Als Einzelgründer durchstarten – aber wie?

Während sich die Welt an hippen Start-ups ergötzt, bleibt eine Gründer-Gruppe meist unerwähnt: die der Einzelgründer. Dabei wollen viele Gründer ihre Idee zunächst alleine umsetzen – was durchaus Vorteile haben kann, da ein schnellerer Markteintritt möglich ist. Allerdings ist nicht jedes Geschäftsmodell für Solopreneure passend. Was Einzelgründer darüber hinaus beachten müssen, war Thema beim erstem Solopreneur Day.

“Solopreneure werden oft nicht ernst genommen”

“Start-ups haben gerade Hochkultur”, weiß Gründer-Coach Ehrenfried Conta Gromberg, leider liege der Fokus dabei stark auf Team-Start-ups. “Es gibt aber eine Klasse zwischen den Selbstständigen und den Internet-Start-ups, die wir benennen müssen, ansonsten hat sie keine Öffentlichkeit und wird – zum Beispiel von Banken – nicht ernst genommen.” Beim Solopreneur Day im Hamburger Maker Hub, Deutschlands erster Veranstaltung speziell für Solopreneure, ging es deshalb um die typischen Fragen und Probleme von Einzel-Gründern: Welche Geschäftsmodelle sind passend, wie klappt Bootstrapping, was sind die Vor- und Nachteile beim Allein-Gründen? Veranstaltet wurde der Fachtag, bei dem in Workshops auch aktiv an Konzepten gearbeitet wurde, von Smart Business Concepts (www.smartbusinessconcepts.de).

Alleine durchstarten kann durchaus Sinn machen, findet auch Thorsten Kucklick: “Manche Ideen kann man alleine einfach viel schneller auf den Markt bringen, als wenn man noch Mitgründer oder Geldgeber hat.” Der Gründer und Buchautor kennt beide Seiten: Mit einem Team zusammen gründete er vor Jahren MeinSpiel.de (www.meinspiel.de), sein neues Projekt UltraPress (www.ultrapress.de) zieht er hingegen als Solopreneur hoch und freut sich immer wieder, wie schnell sich Dinge umsetzen lassen.

Nicht jedes Geschäftsmodell ist für Solopreneure geeignet

Dabei ist die Existenz als Ein-Mann-Start-up durchaus herausfordernd: So ist man als Solopreneur eben nicht nur Ideengeber, sondern gleichzeitig auch Umsetzer und muss verschiedene Fähigkeiten mitbringen und meist etwas breiter aufgestellt sein als Gründer in einem mehrköpfigen Team, gibt Henning Groß zu bedenken. Ansonsten geht am Ende die gewünschte Freiheit verloren, weil man sich zu viel externe Leistung einkaufen muss. Auch hat der Gründer des Online-Shops Hasenfarm (www.hasenfarm.com) die Erfahrung gemacht, dass man “ohne Angestellten und Sekretärin” oftmals zunächst nicht wahr- und ernstgenommen wird: “Einzelgründer müssen aufpassen, dass sie nicht in dasselbe Denkschema verfallen und ihr Unternehmertum über solche Faktoren definieren.”

Ist es immer sinnvoll, als Solopreneur durchzustarten? “Nicht jedes Geschäftsmodell ist geeignet, wenn man auch längerfristig Solopreneur bleiben will”, gibt Ehrenfried Conta Gromberg zu bedenken. “SAAS-Modelle sind zum Beispiel schwer zu realisieren, weil die Abnehmer mit der Zeit mehr Leistung – zum Beispiel zusätzliche Module – einfordern und dies die eigenen Möglichkeiten übersteigt.” Sehr gut geeignet seien hingegen spezialisierte Online-Shops, in denen Produkte on demand hergestellt oder direkt von größeren Shops verschickt werden – Eugen Graf hat es mit Zahnseide im Großpackungsformat selbst vorgemacht. “Bei diesem Modell ist die Einstiegshürde relativ hoch, aber danach läuft es”.

Laut Kucklick sind auch hoch-innovative Ideen unter Umständen nicht so geeignet, weil die Ausfallquote und damit die Möglichkeit zum Scheitern sehr hoch ist. Auch sei eine gewisse Vorerfahrung von Vorteil: „Etwas gemeinsam gegründet zu haben oder zumindest eine Zeitlang in einem Start-up gearbeitet zu haben, hilft enorm weiter“ – schließlich hat man als Solopreneur keine weiteren Mitdenker im Team.

Ideale Bedingungen für Solopreneure?

Im Prinzip sei die Zeit für Solopreneure gerade aber nahezu ideal, findet Jan Kristof Arndt von trendinnovation (www.trendinnovation.de). „Wir bewegen uns gerade weg vom Industriekapitalismus hin zu einer Gesellschaft, in der die Fähigkeit zur Veränderung wichtig ist – das ist eine Revolution! In dieser Gesellschaft hat jeder die Möglichkeit, etwas auf die Beine zu stellen und zu entscheiden, ob er die Entwicklung über sich ergehen lässt oder mitgestaltet.“ Für Henning Groß sind es gerade auch die technischen Möglichkeiten wie 3D-Drucker, die die Bedingungen für Solopreneure günstig wie nie machen.

Dass die Idee einer Veranstaltung speziell für Solopreneure auf fruchtbaren Boden stieß, zeigte sich schnell: Schon nach wenigen Tagen waren alle Karten ausverkauft und trotz des Standortes in Hamburg schafften es nur acht Hamburger, sich einen Platz zu ergattern – die Besucher kamen aus ganz Deutschland angereist. Deshalb ist für die Veranstalter auch klar, dass es im nächsten Jahr ein Folgeprojekt geben wird – und damit eine neue Chance für die Hanseaten, am 2. Solopreneur Day teilzunehmen. Einen vertieften Einblick in die verschiedenen Workshops gibt es außerdem in den nächsten Tagen.

Symbolfoto: tommaso lizzul / Shutterstock