myona hilft bei der Verhütung

Wer würde vermuten, dass in der Geschäftsleitung eines Start-ups zum Thema “natürliche Familienplanung” nur Männer sitzen? Bei myona (www.myona.de), einem Online-Service, der Schwangerschaftsplanung und -verhütung nach der Symptothermal- und Basaltemperatur-Methode anbietet, ist dies der Fall. Allerdings stehen eigentlich doch Frauen hinter der Geschäftsidee. Denn die beiden Gründer Felix Segebrecht und Hans Rösch hatten während der Gründungszeit beide Partnerinnen, die auf natürliche Weise verhüteten und nicht ganz glücklich damit waren. “Uns erschienenen diese Temperaturcomputer zu teuer, zu unkomfortabel und zu kompliziert”, erklärt Segebrecht. Also begann er, sich intensiv mit dem Thema auseinander zu setzen und Hans Rösch von seiner Idee zu begeistern, den er aus der gemeinsamen Zeit bei der FC St. Pauli-Vermarktung kennt. Als das Grundgerüst stand, kamen der Programmierer Wolfgang Schröder und der ITler Arne Wiehe dazu. Außerdem gelang es dem Team, den Leiter der Frauenklinik Benrath, Günter Freundl, mit ins Boot zu holen. Als Leiter des Forschungsprojektes “Natürliche Familienplanung” an der Universität Düsseldorf ist er der fachmännische Berater in der Gruppe.

Nutzerinnen der Symptothermal- und Basaltemperatur-Methode messen jeden Morgen nach dem Aufwachen ihre Temperatur und bestimmen im Laufe des Tages das Zervix-Sekret. Sie geben die Daten per Computer oder Handy bei myona ein und erhalten sofort eine Auswertung: In welcher Zyklusphase befindet sich Frau aktuell, ist sie empfänglich, hoch empfänglich, nicht empfänglich? Zur Zielgruppe gehören dementsprechend all jene Frauen, die eine größer werdende Skepsis gegenüber hormonellen Verhütungsmitteln zeigen und nicht auf “unspontane” Methoden zurückgreifen wollen. Umgekehrt wächst die Gruppe der Damen, die relativ spät Mütter werden und es nicht allein dem Zufall überlassen wollen, dass “es” endlich klappt. Rückmeldung bekam das Team außerdem von einer Frau, die den SMS-Service nutzt, um sich selbst “Periodenwarnungen” zu schicken: “Es ist alles in Ordnung, es ist nur PMS.”

Kostenloser Basisaccount

Da sich das Hamburger Unternehmen noch in der offenen Beta-Phase befindet, müssen Testerinnen für den Service bisher nichts bezahlen. Auch danach bleibt ein kostenloser Basisaccount bestehen, der werbefinanziert ist. Kundinnen, die zusätzliche Funktionen nutzen wollen, können für 3,99 Euro im Monat eine Premiummitgliedschaft eingehen. Dann können sie ihre Daten beispielsweise mobil per SMS eingeben und sich Benachrichtigungen in ihren E-Mail-Account oder Kalender schicken lassen. Wer die Premium-SMS-Mitgliedschaft wählt, zahlt 5,99 Euro im Monat und bekommt Informationen per SMS zugesandt.

Auf dem internationalen Markt hat myona bereits einige Mitstreiter, die ihren Kundinnen digitale Kurvenblätter erstellen. Meist muss Frau diese dann aber selbst auswerten. In den USA wird das Konzept neben anderen Anbietern von fertilityfriend.com (www.fertilityfriend.com) vermarktet, in England von DuoFertility (www.duofertility.com). Als größte Konkurrenz sieht Segebrecht aber die Temperatur- oder Hormonmesscomputer an. Sehr verbreitet ist das Hormonmessgerät Persona: “Diese Methode hat allerdings einen Pearl Index von 6, ist also längst nicht so zuverlässig wie die Symptothermalmethode, deren Index bei 0,3 liegt”, so Segebrecht. Verbesserungen will das Team vor allem noch im Bereich “Comfort” erzielen: Das allmorgendliche Temperaturmessen empfindet Segebrecht als zu aufwendig. Außerdem will das Unternehmen bald weitere Funktionen wie eine Schwangerschafts-Früherkennung anbieten und in White-Label-Lösungen mit Hygieneartikelanbietern investieren. Bereits kurz nach dem Start denkt Segebrecht auch schon an die Expansion ins Ausland: Gerade für Frauen in katholisch geprägten Ländern, wo Verhütungsmittel oftmals tabu sind, könnte myona ein begehrtes Mittel für mehr Selbstbestimmung werden. Ach ja, zu den weiteren Plänen gehört auch, dass bald eine Frau das Team bereichern soll. So ganz ohne geht es bei diesem Thema eben doch nicht.