Susanne Persé, UX Designerin bei Vodafonedigitale-leute.de

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Dieses Interview erschien zuerst auf unserem neuen Magazin digitale-leute.de. Dort schauen wir mit einer neuen, frischen Perspektive auf die deutsche Digitalszene. 

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Hallo Susanne, was ist deine Rolle hier bei Vodafone? 

Als UX-Designerin erschaffe ich digitale Erlebnisse. Ich bin Teil unseres Design-Teams, das für alles Design-Bezogene bei Vodafone Deutschland zuständig ist. Wir machen alles von der Webseite bis hin zur App. Meine Aufgabe ist es, dass der User auf der Suche nach einem neuen Vertrag oder nach der Hilfefunktion effizient die Seite bedienen kann und schnell zum Ziel kommt.

Eher selten kümmern wir uns auch um Print-Produkte. Für eine App-Promo haben wir zum Beispiel mal Kaffeebecher für unsere Cafébar designt.

Was war das letzte größere Projekt, an dem du gearbeitet hast?

Das letzte Projekt war die Überarbeitung unserer Content-Module. Da ging es darum sie fluide und responsiv zu machen und ihnen einen neuen Style zu verpassen.

Was bezeichnet ihr als  Content-Module?

Hinter unserer Webseite vodafone.de liegt ein CMS, welches aus einzelnen modularen Elementen besteht, mit denen die Webseite zusammengebaut werden kann. Die Inhaltsseiten wie Hilfe, Service- oder App-Bereich ist mit Content-Modulen gebaut. Obwohl es ein CMS ist, können wir mit diesen Modulen dafür sorgen, dass jede Seite komplett anders aussieht. Wir haben viel Wert auf Modularität und Flexibilität gelegt.

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Wann begann das Projekt zur Überarbeitung der Content-Module?

Das Projekt startete vor anderthalb Jahren und dauerte gut ein Jahr. Wir hatten von der Group einen neuen Style bekommen.”Simplicity” heißt er und sollte auf die Seite von Vodafone Deutschland übertragen werden. Meine Gruppenleiterin kam zu mir und fragte mich, ob ich das machen möchte.

Was ist die Group?

Mit Group meinen wir die globale Vodafone-Gesellschaft, die ihren Hauptsitz in London hat. Sie macht zum Teil Vorgaben, damit wir über die Ländergrenzen hinweg ein einheitliches Bild abgeben.

Wie ging es weiter mit dem Projekt?

Im ersten Schritt haben wir in Zusammenarbeit mit unseren Online-Sales-Kollegen und den Redakteuren Anforderungen gesammelt. Die haben wir auch sofort nach Prioritäten sortiert, damit wir wissen, welche Module wir als erstes bearbeiten müssen.

Das Projekt wurde dann nochmals ein wenig komplizierter, da wir auch den Parallel-Demand für den Enterprise-Bereich aufgenommen haben. Die Projekte überlappten sich teilweise, weil das gleiche HTML verwendet wurde, aber es zwei verschiedene CSS gab. Da war eine genaue Abstimmung nötig, damit die Struktur gleich ist, es sich aber nicht zu ähnlich sieht.

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Wie war die Team-Zusammensetzung für dieses Projekt?

In unserem Team waren UX-Designer, Visual-Designer, Entwicker, Redakteure und Online-Sales. Die SEO-Abteilung war auch sehr engagiert, weil Google zu der Zeit den Such-Algorithmus umgestellt hat. Und da wollten wir gut vorbereitet sein. Außerdem war noch ein Informationsarchitekt dabei, weil die Navigation teilweise angepasst werden musste.

Für das Projekt haben wir einen eigenen Prozess geschaffen, bei dem wir innerhalb einer Woche ein komplexes oder zwei normale Module entwickeln konnten. Je nachdem, an welcher Stelle wir im Prozess waren, haben wir dann die entsprechenden Leute hinzugezogen.

Wie kommuniziert ihr im Team?

Wenn wir eine Online-Besprechung haben, nutzen wir Lync, was mittlerweile Skype for Business heißt.

Wir haben ja ein Open Office. Zwanzig bis fünfzig Prozent unserer Arbeitszeit dürfen wir im Homeoffice sein. Außerdem haben wir flexible Arbeitsplätze und können uns immer dort hinsetzen, wo wir am besten arbeiten können.

Wir, die UX Kollegen, die an dem Projekt beteiligt waren, haben uns also gemeinsam einen Platz gesucht, uns zusammengesetzt und während des Projekts immer wieder abgesprochen. Oder wir gehen in unsere Think Tanks – kleine Besprechungsräume für spontane Meetings – wenn wir gemeinsam auf Entwürfe gucken oder am Whiteboard etwas erarbeiten. Dann stören wir die anderen um uns herum nicht.

