Was Entrepreneure vom Profisport lernen können 
Von Team
Mittwoch, 21. Oktober 2026

#Gastbeitrag

Was Entrepreneure vom Profisport lernen können 

Druck, Rückschläge und ständig neue Herausforderungen gehören zum Startup-Alltag. Mentalcoach Michael von Kunhardt zeigt, was Gründer vom Spitzensport lernen können – von Fokus und Selbstvertrauen bis zum richtigen Umgang mit Niederlagen.

Die Gründungsdynamik in Deutschland hat zuletzt deutlich zugenommen. Laut dem Statistischen Bundesamt wurden 2025 rund 640.500 Gewerbe neu gegründet, 7,7 Prozent  mehr als im Vorjahr. Doch obwohl viele Unternehmen an den Start gehen, bleiben nicht  alle dauerhaft bestehen. Erfolg hängt nicht nur von Idee, Kapital und Fachwissen ab,  sondern auch davon, unter Druck klar zu handeln, Rückschläge zu verarbeiten und  langfristig leistungsfähig zu bleiben. Genau hier können Unternehmer viel vom  Spitzensport lernen. Auch dort sind Vorbereitung, Konzentration, mentale Stabilität,  Regeneration und die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen, entscheidend.  

Den Fokus auf das Beeinflussbare richten 

Spitzensportler unterscheiden zwischen beeinflussbaren und unkontrollierbaren Faktoren. Wetter, Schiedsrichter oder Tagesform des Gegners liegen außerhalb ihrer Kontrolle,  Vorbereitung, Haltung und Reaktion dagegen nicht. Unternehmer stehen vor  vergleichbaren Herausforderungen. Sie können nicht kontrollieren, ob ein Investor zusagt,  ein Wettbewerber ein ähnliches Produkt veröffentlicht oder wie sich die Marktlage  verändert. Beeinflussbar ist die Qualität der Vorbereitung, die Kommunikation im Team  und der Umgang mit neuen Informationen. Im Unternehmensalltag kann das bedeuten,  einen Kunden anzurufen oder eine schwierige Entscheidung zu treffen. Ebenso wichtig ist Priorisierung. Unternehmer sollten Aufgaben mit großer Wirkung vorziehen und weniger wichtige Tätigkeiten delegieren.  

Drucksituationen vorher trainieren 

Im Profisport bereiten sich Athleten auch auf Rückstände, Fehlentscheidungen oder unerwartete Wendungen vor, um in kritischen Momenten souveräne Entscheidungen treffen und ihre Leistung abrufen zu können. Ebenso sollten sich Unternehmer nicht nur mit Zahlen, Präsentationen und Argumenten beschäftigen, sondern auch Drucksituationen mental durchspielen. Wer sich vornimmt, bei Kritik ruhig zu bleiben und nachzufragen, statt sich sofort zu verteidigen, bleibt handlungsfähig. Die Situation wurde  bereits gedanklich vorweggenommen, wodurch es leichter fällt, besonnen und zielgerichtet zu reagieren. Hilfreich sind feste Routinen. Zwei Minuten bewusstes Atmen vor einem Pitch, eine kurze Pause zwischen intensiven Arbeitsphasen oder eine Reflexion am Tagesende schaffen den nötigen Abstand. Entscheidend ist nicht die Dauer, sondern  die Regelmäßigkeit dieser Übungen.  

Selbstvertrauen ohne Selbstüberschätzung 

Erfolgreiche Athleten brauchen Zuversicht in ihre Fähigkeiten, ohne sich für unfehlbar zu  halten. Ihre innere Sicherheit entsteht aus Vorbereitung, Erfahrung und dem Wissen, schwierige Situationen bewältigen zu können. Für Unternehmer bedeutet das: Souveränität zeigt sich nicht darin, auf jede Frage sofort eine Antwort zu haben. Ein  ehrliches „Das weiß ich noch nicht, aber wir prüfen es und treffen dann eine Entscheidung“ schafft oft mehr Vertrauen als vorgetäuschte Sicherheit. Wer den eigenen Wert nicht von  jedem einzelnen Ergebnis abhängig macht, kann Kritik sachlicher auswerten und nutzen. Das ist im Spitzensport ebenso wichtig wie im Unternehmertum.  

