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Benjamin Brühl, Produktmanager bei FinLeap

Digitale Leute - Benjamin Bühl - FinLeap - Der Produktmanager posiert im Büro einer der Geschäftsführer von FinLeap.

Dieses Interview erschien zuerst auf unserem neuen Magazin digitale-leute.de. Dort schauen wir mit einer neuen, frischen Perspektive auf die deutsche Digitalszene. 

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Hallo Benjamin, was ist deine Rolle bei FinLeap?

Bei FinLeap habe ich zwei Aufgabenbereiche. Zum einen bin ich “Venture” Head of Product, bei einem unserer Ventures. Meine Aufgaben sind Business-Development, Research, Customer-Development und Produktmanagement.

Der zweite Teil ist Head of Product bei FinLeap. Da kümmere ich mich also um das Product und Design Team und entwickle die Expertisen, die wir zum Aufbau unserer Ventures benötigen. Beispielsweise bin ich für das entsprechende Recruitment des Company Builders zuständig, aber auch für unsere Ventures, je nachdem wo gerade Bedarf ist.

 

Digitale Leute - Benjamin Bühl - FinLeap - Der Produktmanager Benjamin Bühl nutzt einen extra großen Notizblock bei seinem Job.

An welchen Projekten arbeitest du gerade?

FinReach ist ein „Software as a Service“-Produkt für Banken, ein B2B2C-Produkt. Angenommen, du möchtest die Bank wechseln, dann ist das normalerweise ein aufwendiger, intransparenter Prozess, bei dem der Kontoinhaber viele Formulare ausfüllen muss, und bei dem man dann doch nicht an alles denkt. Unser Tool verknüpft sich einfach mit deinem Konto, analysiert die Bezahlpartner und erstellt erstmal eine strukturierte Übersicht. Die Bezahlpartner lassen sich dann benachrichtigen und damit ist die Aufgabe innerhalb von durchschnittlich sieben Minuten erledigt. Das Geschäftsmodell besteht darin, dass Banken eine White Label-Version des Produktes lizenzieren.

Digitale Leute - Benjamin Bühl - FinLeap - Benjamin arbeitet in Berlin.

Digitale Leute - Benjamin Bühl - FinLeap - Kleine Besprechung mit der Kollegin, die heute Geburtstag hat.

Bitte beschreibe deinen Werdegang.

Nach dem Abi habe ich an der WHU – Otto Beisheim School of Management bei Koblenz auf Bachelor studiert. Das ist eine kleinere Uni, die sich auf International Business Administration fokussiert. Nach dem Studium habe ich direkt die ersten Startup-Erfahrungen bei Wimdu gesammelt. Das war die erste längerfristige berufliche Erfahrung. Nach einem halben Jahr wurde ich als Head of Product eingesetzt, da der damalige Head of Product das Unternehmen verlassen hat.

Nach zwei Jahren bin ich zu Kiveda gewechselt. Dort habe ich das Produkt-Team aufgebaut und wir haben versucht, ein E-Commerce-Unternehmen für Küchen aufzubauen.

Digitale Leute - Benjamin Bühl - FinLeap - Das helle und offene Büro von FinLeap bietet verschiedene Arbeitsmöglichkeiten.

Danach kam eine Phase, in der ich versucht habe, eigene Projekte umzusetzen. Mein wichtigstes Learning aus der Zeit war, dass man auf jeden Fall einen Mitgründer benötiget, um ein wirkliches Commitment machen und Geld investieren zu können. Das war dann auch der Grund, warum ich zu FinLeap gekommen bin. Hier kann ich schnell lernen, wie man eine eigene Firma aufbaut und lerne Leute kennen, die potentielle Co-Founder sein könnten. Insgesamt habe ich also ca. fünf Jahre Erfahrung in der Produktentwicklung.

Was reizt dich an deinem Job am Meisten?

Für mich ist die Produktentwicklung der spannendste Bereich, denn bei digitalen Firmen im FinTech-Bereich findet die Wertschöpfung direkt durch das Produkt statt.

