Von Alexander Hüsing
Montag, 19. März 2012

Biet-Software bei topdeals.de im Einsatz? Reiseauktionsseite in der Kritik

Seit dem vergangenen Jahr wetteifern Reiseauktionsseiten wie Aladoo (www.aladoo.de), bietundweg.de (www.bietundweg.de), topdeals.de (www.topdeals.de) und Reisenersteigern.de (www.reisenersteigern.de) um Nutzer. Auf den Plattformen können Nutzer Reisen ersteigern. Meist starten die Auktionen bei einem Euro. Wenn ein User mitbietet, startet ein Countdown. Wenn der Countdown abläuft und vorher niemand anderes bietet, erhält der Höchstbieter den Zuschlag. Im Gegensatz zu gescheiterten Konzepten wie Swoopo müssen die Nutzer bei Aladoo und Co. aber keine Bietwährung kaufen – jeder kann kostenlos mitbieten. Klingt fair, ist es aber zumindest bei topdeals.de offenbar nicht.

Reporter von SpiegelTV versuchten bei topdeals.de zehnmal einen Hotelgutschein für sieben Tage Mallorca zu ersteigern. Das Ein-Euro-Schnäppchen ging dabei immer für mindestens 100 Euro weg. Meist wurden die Reporter des TV-Magazins um wenige Cent überboten. “Seltsamerweise scheinen auch immer dieselben Personen zu bieten. Mal heißen sie DirkJ10, mal MariaG59 und dann wieder KurtO371”, berichtet es Spiegel Online. Aus dem Hause topdeals.de heißt es laut SpiegelTV zu diesem Fall: “Das könnten Spaßbieter sein”. Eine automatische Biet-Software werde nicht eingesetzt. In einer Stellungnahme an die Spiegel-Redaktion (siehe Kommentare unten) erneuert die topdeals.de-Pressestelle ihre Sichtweise: “Die Auktionen beginnen ab 1€ und es bildet sich ein Marktpreis heraus. Wir haben nie behauptet, dass man einen Urlaub für 1€ ersteigern kann. Das wäre auch unrealistisch zu glauben. Aber man kann sehr wohl Schnäppchen machen. Mehr als 10.000 Auktionen sind unter 10€ beendet worden, was für die Nutzer mit einer erheblichen Ersparnis verbunden ist”.

topdeals.de-Kunden berichten von wiederkehrenden Bietern

Der Verdacht, dass im Hintergrund bei topdeals.de eine Biet-Software läuft, die die Preise in die Höhe treibt, liegt aber zumindest nahe. Zumal immer wieder topdeals.de-Nutzer von wiederkehrenden Bietern berichten, die offensichtlich nichts weiter machen, als die Preise in die Höhe zu treiben. Hin und wieder könnten dies zwar tatsächlich Nutzer sein, die krampfhaft versuchen, ein Schnäppchen zu machen. Bei der Fülle der Masse an Berichten scheint dies aber unglaubwürdig. Ähnliche Berichte gab es auch rund um den gescheiterten Entertainment-Shoppingdienst Swoopo immer wieder. Beim 2005 als Telebid gestarteten Angebot konnten Nutzer ausschließlich auf Neuware bieten. Wer an einer Aktion teilnehmen wollte, musste so genannte „Bids“ auf die Artikel setzen. Ein solcher Bid kostete jeweils 50 Cent und erhöhte beim Setzen den Preis eines Artikels um zehn Cent.

Mit dem Einsatz eines Bieters stieg aber nicht nur der Gebotspreis. Auch die Auktionsdauer verlängerte sich um weitere zehn Sekunden. Erst wenn auf einen Artikel bei Swoopo gar kein weiteres Gebot eines anderen Interessenten mehr einging, erhielt der letzte Bieter den Zuschlag und die Auktion wurde beendet. Das Hauptproblem bei Entertainment-Shoppingdiensten blieb die Glaubwürdigkeit. Swoopo und die diversen Wettbewerber gerieten immer wieder in die Kritik, weil viele Nutzer teure Gebühren zahlten, ohne Ware zu erhalten. Zudem stand auch immer wieder der Vorwurf von Biet-Software im Raum. Denn selbst mitten in der Nacht wurden verschiedene, wiederkehrende Bieter immer wieder innerhalb von wenigen Sekunden aktiv.

VakantieVeilingen.nl startete in Deutschland als Aladoo

Ende Mai des vergangenen Jahres ging topdeals.de an den Start. Der bekannte Medienunternehmer Dirk Ströer und Szeneberühmtheit Jens Kunath positionierten ihre Plattform zum Start als angeblich brandneue Mischung aus Groupon und eBay. “Mit topdeals.de bündeln wir die Vorteile der Geschäftsmodelle von Groupon und eBay auf eine vollkommen neue Weise. Für Verbraucher bedeutet dies Schnäppchenpreise in Kombination mit spannenden Auktionen. Unternehmen bieten wir die Möglichkeit, Restkapazitäten ohne finanzielles Risiko und Marketingaufwand zu veräußern“, sagte Ströer damals.

Mit einem gigantischen Werbebudget in Höhe von 32 Millionen Euro wollen Außenwerber Ströer und Seriengründer Kunath, der immer wieder in der Kritik steht, ihr Konzept bis Ende 2013 in den Markt drücken. Die Werbebotschaften kann momentan jeder auf unzähligen Plakatwänden im Lande bestaunen. Das Vorbild für topdeals.de stammt aus den Niederlanden: Bereits 2007 startete in unserem Nachbarland VakantieVeilingen.nl (www.vakantieveilingen.nl), eine Plattform auf der Nutzer Reisen ersteigern können. Das Konzept ist in den Niederlanden ein Riesenerfolg! Unter dem Namen Aladoo ging das Unternehmen 2011 in Deutschland an den Start. Mit der Kritik an topdeals.de steht nun die ganze Branche am Pranger.

Artikel zum Thema
* Reiseauktionsseiten: Aladoo fordert seine deutschen Kopien heraus
* bietundweg.de vs. topdeals.de vs. Reisenersteigern.de