Stefan Klefisch, Geschäftsführer und Entwickler bei 42dpdigitale-leute.de

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Digitale Leute - Stefan Klefisch - 42dp - Beinahe täglich programmiert Stefan Klefisch, entwickler bei 42dp an VR-Applikationen.

Dieses Interview erschien zuerst in unserem Interview-Magazin Digitale Leute. Dort schauen wir mit einer neuen, frischen Perspektive auf die deutsche Digitalszene.

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Hallo Stefan, wie lange seid ihr schon in diesen Büroräumen? Die Wände sind so clean, man könnte meinen, ihr seid gerade erst eingezogen.

Manchmal sieht es hier auch anders aus. Aber wenn in einem Projekt die Konzeptphase vorbei ist, werden die Sachen wieder abgehangen. Ich finde es erdrückend, wenn du überall Post-its hast. Beim Konzepten selber ist es einfacher, Papier zu verwenden. Aber danach muss es digital sein.

Wie viele Leute arbeiten bei 42dp?

Wir sind zu sechst. Zusätzlich haben wir einen Pool von Freiberuflern. Unsere Philosophie ist es, zu Projekten in spezialisierten Teams zusammenzusitzen. Es ist einfach gut, wenn man über Leute mit guten Kernkompetenzen verfügen kann. Das ist für den Kunden ideal und man hält keine unnötigen Ressourcen vor.

Du hast nach dem Studium direkt mit dieser Agentur angefangen. Was hast du studiert?

Allgemeine Informatik mit Schwerpunkt Künstliche Intelligenz. Mir war eigentlich von Anfang an klar, dass ich etwas Eigenes aufbauen wollte. Mitte 2008, nach dem Abschluss des Studiums haben Omid Hashemi und ich uns Selbstständig gemacht. 2011 kam Arzu Uyan mit an Board und wir haben 2013 die 42dp Labs GmbH gegründet. Omid und ich kennen uns schon seit dem Gymnasium und haben zusammen das Gleiche in Furtwangen im Schwarzwald studiert. Arzu hatten wir in der Studienzeit kennengelernt.

Mit welchen Projekten beschäftigt ihr euch bei 42dp?

Wir machen sehr viel Agenturarbeit, aber probieren unseren Fokus gerade auf eigene Projekte umzuschwenken. Im Grunde haben wir uns schon immer die Freiheit genommen, das zu tun, worauf wir Lust haben. Schon während des Studiums haben Omid und ich an Forschungsprojekten teilgenommen und nicht einfach nur die Vorlesung abgerissen. Für den eco setzen wir zum Beispiel jedes Jahr ein Exponat für die Passagen um, das außerhalb unserer Agenturarbeit steht. Bei den letzten Passagen haben wir das Projekt „Abstractures“ gebaut, wozu wir eine HoloLens nutzten. Das Jahr davor haben wir das Holoship gebaut, eine Spielekonsole, die den Pepper’s-Ghost-Effekt nutzt.

Das sind Projekte, die keinen kommerziellen Hintergedanken haben, die uns aber die Möglichkeit geben, spielerisch neue Technologien zu nutzen und anhand eines Projektes zu lernen.

Digitale Leute - Stefan Klefisch - 42dp - Projekte wie Obstractures und HoloShip dienen als Forschungsprojekt neue Technologien zu erforschen und für Kundenprojekte fruchtbar zu machen.

Wie muss man sich deinen Alltag vorstellen? Bist du eher Geschäftsführer oder Entwickler?

Entwicklung ist schon ein großer Teil meines täglichen Jobs. Ich programmiere fast jeden Tag an Virtual-Reality-Projekten. Davor habe ich sehr viel Front-End-Entwicklung gemacht. Was an Geschäftsführung und Managen anfällt, kommt halt dazu. Wir haben versucht, das etwas aufzuteilen. Im Moment ist Omid derjenige, der Neukundengespräche führt und zum Kunden rausgeht. Ich kümmere mich um den technischen Part.

Mit welchem Projekt beschäftigst du dich momentan?

Wir haben letztens ein Projekt für die Metro abgeschlossen. Dabei ging es um User-Research, die wir mit einer VR-Anwendung begleitet haben. Es ging darum, ein Store-Konzept zu evaluieren. Dazu haben wir den kompletten Store virtuell nachgebaut und bestimmte Aufgaben definiert, die die Nutzer in der virtuellen Realität lösen mussten. Da ging es zum Beispiel darum, bestimmte Sachen einzukaufen. Wir haben dann eine Analyse gemacht und die ist mit in die Ergebnismappe eingeflossen.Digitale Leute - Stefan Klefisch - 42dp - Stefan braucht neben einem leistungsstarken PV zwei Monitore und die Ocolus Rift.