Meiner Meinung nach gibt es drei unterschiedliche Personentypen im Produktmanagement. Da ist zum Einen der Produktmanager, der früher einmal Entwickler war und vielleicht sogar IT studiert hat. Der kann selbst mit Hand anlegen und sich um die Systemarchitektur kümmern. Dann gibt es den Produktmanager, der eher aus der Design- und Psychologie-Ecke kommt und sich um die UX kümmert. Die dritte Richtung sind die Business-Leute, wie ich es einer bin.

Digitale Leute - Benjamin Bühl - FinLeap - Gemeinsame Produktentwicklung an einem Aufsteller.

Welche Aufgaben hattest du konkret bei FinReach und welche Methoden kamen zur Anwendung?

Am Anfang stand wie so oft Research an. Es ging darum, das Kundenproblem zu verstehen und zu analysieren, was die Konkurrenz macht. Als wir eine ungefähre Idee hatten, was wir machen wollen, galt es herauszufinden, welcher Userflow am besten funktioniert.

Bei FinReach ging es zum Beispiel innerhalb eines Userflows darum, ein Formular zu entwerfen, über das eine Verbindung mit dem bestehenden Bankkonto hergestellt werden sollte. Dafür haben wir die Crazy Eights-Übung aus dem Google Venture Design Sprints genommen. Innerhalb kürzester Zeit können mit der Methode kreative Lösungen gefunden werden.

Wir haben uns also zu fünft hingesetzt, jeder mit einem Blatt Papier, das wir drei Mal gefaltet haben, um acht Felder zu erhalten und innerhalb von fünf Minuten acht mögliche Lösungsansätze skizziert. Fünf Minuten sind sehr knapp und daher muss man sich sehr stark konzentrieren. Da man nicht acht Mal das Gleiche machen darf, kommt man tatsächlich auf kreative Lösungen.

Danach hat jeder erneut 15 Minuten Zeit, sich die seiner Meinung nach beste Idee rauszusuchen, um sie genauer zu erklären. Die Konzepte werden dann an ein Whiteboard gehängt und man sieht erstmalig die Ideen der anderen, die dann mit gelben Stickern bewertet werden. Dadurch entsteht eine Heatmap. Und erst jetzt kann darüber diskutiert werden. Der Designer nimmt die Vorschläge und erstellt einen ersten Entwurf.

Die ganze Session dauert eine halbe Stunde. Für einen Design-Sprint machen wir diese Übung einen halben Tag lang mit unterschiedlichen Abschnitten der Userstory.

Wie sieht dein Alltag bei FinLeap aus?

Das hängt davon ab, welcher Alltag gerade ansteht. Grundsätzlich komme ich so gegen Neun mit der U-Bahn ins Büro. In der Regel esse ich hier auch mein Frühstück, meist Müsli mit frischem Obst und dann geht es auch schon los.

Ist es ein Tag, an dem mehr FinLeap-Themen auf dem Plan stehen, geht es viel um Personalfragen. Da gilt es ein neues Talent für FinLeap zu begeistern oder auch für eines unserer Ventures. Heute ist zum Beispiel so ein Tag, an dem ich viele Interviews mit Bewerbern führe.

Arbeite ich direkt im Venture, stehen nach dem Frühstück die ersten Kick-Offs, zum Beispiel mit den Entwicklern an. Ich checke auch relativ früh meine Mails, damit ich sehe, was vom Vortag noch offen ist. Es gibt Tage, da muss man überall gleichzeitig sein, weil es so viele kleine Feuer zu löschen gibt. Und es gibt Tage, an denen man sich wirklich konzentriert hinsetzen kann und mit Kopfhörern auf auch mal drei Stunden an einem Thema arbeitet.

Allerdings gibt es selten reine FinLeap- oder Venture-Tage. Es kann dann also auch mal sein, dass ein FinLeap-Teammeeting ansteht mit allen Produktmanagern und Designern, obwohl man gerade bis über beide Ohren mit dem Venture zu tun hat.

Digitale Leute - Benjamin Bühl - FinLeap - Benjamin hört Elektro, Alternative oder Rock, um in einen Tunnel zu kommen.

Welche Tools verwendet ihr?