Über welches Tool habt ihr den Prozess gemanagt?

Wir haben alles über Jira gemacht. Jira nutzen wir gerade bei uns im Design sehr viel.

Wie sieht deine Arbeit an so einem Ticket dann genau aus?

Bei diesem Projekt war es ja so, dass wir uns die Tickets selbst angelegt haben. Für gewöhnlich bekommen wir die von den Anforderern. Das sind Produktmanager, Demand-Manager, Chanel-Manager, Online-Sales oder die Redaktion. In der ersten Phase haben wir die Anforderungen gesammelt und dann auch selbst in Tickets gepackt.

Wenn ich mich in der nächsten Phase dann an ein Ticket mache, dann kritzle ich erst mal in meinem Block drauf los und überlege mir, wie das mobil aussehen könnte, denn wir haben den Mobile-First-Ansatz. Wir sind zwar ein papierloses Büro, aber auf meinen Block möchte ich trotzdem nicht verzichten.

Als Vorlage dienten die alten Module, die technisch noch nicht fluide beziehungsweise responsive und nur für die Desktop-Ansicht designt waren. Ausgehend vom Mobile-Design gehe ich dann in die nächstgrößeren Ansichten. Das skizziere ich dann auch erst mal. Und wenn ich denke, dass etwas gut funktionieren könnte, dann baue ich das in Sketch auf. Je nachdem, wie kompliziert das Modul ist, erstelle ich einen kleinen Prototypen, um zu schauen, ob die Interaktion funktioniert. Gerade bei einem Karussell sollte man wissen, wie sich das anfühlt.

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Welche Tools nutzt du für das Prototyping?

In diesem Fall habe ich Principle genutzt. Manchmal nutze ich aber auch Axure. Und ich weiß von Kollegen, die wieder andere Tools nutzen. Wir haben da alle Freiheiten.

Was geschieht im Anschluss mit dem Prototypen?

Die Entwürfe und die Prototypen hänge ich an das Ticket, schicke es an die Gruppenleiterin, die uns dann ihr Feedback gibt und zeige es den Online-Sales Kollegen. Die SEO-Kollegen schauen dann auch noch mal drauf und schreiben eventuell dazu, worauf die Entwickler achten müssen. Zum Beispiel haben sie besonders darauf geachtet, dass da eine H1 vorkommt. Selbst wenn der Stil nicht der einer H1 ist, dann muss das eben eine extra Klasse sein.

Da wir die Module in einem einwöchigen Sprint entwickelt haben, brauchten wir das Feedback der Kollegen in 24 Stunden. Das haben wir dann eingearbeitet und dann ging das an die Entwickler, die dann nochmals auf uns zukommen können, wenn es Rückfragen gibt. Manchmal musste auch etwas geändert werden.

Wenn das Modul fertig entwickelt ist, schauen wir uns das nochmals an und geben Feedback. Wir haben zwar ein Testteam, das einen super Job macht, aber so sind wir Pixelschubser nun mal: Wir schauen wirklich auf jeden kleinen Schatten, ob der auch so stimmt. Das fällt den anderen ja nicht auf. Ich glaube, das ist für die Entwickler manchmal echt frustrierend. Das tut mir dann auch leid, aber die sind immer so nett und passen das dann an.

Wie sieht es mit Usertests aus?

Bei den Modulen haben wir das aus Zeitgründen nicht gemacht. Bei dem Projekt, das ich als Nächstes betreue, haben wir verschiedene Phasen, zu denen wir zwei-, dreimal testen werden. Da geht es um die Navigation, unserem Herzstück. Bei kleineren Designs machen wir A/B-Tests oder schauen auf die Klickzahlen.

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Wie viel Prozent deiner Arbeitszeit verteilt sich auf Designen, wie viel auf Meetings und andere Aktivitäten?

Das kommt stark darauf an. Bei diesem Projekt gab es relativ viele Meetings, bestimmt 20 Prozent der Zeit. Wir versuchen aber nicht so viele Meetings zu haben.

Wie sieht dein Tagesablauf aus? Wann stehst du für gewöhnlich auf?

Ich bin ja ein Langschläfer, weil ich es von Neuss nicht weit zum Vodafone Campus hier nach Düsseldorf Heerdt habe. Viele sind darauf neidisch, wenn man das sagt. Also schreibe das lieber nicht.