Digitale Leute - Stefan Klefisch - 42dp - Stefan erkärt uns die Tools und Methoden der Agentur an einem Virtual Reality Projekt der Metro.

Was war die Herausforderung bei diesem Projekt?

Bei diesem Projekt haben wir mit der Agentur “Futurest” zusammengearbeitet. Sie war die Lead-Agentur, die den theoretischen User-Research definiert hat, wir die Agentur, die das technisch umgesetzt hat.

Die erste Herausforderung war, den Shop begehbar zu machen. Dazu gingen die Pläne von der Metro an einen Innenarchitekten in Berlin, der diese digital aufbereitet hat und uns im FBX-Format zur Verfügung gestellt hat. Das Projekt lief auf Unity und da haben wir die Modelle reingeladen. Wenn man Modelle von einem Architekten bekommt, sind die meist viel zu komplex, um sie in Echtzeitanwendungen zu verwenden. Darum haben wir einen 3D-Artist hinzugenommen, der die Modelle für uns optimiert hat.

Was gilt es zu optimieren?

Bei einer VR-Anwendung ist die Framerate superentscheidend, um Motion Sickness zu vermeiden. Ein Faktor ist zum Beispiel die Anzahl der Polygone, die gleichzeitig gezeichnet werden. Eine Anwendung sollte maximal ein bis zwei Millionen Polygone haben. Wenn man also das Modell einer Kühltheke hat, dann kommt das vom Architekten schon mit einer Million Polygone. Der 3D-Artist vereinfacht Formen und ersetzt zum Beispiel Wellen oder ein Luftgitter mit einer Textur. Mit bestimmten Verfahren und Shadern sieht das dann genauso aus, wirkt sich aber positiv auf die Performance aus. Die Optimierung ist der initiale Schritt, mit dem man die Simulation begehbar macht.

Was folgte darauf bei diesem Projekt?

Ein anderer Schritt war der Aufbau von Einkaufsprozessen. Zusammen mit dem Kunden wurde eine Liste von typischen Produkten entwickelt, die der durchschnittliche Einkäufer in Südfrankreich einkaufen würde: bestimmte Käsesorten, Messer, Gabeln.

Außerdem sollte eine digitale Bestellstrecke getestet werden. Angenommen, du gehst in einen Laden und ein Produkt ist gerade aus, dann hattest du in unserem Fall die Möglichkeit, das Produkt über ein Terminal zu bestellen. Die Terminals sind neue Geräte in einem Markt, die in unserer Anwendung getestet werden sollten.

Wichtig war zum Schluss, das alles zu tracken.

Digitale Leute - Stefan Klefisch - 42dp - Nach dem Studium der allgemeinen Informatik gründete Stefan mit seinem Freund Omid 42dp.

Wie habt ihr das umgesetzt?

Wir haben auf Basis von C# ein System in Unity geschrieben, das zum Beispiel die Laufwege als Heatmap generiert. Da sieht man sehr schön, ob ein User sich zurechtgefunden hat oder ob er sich im Kreis gedreht hat. Außerdem sieht man durch unser System, wie lange der Kunde gebraucht hat, ob er die neuen Terminals verwendet hat oder ob er davor abgebrochen hat.

Welche Tools brauchst du dazu bei der Entwicklung?

Für die Programmierung benutzen wir Visual Studio 2017 als unsere IDE. Das ist für VR-Projekte die Chain. Wir nutzen C#, da ich finde, dass das für die Performance noch mal besser ist, als das Programm mit Javascript zu entwickeln. Man ist auch freier und kann einfach mal machen.

Für das Performance-Tracking nutze ich den Profiler, den Unity direkt mitbringt. Sublime ist mein Texteditor der Wahl und wir nutzen Git für das Versionieren. Als Ticketsystem haben wir ActiveCollab für das Projektmanagement und zusätzlich nutzen wir noch das Ticketsystem von GitLab.

Das vollständige Interview lesen sie auf Digitale Leute: Stefan Klefisch, Geschäftsführer und Entwickler bei 42dp

 

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