Für Wireframes und Mockups nutzen wir Sketch. Photoshop ist mehr oder weniger tot, was das anbelangt. Invision nutzen wir, um klickbare Prototypen zu erstellen. Wir schauen uns gerade aber auch andere Technologien wie Flinto und Principle an. Unsere Entwickler nutzen Tools von Atlassian, Jira als Ticketsystem und Confluence als Wiki und dann eben auch HipChat, weil sich das gut in die anderen Produkte integrieren lässt. Zum Chatten nutzen wir Skype oder Slack, wobei wir immer mehr Slack verwenden.

Können eure Ventures auch eigene Tools verwenden?

Wir bei FinLeap haben schon ganz klare Tool-Empfehlungen und Best-Practices. Wenn ein Gründer aber bereits Tool-Sets mitbringt, dann geht das für uns auch in Ordnung.

Digitale Leute - Benjamin Bühl - FinLeap - Benjamin hat viele Kollegen, die mit ihm bei FinLeap arbeiten.

Welche Themen beschäftigen dich gerade im Produktmanagement?

Den Google Venture Design Sprint habe ich ja bereits erwähnt. Einiges, was Google auf seinem Blog dazu veröffentlicht, finde ich sehr spannend, weil es die agile Methode nochmal auf die Spitze treibt.

Das Thema Prototyping und Testing ist für uns gerade wichtig. Denn da sind wir noch nicht auf dem richtigen Weg. Deswegen schaue ich mir gerade intensiv Tools an, mit denen man möglichst realistisch darstellen kann, was eigentlich noch nicht entwickelt wurde.

Außerdem fangen wir an, uns mit Artificial Intelligence und Machine Learning zu beschäftigen. Und Banking in Virtual Reality wird sicherlich auch bald ein Thema sein.

Digitale Leute - Benjamin Bühl - FinLeap - Im Empfangsbereich von FinLeap gemeinsam mit einer Kollegin.

Digitale Leute - Benjamin Bühl - FinLeap - Die Besprechungsräume sind durch Schalldichte Glasscheiben vom Rest des Büros getrennt.

Welche Trends gibt es in der FinTech-Branche?

Ein Thema, das aufgrund der starken Regulierung der Banken gerade große Schritte macht, ist Banken-Services als Schnittstelle zur Verfügung zu stellen. Startups, die zum Beispiel eine App bauen wollen, um Peer-to-Peer Geld zu überweisen, können dann einen Service dafür entwickeln. SolarisBank, eine Gründung von uns, ist zum Beispiel ein Schritt in diese Richtung, was auch bereits einige Nachahmer auf anderen Kontinenten hat.

FinTech ist deshalb ein spannender Bereich, weil sich vieles nicht so einfach umsetzen lässt, aber jeder ein Konto hat. Die Verbindung Bank-zu-Kunde ist sehr wertvoll.

Wenn wir eins in den letzten Jahren gelernt haben, dann dass man mit Banken zusammenarbeiten muss. FinReach zum Beispiel will eine Bank nicht ersetzen, sondern ergänzen. Einer etablierten Bank traut man noch immer mehr als einem jungen Startup, das noch niemand kennt.

Digitale Leute - Benjamin Bühl - FinLeap - Benjamin und sein XL-Schreibblock.

Digitale Leute - Benjamin Bühl - FinLeap - Bejamin Bühls Arbeitsplatz und seine Materialien.

Was brauchst du um effektiv arbeiten zu können?

Laptop, Handy, Kopfhörer und einen XL-Schreibblock, in dem man viel Platz hat auch mal gemeinsam an einer Idee zu arbeiten. Gerade am Anfang einer Idee ist Stift und Papier unschlagbar schnell. Ich bin zwar kein Designer, aber das Skizzieren von Nutzerflows funktioniert auf Papier einfach am besten.

Wenn man außerdem so viel Zeit im Büro verbringt, dann ist es wichtig, dass man sich mit seinen Kollegen gut versteht und auch mal einen trinken gehen kann.

Was zeichnet die Arbeit bei einem Inkubator wie FinLeap aus?

Ich finde es super spannend mit unterschiedlichen Teams zusammenzuarbeiten. Man denkt, man hat jetzt schon jahrelang Produktmanagement gemacht und dann kommt das nächste Team, der nächste CTO und überrascht einen mit einem völlig neuen Ansatz. Die Lernkurve ist super steil und unser Team hat einen super Vibe. Das macht einfach Spaß!