Niederlagen systematisch auswerten 

Niederlagen gehören zu jedem Leistungsprozess, denn sie zeigen, was noch nicht  funktioniert. Entscheidend ist, wie mit ihnen umgegangen wird. Auch in Startups liefern Rückschläge wichtige Informationen. Eine gescheiterte Finanzierungsrunde kann darauf  hinweisen, dass Geschäftsmodell, Wachstumsstrategie oder Kennzahlen noch weiterer  Schärfung bedürfen. Problematisch wird es, wenn aus einem einzelnen Misserfolg ein Urteil über die eigene Person entsteht. Vom Spitzensport lässt sich ableiten, wie  Misserfolgstoleranz aufgebaut und als Grundlage für neue Erfolge genutzt werden kann.  Sie beschreibt die Fähigkeit, Scheitern anzuerkennen, ohne den Gestaltungswillen zu verlieren. Fehler werden analysiert, Lernpunkte festgehalten und Konsequenzen  gezogen. So wird aus der Niederlage ein Ausgangspunkt für Verbesserung.  

Führung wirkt wie Coaching 

Im Profisport entscheidet nicht nur die Leistung des Einzelnen. Ebenso wichtig ist, ob Trainer und Mannschaft unter Druck Orientierung behalten. In Startups wirkt die mentale  Stabilität der Gründer auf das gesamte Team. Wer klar kommuniziert, Entscheidungen trifft und Zuversicht vermittelt, schafft Sicherheit. Wer dagegen Konflikten ausweicht, Entschlüsse verschiebt oder Fehler tabuisiert, verstärkt die Unsicherheit. Gute Führung folgt dem Coaching-Prinzip: klare Ziele setzen, Feedback geben, Eigenverantwortung  fördern und Rollen klären. Unternehmer müssen nicht jede Aufgabe selbst lösen, sondern  ihr Team befähigen, auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben.

Gastbeitrag deutsche-startups.de Regeneration ist das A und O 

Spitzensportler wissen, dass Training ohne Erholung nicht dauerhaft funktioniert. Regeneration ist Teil des Leistungsplans. Im Startup-Alltag wird dieses Prinzip häufig unterschätzt. Überstunden und ständige Erreichbarkeit können kurzfristig produktiv wirken, führen langfristig jedoch oft zu Erschöpfung, sinkender Konzentration und schlechteren Entscheidungen. Offline-Phasen, ausreichend Schlaf und feste  Erholungszeiten sind deshalb kein Gegensatz zu unternehmerischem Ehrgeiz. Sie schaffen die Grundlage für Kreativität, Fokus und nachhaltige Handlungsfähigkeit.  Spitzenleistung entsteht nicht durch permanente Belastung, sondern durch den richtigen Wechsel zwischen Anspannung und Erholung.  

Tipp: Endurance beats setbacks: Startup lessons from marathon running with Hendrik Pfeiffer

Über den Autor
Michael von Kunhardt ist Speaker, Mentalcoach und Experte für Spitzenleistungen und mentale  Stärke. Er arbeitet mit Profisportlern, Nationalmannschaften und Olympiasiegern ebenso wie mit  internationalen Top-Unternehmen und DAX-40-Konzernen. Als Gründer der von Kunhardt Akademie am Schloss in Dehrn begleitet er Führungskräfte, angehende Speaker, Coaches und  Buchautoren sowie Privatmenschen in ihrer persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung. Der Erfahrungsschatz des diplomierten Wirtschaftswissenschaftlers mit zusätzlichem Studium in Sport  und Soziologie gründet auf einer langjährigen Erfahrung im Leistungssport: 15 Jahre Hockey Bundesliga, mehrfacher Deutscher Meister sowie seit 2011 kontinuierlich Spieler der Senioren Hockeynationalmannschaft. 

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Foto (oben): KI