzeugt der Betrieb von IT-Technologien weltweit genauso viele CO²-Emissionen wie der Flugverkehr. Darüber hinaus wird sich der IT-bedingte Stromverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2020 um mehr als 20 % erhöhen. Und auch der Ressourcenverbrauch für die Herstellung und Nutzung von IT-Produkten wächst stetig.

Hinzu kommen weitere ökologische, soziale und ökonomische Herausforderungen, wie beispielsweise die Beschaffung von Metallen und seltenen Erden, die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung oder die Verwertung und Rückgewinnung von Elektronikabfällen aus IT-Produkten. Damit wächst die Notwendigkeit für Unternehmen mit ihren IT Ressourcen sparsam umzugehen.

Nachhaltigkeit intelligent in der Unternehmensstrategie verankern

Das besondere an einer nachhaltigen IT-Infrastruktur ist der ganzheitliche Ansatz: Beschaffung, Nutzung, Verwertung und Entsorgung von IT wird als zusammenhänger Zyklus verstanden. Grundlage für eine nachhaltige IT ist daher eine schlanke Unternehmens-IT, bei der es darum geht, möglichst mit wenigen Ressourcen auszukommen. Damit bleiben insbesondere junge Unternehmen flexibel in der Ausgestaltung ihrer eigenen IT. Ressourcen können in den Aus- und Aufbau des Unternehmens investiert werden, ohne dabei auf eine professionelle IT zu verzichten.

Zu den zentralen Bausteinen einer nachhaltigen und grünen Unternehmens-IT zählen eine schlanke Serverstruktur mit einem übersichtlichen Datenablagesystem, ein passend dimensionierter Einsatz von Software und Hardware und ein auf den Unternehmenszweck ausgerichteter Einsatz von IT-Anwendungen.

Software

Allein der Einsatz überdimensionierter Software bindet unnötig Ressourcen und erhöht den Bedarf an Energie und Lizenzen, was zusätzliche Kosten verursacht. Anforderungen an die Nutzung der IT und des genutzten Betriebssystems sowie weiterer Software werden analysiert. Viele Anwendungen lassen sich mit alternativer Software, wie Open Source Software, also Software mit offenem Quellcode, oder freier Software, also Software deren Einsatz dem Anwender frei steht, umsetzen. Diese Software ist nicht nur kostengünstig und verfügt über transparente Lizenzbedingungen, sondern verbraucht häufig auch weniger Speicherplatz und Energie und lässt sich besser in vorhandene Strukturen implementieren. Zusätzlich lassen sich diese, dank offener Schnittstellen, noch besser in die IT-Struktur integrieren, als es bei proprietärer Software möglich ist, also jener Software, die aufgrund von Lizenzrechten nicht zu öffnen oder zu lesen ist.

Hardware

Ebenso kann der Einsatz von Hardware bedarfsgerecht dimensioniert werden. Viele Arbeitsprozesse lassen sich mit Thin Clients oder sogenannten Mini-PC umsetzen. Mit einer schlanken IT-Architektur lässt sich außerdem Reused und Refurbished-IT, also gebrauchte und professionell aufbereitete Hardware, verwenden. Diese Hardware ist professioneller und leistungsstärker als Consumer-produkte. Außerdem werden bereits dafür aufgewendete Ressourcen weiter genutzt und auch Kosten für Investitionen in neue IT-Hardware gespart. Bei der Beschaffung neuer Hardware sollte zudem auf Reparaturmöglichkeiten geachtet werden, um die Hardware langfristig nutzen zu können. Die Beachtung von Umweltsiegeln hilft bei der Auswahl neuer Hardware zusätzlich. Hier bieten Bewertungen von Nichtregierungsorganisationen wie German Watch, Südwind und Greenpeace Orientierung. Gütesiegel sind hier der Blaue Engel, EU Ecolabel, TCO oder auch Hardware, die mit dem Energy Star ausgezeichnet sind.

Anwendungen

Viele manuelle Prozesse können durch den Einsatz von IT-Techniken abgelöst werden um eine Doppelarbeit für das IT-System, die Nutzer und auch für die Umwelt vermeiden. Automatisierte und standardisierte IT-Prozesse unterstützen ein optimales Zusammenwirken. Nutzer der IT-Lösungen sollten unbedingt mit einbezogen werden, um zu gewährleisten, dass Arbeitsabläufe optimal unterstützt werden und ein bewusster sowie zweckmäßiger Umgang mit der IT im Unternehmen gefördert wird. Nutzer profitieren zudem von einer schlanken IT, weil sie sich besser in der Anwendung der IT-Umgebung zurechtfinden.

Existieren viele verschiedene IT-Systeme nebeneinander, erschwert dies zudem die Transparenz, was sich wiederum auf die Verwaltung der IT auswirkt. Eine schlanke IT-Struktur wirkt sich somit auch positiv mit Blick auf das Risiko für die IT Sicherheit im Unternehmen aus. Weiterhin können Ressourcen für Wartungen, Updates, sowie Backups minimiert werden.

Fazit

Mit der Etablierung einer nachhaltigen IT-Infrastruktur lassen sich nicht nur Kosten in Unternehmen senken, Ressourcen und Energie einsparen, sondern ebenso klimaschädliche CO2-Emissionen reduzieren. Diese bietet gerade jungen Unternehmen einen großen Mehrwert, denn sie trägt zur Steigerung der Leistungsfähigkeit sowie zum wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen bei und leistet darüber hinaus einen wertvollen Beitrag für die Umwelt. Die zentrale Aufgabe bei der Entwicklung einer nachhaltigen Unternehmens-IT besteht daher darin, diese effizient und auf den Unternehmenszweck hin auszurichten.

Es gilt der Grundsatz: “Die grünste IT ist diejenige, die nicht gebraucht wird“.

Passend zum Thema: “Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil für Start-ups“.

Zur Person
Nele Lübberstedt ist Geschäftsführerin der kaneo GmbH und unterstützt Unternehmen dabei durch optimierte Prozesse die Performance, Qualität und Nachhaltigkeit innerhalb der IT-Systeme zu erhöhen.

Foto: Green technology from Shutterstock