Digitale Leute - Benjamin Bühl - FinLeap - Benjamin jongliert mit Rubik's Cubes.

Würdest du sagen du bist erfolgreich?

Das kommt darauf an, was man unter Erfolg versteht. In meinem Uni-Jahrgang gibt es schon einige, die bei McKinsey sind und wesentlich mehr verdienen als ich. Für mich persönlich bedeutet Erfolg im Moment, dass ich Problemlösungen baue, die auch wirklich genutzt werden. Wobei ich das im Alltag manchmal gar nicht merke. Da nutzen 100.000 Kunden deinen Service und du denkst nur daran, wie man das noch weiter optimieren kann.

Head of Product von FinLeap zu sein, sehe ich als einen Erfolg. Gleichzeitig lerne ich aber auch nie aus. Eine Startup-Gründung habe ich fest eingeplant und zwar in einem Bereich, indem die Wertschöpfung maßgeblich digital wie im FinTech-Bereich stattfindet.

Digitale Leute - Benjamin Bühl - FinLeap - Benjamin ist seit knapp zwei Jahren bei FinLeap.

Was denkst du wissen die meisten nicht über deinen Job?

Dass die Kommunikation mit den verschiedenen Beteiligten das Wichtigste ist. Vielleicht gibt es bereits eine Produkt-Lösung, aber man muss immer wieder alle Stakeholder an die Ziele erinnern und neu abholen. Gerade als Produktmanager berichtet einem keiner etwas, sondern man muss sich immer wieder die Infos besorgen, die man braucht, um die Kommunikation aufrechterhalten.

Welche Eigenschaften muss man mitbringen, um deinen Job machen zu können?

Eine schnelle Auffassungsgabe und die Fähigkeit Probleme schnell lösen zu können. Außerdem ist Empathie wichtig, sowohl im Team als auch bei Nutzerbefragungen. Ein Studium halte ich grundsätzlich für sinnvoll, denn dort lernt man sich über eine längere Zeit mit einem Thema auseinanderzusetzen.

Gibt es etwas, was in deinem Job immer wieder falsch gemacht wird?

Ja, es gibt Leute, die denken, dass sie ganz genau wissen wie etwas sein müsste und ihre Meinung extrem verteidigen. Aber wenn man das ein paar Mal mitgemacht hat und mit einem A/B-Test gezeigt hat, dass es nicht so ist, dann kann man sich die Reibereien auch sparen. Zu viel Wert auf die eigene Meinung zu setzen, ist oft nicht hilfreich.

Digitale Leute - Benjamin Bühl - FinLeap - Benjamin Bühl ist Teil eines großartigen Teams, wie er sagt, mit guten Vibes!

Was inspiriert dich?

Es gibt viele Design-Themen, die mich inspirieren, oder Agenturen, die ganz abgefahrene Sachen machen. Musik ist grundsätzlich wichtig für mich. Ich spiele selber Gitarre und da versetzt mich elektronische Musik oder auch mal Alternative oder Rock in einen Konzentrationstunnel.

Aber auch die Freiheit hier bei FinLeap vieles ausprobieren zu können. Diese ganze kreative Arbeit macht mir viel Spaß.

Welche Bücher oder Blogs kannst du empfehlen?

Ich finde den Invision Blog sehr gut. Die schicken immer sehr gute Tipps. Was ich außerdem sehr gerne lese ist First Round. Sie interviewen sehr ausführlich erfolgreiche Unternehmer, die sich mit Themen wie Team-Management oder Marketing auseinandergesetzt haben.

Vielen Dank für das Interview!

 

Webseite: FinLeap

Mit allen Tools gewaschen: Die kommunikative Produkt-Managerin

Beatrice Gola ist Head of Product Management im Consumer Bereich beim Kölner Hotelportal HRS. Zu ihren Aufgaben gehört es den Markt im Auge zu haben und aktuelle Trends aus der Branche und darüber hinaus in die Produktentwicklung einzubringen. Beatrice nimmt uns mit durch ihren Tag, in dem Meetings dominieren. Sie zeigt uns die Tools, mit denen sie die Prozesse bei HRS gestaltet. Beatrice gibt uns einen Einblick in das Ur-Kölner Unternehmen, in dem agile Entwicklungsmethoden praktiziert werden und Office-Sprache Englisch ist.

