Bei graph.me wird alles verglichen

“Mark” arbeitet rund neun Stunden am Tag, hat einmal pro Woche Sex und gibt ungefähr 300 Euro im Monat für Kleidung aus. Wer sich dafür interessiert, wie solche und ähnliche Dinge bei anderen Menschen ablaufen, sollte unbedingt Mitglied der Social Community graph.me (www.graph.me) werden. Dort dreht sich alles um Vergleiche. Die vier Gründer Simon Bierbaum, René Karsten Kunkel, Sebastian Paschold und Andreas Reiter nennen ihre Geschäftsidee “Social Benchmarking”. Die Idee dahinter: Jeder kann eine persönliche Umfrage starten, darauf antworten oder sich anhand eines bestimmten Bezugspunktes mit anderen messen und vergleichen. Ein Mitglied will zum Beispiel wissen, ob andere ebenso genervt sind von den zahlreichen Varianten des “Yes we can”-Spruchs wie er. Andere stellen “tiefsinnigere” Fragen nach der Existenz Gottes oder ob der Mauerfall ein Grund zum Feiern ist. Wieder andere wollen gerne die Größenordnung bestimmter Körperteile vergleichen.

Die Erleuchtung zur Geschäftsidee kam dem Gründer-Quartett beim Kaffeetrinken. Die vier Münchner, die sich schon aus Schulzeiten kennen, posteten ihren Kaffeekonsum und verglichen ihn miteinander. “Eigentlich fragt man sich doch ständig: Was denken andere über eine bestimmte Sache, wie läuft dieses oder jenes bei ihnen? Wieviel Sport machen andere, wie lange arbeiten sie, wieviel Geld geben sie aus? Unsere Idee ist, die eigene Meinung an anderen zu spiegeln und Freude am spielerischen Vergleich zu haben”, erklärt Kunkel, der für Kommunikation und Marketing zuständig ist. Momentan befindet sich die Plattform noch in der geschlossenen Beta-Phase, Nutzer können sich aber in die virtuelle Warteschlange stellen. Noch in diesem Jahr soll der offizielle Start erfolgen.

Eine mobile Version ist angedacht

Sobald genug Reichweite vorhanden ist, die mithilfe von Twitter und Facebook erreicht werden soll, wollen sich die Jungunternehmer an die Monetarisierung machen. Eine Säule wird zielgerichtete Werbung sein, daneben soll Geld durch kommerzielle Umfragen in die Kassen fließen. Auch wenn die Community von der Offenheit ihrer Mitglieder lebt, muss man bei der Registrierung nicht sämtliche Daten offen legen: Für die Anmeldung werden lediglich Geschlecht, Geburtsjahr, die ersten beiden Ziffern der Postleitzahl und eine E-Mail-Adresse abgefragt. Mehr geben Nutzer erst dann preis, wenn sie eine eigene Umfrage starten, denn jeder beantwortet seine Frage zunächst einmal selbst. Fest eingeplant ist auch schon eine mobile Version von graph.me, so dass Mitglieder dann direkt vor der Zapfsäule eingeben können, wie viel ihr Wagen im Stadtverkehr verbraucht hat.