Das Schöne ist bei Vodafone: Ich kann anfangen wann ich möchte. Trotzdem bin ich meistens gegen neun Uhr hier. Dann fahre ich zwei Etagen hoch und gehe an mein Schränkchen, in dem ich meinen Rechner eingeschlossen habe. Dann schaue ich wo ich heute am besten arbeiten kann und stelle schon mal mein MacBook auf. Wie gesagt, haben wir keine festen Arbeitsplätze. Dann hole ich mir erst mal etwas zu trinken. Und dann checke ich die Mails.

Meistens sehe ich dann schon Kommentare in Jira, auf die ich reagiere, und dann steckt man auch schon mitten in der Arbeit. Und dann kommen die restlichen Tickets dran.

Gibt es ein tägliches Stand-up?

Nein, wir haben einmal in der Woche ein Stand-up mit unserem Team, in dem wir uns besprechen und Sachen zeigen, an denen wir gerade arbeiten. Wir machen aber nicht Scrum-mäßig jeden Morgen ein Stand-up. Bei uns sind die Bereiche klar aufgeteilt.

Wie geht es dann weiter?

Mittags treffen wir uns unten in der Kantine, die richtig gut ist, und ich hole mir danach meinen Kaffee an der Cafébar. Und dann geht es auch schon weiter. Gegen 18 Uhr mache ich Feierabend. Da bin ich aber sehr flexibel, je nachdem, ob ein Arbeitsschritt abgeschlossen ist oder nicht.

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Was sind momentan wichtige Themen und Trends für dich?

Womit ich mich im Moment sehr gerne beschäftige sind Mikro-Interaktionen. Dabei geht es darum herauszufinden, durch welche Interaktionen man den User besser steuern kann, so dass der Flow noch besser unterstützt wird. Das ist etwas, von dem ich glaube, das es sehr viel Sinn macht.

Wenn ein Kunde zum Beispiel ein Produkt ausgewählt hat und es in den Warenkorb legt, dann wackelt das Korb-Icon kurz. Das ist ein Feedback, damit man weiß, das Produkt ist jetzt gerade eben im Warenkorb gelandet. Das hat eine unterstützende Wirkung.

Was benötigst du, um effektiv arbeiten zu können?

Das Wichtigste ist mein MacBook und meine Maus. Ein externer Monitor ist gut oder auch mal zwei. Dann kann man Entwürfe hin und her schieben. Da ich relativ groß bin, ist es super, dass man unsere Tische hochfahren kann. Aber eigentlich kann ich überall arbeiten.

Was wissen die Wenigsten über deinen Job?

Ich glaube, viele denken, bei Vodafone macht man so Konzernsachen, also die Umsetzung eines Styleguides und dass man nicht out of the box denken darf. Aber das stimmt nicht. Meine Arbeit hier ist sehr abwechslungsreich.

Was würdest du Leuten empfehlen, die kurz vor dem Abi sind und sich fragen, wie sie UX-Designer werden können?

Ich würde ihnen raten ein duales Studium zu machen, damit man sowohl die praktische als auch die akademische Seite kennenlernt. Ich habe ja erst eine Ausbildung als Mediendesigner gemacht und dann noch ein Studium drangehängt. Mit einem dualen Studium spart man wahrscheinlich ein bisschen Zeit.

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Gibt es etwas was dich inspiriert?

Wenn man sich im Netz umschaut, wie andere Design-Probleme lösen, dann finde ich das oft sehr inspirierend. Meine Quelle dafür ist Pinterest. Ich liebe Pinterest. Während der Bahnfahrt hier her schaue ich eigentlich immer, was es Neues auf Pinterest gibt.

Welche Blogs und Bücher kannst du empfehlen?

Über Facebook habe ich ein paar Blogs abonniert, die ich immer wieder lese. Zweimal am Tag schaue ich da mal rein. Ich habe viele Seiten abonniert, unter anderem Interaction Design Foundation, klonBlog, t3n oder Designlovr.

Vom Hermann-Schmidt-Verlag kann ich Bücher zu den Themen Typografie, Branding und Interaktionsdesign empfehlen. Zum Beispiel Branded Interactions von Marco Spies oder Von Marken und Menschen von Andreas Freitag. Die sind wirklich super.

Gehst du ab und zu auf Events?

Meine ehemalige Uni veranstaltet einmal im Jahr das “Forum Mediendesign” im Kölner Museum Ludwig. Da gehe ich sehr gerne hin, denn man sieht die alten Gesichter aus der Studienzeit. Außerdem laden sie immer super Leute ein, wie zum Beispiel Erik Spiekermann. Das sind echte Größen.

Liebe Susanne, vielen Dank für das Interview.

Webseite: Vodafone.de

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Das Interview wurde am 20. Februar auf dem Vodafone Campus gehalten. Der Dreh für die Videos fand am 16. März 2017 statt.

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