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Dieses Interview erschien zuerst auf unserem neuen Magazin digitale-leute.de. Dort schauen wir mit einer neuen, frischen Perspektive auf die deutsche Digitalszene. 

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Hallo Beatrice, wann warst du zuletzt im Urlaub?

Im Juni dieses Jahres war ich auf Bali. Als ich am Pool lag, fiel mir auf, dass ich mehr Nächte in Hotelbetten als in meinem eigenen Bett verbracht habe.

So viel Urlaub gehabt oder war das auch geschäftlich?

Urlaub wäre schön gewesen. Aber ich bin tatsächlich viel geschäftlich unterwegs. Wir haben bei HRS einige Produktentwicklungsteams an verschiedenen Standorten. Da geht es immer viel um die Abstimmung der strategischen Ziele.

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Was ist deine Aufgabe bei HRS?

Meine Rolle bei HRS ist seit knapp einem Jahr Head of Product Management im Consumer Bereich. Die größte Herausforderung besteht darin, den Markt im Auge zu behalten. Was sind die Technologietrends 2017 und was bedeutet das für unsere Produkte? Daraus erarbeite ich eine strategische Initiative, die ich sowohl der Geschäftsführung als auch den Product Ownern und anderen Produktmanagern kommuniziere.

Mit welchem Thema beschäftigst du dich gerade?

Womit wir uns gerade beschäftigen, und was in der nächsten Zeit veröffentlicht wird, ist das ganze Thema rund um die mobile Nutzung für Geschäftsreisen. Vor Kurzem hatten wir das Thema “Mobile Check-in” auf der Agenda. Jetzt geht es um den mobilen Check-out und um mobile Payment. Mit diesen innovativen Features wollen wir uns gegenüber anderen Online-Reiseportalen absetzen. Die Apps sind schon im Apple Review-Prozess und wir sind guter Dinge, dass wir bald die Apps mit den neuen Features veröffentlichen können.

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Wie sieht der Produktentwicklungsprozess bei HRS aus?

Wir sind da ganz klassisch mit Scrum aufgestellt und allem was so dazugehört: Dailys, Sprintplanung, retrospektive und Backlog Grooming. Aus dem Kundenfeedback und der strategischen Ausrichtung formuliert der Product Owner ein Kundenbedürfnis, ohne aber schon eine Lösung anzubieten. Dann kommt unser User Experience- und User Interface-Team ins Spiel. Mit Crowdsourcing, Fokusgruppen und Kundebefragung versuchen wir dann schon eine Richtung zu entwickeln. Zum Beispiel waren wir neulich am Kölner Flughafen und haben da zum Thema Mobile Payment eine Befragung durchgeführt.

Gleichzeitig setzen wir uns aber auch schon früh zusammen und überlegen, inwiefern das technisch überhaupt möglich ist. Manchmal haben Kunden schöne Ideen, aber wir stoßen auch heute noch auf technische Herausforderungen, die sich nicht ohne weiteres meistern lassen.

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Welche neuen mobilen Services bietet ihr denn zukünftig für Geschäftsreisende an?

Uns war klar, dass Geschäftsreisende mehr Services haben möchten. Wir mussten uns zwischen mehreren Feature-Ideen entscheiden. Wir haben uns dann für den Point of Sale im Hotel entschieden, denn wir als Reise-Portal haben da ganz besondere Möglichkeiten. Die nächste Aufgabe war dann zu überprüfen, welche Technologien wir benötigen, um den mobilen Check-In und das Mobile-Payment umzusetzen. Die Wahl fiel auf die Beacon-Technologie Conichi (Link).

Welche Abteilungen sind in diesem Prozess beteiligt?

