„Das erste Jahr war der Beweis, dass unser Modell funktioniert“
Von Alexander
Dienstag, 6. Oktober 2026

#Interview

„Das erste Jahr war der Beweis, dass unser Modell funktioniert“

Mehr als 200 DeepTech-Startups möchte die BRYCK Startup Alliance bis 2030 begleiten. Dafür verbindet die Startup Factory Forschung und Industrie im Ruhrgebiet. Geschäftsführerin Philippa Koehnk spricht über Wachstumskapital, erste Erfolge und die nächsten Schritte.

Wissenschaftliche Forschung gibt es in Deutschland reichlich. Schwieriger wird es, daraus erfolgreiche Unternehmen zu bauen. An diesem Punkt sollen die zehn Startup Factories ansetzen, die 2025 im Rahmen des EXIST-Leuchtturmwettbewerbs ausgewählt wurden.

Im Ruhrgebiet übernimmt diese Aufgabe die BRYCK Startup Alliance. Hinter der Initiative stehen die drei Universitäten der Universitätsallianz Ruhr, die RAG-Stiftung und der Initiativkreis Ruhr. Die Factory möchte insbesondere wissenschaftsbasierte und DeepTech-Gründungen mit Industrie, Kapitalgebern und möglichen Kunden zusammenbringen.

Seit dem Start ist einiges passiert: 39 Mitarbeitende arbeiten inzwischen für BRYCK, mehr als 40 Teams und Startups wurden allein im ersten Halbjahr 2026 begleitet. Startups aus dem Ökosystem sammelten nach Angaben der Factory in diesem Zeitraum mehr als 27 Millionen Euro ein.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Geschäftsführerin Philippa Koehnk über die ersten Erfahrungen, die besondere Rolle des Ruhrgebiets und das Ziel, bis 2030 mehr als 200 skalierende DeepTech-Startups zu begleiten.

Wie würdest Du Deiner Großmutter die BRYCK Startup Alliance erklären?
An unseren Universitäten entsteht exzellente wissenschaftliche Forschung in unterschiedlichsten Bereichen, zum Beispiel zu neuen Materialien, zu Wasseranalytik oder zu Energietechnologien. Der Transfer dieser Erkenntnisse in marktfähige Unternehmen gelingt jedoch häufig nicht von allein. Genau an dieser Stelle setzt die BRYCK Startup Alliance an: Wir verbinden Forschung, Industriepartner, Kapitalgeber und Gründungsteams systematisch miteinander, damit aus wissenschaftsbasierten Ideen tragfähige Unternehmen werden. Man kann uns als Bindeglied zwischen Spitzenforschung und industrieller Anwendung verstehen.

Was genau zeichnet Eure Region aus?
Das Ruhrgebiet verfügt über eine Kombination, die in dieser Form selten ist: exzellente Forschungsinfrastruktur an über 20 Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie eine sehr dichte industrielle Basis bieten ideale Bedingungen um die nötige Integrationsfähigkeit von Forschungsergebnissen in die Industrie herzustellen. Hinzu kommt eine gewachsene Erfahrung mit industriellem Strukturwandel, vom Bergbau zur Industrie und heute zur wissensbasierten Ökonomie. Diese Kombination aus wissenschaftlicher Tiefe, industrieller Substanz und Veränderungsbereitschaft ist ein klarer Standortvorteil.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Zunächst mussten wir zeigen, dass sehr unterschiedliche Akteure – die RAG Stiftung, die drei UA Ruhr Universitäten und der Initiativkreis Ruhr – tatsächlich ihre Kräfte in der BRYCK Startup Alliance bündeln können, statt parallel eigene Einzelinitiativen zu verfolgen. Das erforderte eine klare Governance und gegenseitiges Vertrauen. Parallel dazu haben wir innerhalb weniger Monate den operativen Betrieb aufgebaut beziehungsweise ausgebaut. Neben etablierten Formaten wie unserem Accelerator haben wir mit Bootcamps, Hackathons sowie Programmen wie der Industry Challenge neue Angebote geschaffen, um Studierenden, Forschenden und wissenschaftlichen Teams bereits in einer sehr frühen Phase konkrete Anknüpfungspunkte für Unternehmertum zu bieten. Eine zentrale Herausforderung ist und bleibt der Zugang zu Wachstumskapital für Deep-Tech-Startups. Deshalb bringen wir Startups sowohl während unserer Programme – etwa beim Portfolio Day – als auch im Alumni-Support gezielt mit den passenden Investor:innen zusammen.

Was habt Ihr seit dem Start im Sommer 2025 bisher erreicht?
Am 10. Juli 2025 wurden wir im Rahmen des EXIST-Leuchtturmwettbewerbs als eine von zehn geförderten Startup Factories in Deutschland ausgezeichnet. Wir sind in unseren neuen Standort im Colosseum Essen eingezogen, den mittlerweile 26 Unternehmen und 132 Menschen als Arbeits- und Innovationsort nutzen. Unser Team ist auf 39 Mitarbeitende gewachsen. Im ersten Halbjahr 2026 haben wir unseren Accelerator mit 23 Teams aus sechs Ländern gestartet und insgesamt über 40 Teams und Startups begleitet. Startups aus unserem Ökosystem haben in dieser Zeit mehr als 27 Millionen Euro an Kapital eingeworben. Darüber hinaus wurden erste erfolgreiche Pilotprojekte durchgeführt, beispielsweise im BRYCK Water Cluster gemeinsam mit der RAG Aktiengesellschaft und den Startups Acquaint und Spectromarine.

Welches Projekt steht demnächst ganz oben auf Eurer Agenda?
Nach den ersten Kohorten unserer Programme beginnt für uns die nächste Entwicklungsphase. Wir werden die Erfahrungen aus dem ersten Jahr systematisch nutzen, um unsere Programmformate weiter zu schärfen und noch gezielter auf die Bedürfnisse der Teams auszurichten. Gleichzeitig werden wir unser Ökosystem durch neue nationale und internationale Partnerschaften, sowie den Austausch mit den anderen Startup Factories weiter stärken. Ein Kernbestandteil unserer Arbeit bleibt die Alumni-Betreuung. Denn neben der Begleitung von Startups in unseren Programmen ist es eine unserer wichtigsten Aufgaben, ihre Erfolge entlang der gesamten Startup-Journey zu amplifizieren – indem wir sie dauerhaft mit unserem Netzwerk aus Industrie, Investor:innen und internationalen Partnern verbinden und ihnen neue Wachstumschancen eröffnen. Dazu gehört auch, ihre Geschichten sichtbar zu machen und Gründer:innen als Vorbilder zu etablieren, die weitere Studierende und Forschende ermutigen, Unternehmertum als möglichen Karriereweg einzuschlagen. 

Wo steht die BRYCK Startup Alliance in einem Jahr?
Das erste Jahr war der Beweis, dass unser Modell funktioniert. Bis Ende des zweiten Jahres muss die Grundlage stehen, um unsere ambitionierten Ziele bis 2030 zu erreichen: über 200 skalierende Deep-Tech-Startups zu begleiten, die gemeinsam mehr als eine Milliarde Euro Venture Capital einwerben. Im Sommer 2027 wollen wir nicht mehr über das Potenzial der Startup Factories sprechen, sondern über messbare Erfolge: wachsende Unternehmen, erfolgreiche Pilotprojekte und ein Innovationsökosystem, das weit über das Ruhrgebiet hinaus Strahlkraft entwickelt.

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Foto (oben): Philipp Behrendt