An so einer Produktion sind viele Stakeholder beteiligt, zum Beispiel aus dem Marketing, oder aus dem Hotel-Sales Bereich. Denn was wir nach vorne verkaufen, muss dahinter der Vertrieb natürlich auch einkaufen. Dann geht es auch um rechtliche Anforderungen, Ideen und Wissensmanagement, SEO und SEA und natürlich die Entwickler. Ich kümmere mich um die Abstimmung der einzelnen Abteilungen.

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Was sind die nächsten Schritte nach der Erstellung des Konzepts?

Vom Konzept geht es meist direkt ins Design und die Entwicklung. Wir versuchen in möglichst kleinen Schritten zu entwickeln und den inkrementellen Entwicklungsgedanken beizubehalten. Das ist nicht immer ganz einfach. HRS ist ja kein Startup, wir sind 45 Jahre alt und da gibt es gerade im E-Commerce viele Faktoren, die eine Rolle spielen.

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Welche Arten von Tests wendet ihr an?

Wir nutzen verschiedene Testsysteme. Zum Beispiel richten wir Userlabs ein. Entweder macht das unsere UX-Abteilung, oder wir arbeiten da mit externen Dienstleistern zusammen. Wir sitzen dann tatsächlich hinter einer Glasscheibe und beobachten den Nutzer – sozusagen in freier Wildbahn, wie er unser Produkt nutzt. Das ist immer sehr spannend und wir fiebern richtig mit und hoffen, dass der Nutzer den Knopf jetzt endlich mal findet.

Die Zeit ist vorbei, in der Produkte ohne Testing rausgegeben werden.

Weitere Test-Formate sind zum Beispiel das AB-Testing, das Remote-Testing oder das geführte Testing am Desktop. Beim geführten Testing werden die Produkte erst vorgestellt und dann bekommt der User eine Aufgabenstellung.

Und natürlich nutzen wir auch die Möglichkeit der Nutzerbefragung über die Live-Version unseres Reise-Portals oder über einen Newsletter.

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Wo genau steckt in diesen Prozessen deine Arbeit drin?

Wir Manager beschäftigen uns in diesen Prozessen weniger mit den einzelnen Features, sondern mit der strategischen Ausrichtung. Dazu schaue ich mir den Wettbewerb an und untersuche anhand von Studien, welche Trends für uns und unsere Kunden interessant sein könnten. Dafür arbeite ich dann auch mit der UX- oder der Marketing-Abteilung zusammen, wenn es um die Erhebung von Umfragen oder Zahlen geht. Manchmal beauftrage ich auch einen externen Dienstleister die nötigen Zahlen zu besorgen.

Wenn ich ein Thema identifiziert habe, an dem wir arbeiten sollten, besprechen wir in einem Meeting mit allen Abteilungen das Thema und erstellen Arbeitshypothesen. Diese Hypothesen versuchen wir dann durch Umfragen oder Zahlen aus dem Business Intelligence zu verifizieren. Eventuell stellt sich dann heraus, dass es etwas ist, an dem wir arbeiten sollten und wollen. Dann starten wir unseren Produktentwicklungsprozess.

Meine Aufgabe ist team- und abteilungsübergreifend dafür zu sorgen, dass die Marschrichtung beibehalten wird. Dazu spreche ich ständig mit allen Beteiligten, schaue, dass die interne Kommunikation funktioniert und helfe aus, wo nötig.

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Wenn ein Produkt fertig entwickelt ist, wie sieht dann euer Launch-Prozess aus?

Je nachdem wie groß das Produkt ist, wird das zum Beispiel in der mobilen Applikation direkt oder als Teil eines Beta-Testing Stück für Stück iterativ gelauncht. Das ist für Kunden angenehmer, wenn wir neue Features sukzessive einführen, weil wir dann noch Verbesserungen einpflegen können.

Angenommen wir haben bei einem AB-Testing festgestellt, das Position A für die Suchleiste besser ist als Position B, dann wird das einfach veröffentlicht.

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Welche Rolle spielt da die Kommunikationsabteilung?

Sie ist natürlich im Launchprozess beteiligt, wenn es um ein größeres Update geht. Für mich ist die interne Kommunikation aber auch sehr wichtig, weil wir ein großes Unternehmen mit vielen Standorten sind. Ich sehe es immer noch als eine der größten Herausforderungen an, dass vor allem intern jeder weiß, dass es etwas Neues gibt.

Was ist die Office-Sprache?

Viele Entwickler sitzen in Warschau und mein direkter Vorgesetzter kommt aus England. Darum ist Englisch tatsächlich zur Office-Sprache geworden. Ein Großteil meiner Kommunikation, sei es auf Slack, in Mails oder auch in der Dokumentation, ist auf Englisch.

Als alteingesessenes Kölner Unternehmen war das natürlich nicht immer so. Aber wir sind jetzt ein internationales Unternehmen und da mussten wir Englisch ein stückweit mit reinbringen.

 

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Welche Tools verwendet ihr?

Ich verwende relativ viel Google Docs, weil man das leicht teilen kann und es eine Versionierung gibt. Zur Erstellung von Roadmaps sind wir gerade in der Evaluierungsphase und versuchen ein Tool zu finden, das man gut intern teilen kann. Zur Auswahl stehen da bislang Productplan und auch Roadmap. Diese Tools nutzen wir, damit die interne Kommunikation rund ums Produkt ein bisschen attraktiver wird.

Wenn es um Business-Cases geht nutze ich Excell, gerade für eine Potentialanaylse zum Beispiel. Dazu gehört dann auch die Software Word und Powerpoint.

Für die Kommunikation nutzen wir Hangouts aber auch Skype, und zum Chatten Slack. Was ich auch ganz gern nutze ist Brandmeister und Evernote. Gerade Evernote ist gut, wenn man Notizen geräteübergreifend verfügbar haben möchte.

Für die Webanalyse nutzen wir Google Analytics und Adobe Sidekick. Für das Kundenfeedback nutzen wir selbst entwickelte Tools.

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Wie sieht dein Tagesablauf aus?

Ich bin jemand, der morgens immer ein bisschen mehr Zeit für sich braucht, um sich zu sammeln. Ich stehe darum recht früh auf, nehme mir einen Kaffee und setze mich auf die Couch. Da gehe ich dann am Handy die Termine und Jobs durch, vermeide es aber ganz bewusst E-Mails zu lesen. Die werfen sonst wieder alles durcheinander.

Zwischen 8.30 und 10 Uhr komme ich dann ins Büro. Manchmal nutze ich die Zeit vor dem Büro zum Sport machen, das gelingt mir aber nicht immer.

Auf der Arbeit starte ich dann den Rechner und dann checke ich die Mails. Zahlen spielen bei mir auch eine große Rolle, das heißt ich schaue mir erst mal die Analytics und Reportings an. Das gehört bei mir zu den regelmäßigen Bürotätigkeiten.

Bevor es dann in die Meetings geht, bereite ich mich darauf vor. Das halte ich für super wichtig. Dann geht es los mit dem Stand-up des Management-Teams. Wir versuchen das ähnlich zu gestalten, wie das die Entwickler-Teams machen, also maximal 15 bis 20 Minuten.

Der Rest des Tages besteht dann tatsächlich zu einem Großteil aus Meetings. Über Mittag nehme ich mir eine Stunde und gehe raus, um den Kopf frei zu bekommen. Das brauche ich schon.

Aber ich bin auch viel geschäftlich unterwegs.

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Das ist für jemanden wie dich, der Produktentwicklung für HRS macht, vielleicht keine schlechte Sache.

Definitiv! Bei HRS ist es so, dass jeder seine Reisen selber buchen muss, weil wir kein Travel-Management haben. Ich finde das absolut richtig, denn dadurch bekommt man ein Gefühl für die Herausforderungen als Geschäftsreisender. Bei durchschnittlich 30 Geschäftsreisen im Jahr sollte ich Kundenbedürfnisse gut kennengelernt haben.

Und welche Bedürfnisse zeigen sich da?

Für unseren mobilen Check-In haben wir zum Beispiel Tester auf die Straße geschickt. Und die haben herausgefunden, dass das mobile Internet um die Hotels herum ziemlich unzuverlässig sein kann. Da hilft es, wenn die Stadt Hotspots anbietet. Gerade in Warschau oder in asiatischen Ländern habe ich positive Erfahrungen gemacht. Internet ist auf Geschäftsreisen wichtig. Wir sehen zum Beispiel den Trend, das Hotels dazu übergehen Coworkingspaces anzubieten. Auf Bali zum Beispiel spielen Coworkingspaces wirklich eine große Rolle. Wifi am Pool inklusive.

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Welche Themen und Trends beschäftigen dich darüber hinaus?

Für uns intern ist die Skalierung von Agile ein wichtiges Thema. Da wir kein Startup sind, ist das eine große Herausforderung.

Wenn ich als Produkmanager auf den Markt schaue, geht es viel um Millenials und um die Frage, wie die Zukunft aussieht. Da geht es um curated traveling, um die „Experience“ einer Reise oder um Selbstmarketing. Das sieht man heute schon recht häufig, dass es wichtiger ist, das schönste Foto auf Instagram zu posten, statt einfach mal den Sonnenuntergang zu genießen. Während wir früher Bilder, die wir etwa mit der Spiegelreflexkamera gemacht haben, mit einem kleinen Freundeskreis geteilt haben, geht es heute um das große Teilen auf Social Media. Wobei es da mit dem Social-Detox bereits eine gegenläufige Bewegung gibt.

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Wie zufrieden bist du mit deiner Arbeit?

Sehr zufrieden. Ich habe früher im B2B-Bereich gearbeitet und da war der Kontakt zum Kunden schon schwierig. Jetzt bekomme ich direktes Feedback in meinem Job, und das gefällt mir sehr. Außerdem ist die Reisebranche ein spannendes Thema. Sie verändert sich ständig und man muss am Puls der Zeit bleiben.

Was mir an HRS sehr gefällt ist, wie der Arbeitgeber die Mitarbeiter fördert. Als ich bei HRS als Product Owner angefangen habe, hatte ich die Möglichkeit mich in meinem Job weiter zu entwickeln und Fehler zu machen. Der Mitbestimmungsgrad der Mitarbeiter ist außerdem bemerkenswert. Ich denke das ist klar der Vorteil eines inhabergeführten Unternehmens.

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Was ist der größte Fehler, den du bisher gemacht hast?

Da fällt es mir schwer einen zu nennen. Aber in Bezug auf das Unternehmen kann ich sagen, dass es ein Fehler war, das wir nicht von Anfang an kundenzentriert waren. Das haben wir deutlich gespürt, als wir ein Projekt entwickelt haben, und es beim Kunden schlecht ankam. Das war ein Schlag ins Gesicht. Zu der Zeit war ich Product Owner und ich dachte wir haben da eigentlich was Gutes entwickelt.

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Gibt es etwas, was dich wahnsinnig macht auf der Arbeit?

Was ich wirklich manchmal brauche ist Ruhe, besonders, wenn ich konzeptionell an Themen arbeite. Darum kann ich auf meine Kopfhörer nicht verzichten.

Was inspiriert dich?

Der Austausch mit Menschen. Ich ziehe viel Energie aus Gruppen und dem Austausch mit Kollegen. Das kann dann auch mal auf einer Konferenz sein, wenn man sich mit anderen Produktleuten von Google oder anderen Unternehmen über Technologiethemen austauscht.

Für mich sind Reisen auch immer sehr inspirierend. Unsere Marke ist im Ausland nicht so präsent und da ist es sehr spannend zu erfahren, ob die Menschen vor Ort uns kennen und wie sie auf uns reagieren.

Digitale Leute - Beatrice Gola - HRS - Vor dem alten Gebäude in Köln

Gibt es Bücher oder Blogs, die du für dein Berufsbild empfehlen kannst?

Bücher kann ich eher weniger empfehlen. Aber ich lese zum Beispiel das Blog Mind the Product oder Fast Company. Außerdem habe ich mir Bloglovin und Feedly mit Reisebranchenthemen befüllt. Mich interessieren aber auch branchenfremde Innovationsthemen, zum Beispiel aus dem Gaming-Bereich. Und da lese ich dann ganz gerne Artikel zum Thema Augmented Reality.

Vielen Dank für Interview.

Webseite:HRS

Das Interview wurde am 29. August 2016 im Gebäude von HRS in Köln durchgeführt.