#Interview

„Kaum eine andere Branche hat deshalb so viel Potenzial“

Maklerhäuser kaufen und sie mit KI effizienter machen: Mit der MoIn Group setzen Moritz Delbrück und Co. auf ein AI-Roll-up. Im Interview spricht Delbrück über den fragmentierten Maklermarkt, ungelöste Nachfolgefragen und die Chancen durch KI.
„Kaum eine andere Branche hat deshalb so viel Potenzial“
Donnerstag, 10. September 2026VonAlexander

Mit der MoIn Group bauen Moritz Delbrück (zuletzt unter anderem Justix), Philipp Kanschik und André Hoendgen derzeit in Köln ein spannendes Konsolidierungsprojekt für die Versicherungsbranche auf.

„Mit der MoIn Group kaufen wir Maklerhäuser wie das von Klaus und helfen ihnen mit Künstlicher Intelligenz. So wird der Papierkram schneller erledigt und sie haben wieder mehr Zeit für die Beratung ihrer Kunden“, sagt Gründer Delbrück.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der MoIn-Macher einmal ausführlich über den Stand der Dinge in seinem Startup.

Wie würdest Du Deiner Großmutter MoIn erklären?
Stell dir Klaus vor, den Makler um die Ecke, bei dem du deine Kfz-Versicherung, deine Hausrat und noch ein, zwei andere Verträge abgeschlossen hast. Der ist aktuell ziemlich überarbeitet, weil er kaum noch Leute findet, die ihm bei der ganzen Verwaltung helfen – und trotzdem kommt jeden Tag genauso viel davon rein. Letztens hat er sogar verschlafen, dich auf eine nötige Änderung für die Absicherung deines Carports hinzuweisen, als du dir dein E-Auto zugelegt hast. Mit der MoIn Group kaufen wir Maklerhäuser wie das von Klaus und helfen ihnen mit Künstlicher Intelligenz. So wird der Papierkram schneller erledigt und sie haben wieder mehr Zeit für die Beratung ihrer Kunden. Wir nutzen dafür Software, die Versicherungsmaklerfirmen effizienter, besser und zukunftssicherer macht. Mit unserer Technologie schaffen sie ihre Arbeit trotz Bürokratie und weniger werdendem Personal. Denn eigentlich wollen sie am liebsten mit ihren Kunden sprechen, statt Daten von A nach B abzutippen.

Roll-ups sind derzeit ein Riesenthema in der deutschen Startup-Szene. Warum habt Ihr Euch die Maklerbranche ausgesucht?
Die MoIn Group als erstes AI-Roll-up aufzubauen, war bei uns die logische Konsequenz aus den Lebensläufen des Gründerteams und dem Willen, wirklich etwas zu verändern. Unser CFO Philipp hat als Geschäftsführer der Policen Direkt schon über 100 Maklerbestände übernommen, unser CTO André und ich haben als CTO und CEO die marktführende Software für Versicherungsmakler, Flexperto, geleitet und dort bereits 2023 die ersten KI-Lösungen für Versicherungsmakler gebaut. Wir kennen die Branche daher gut und haben den Schmerz vieler Makler hautnah miterlebt: Hohe Bürokratie- und Verwaltungslast, ungelöste Nachfolgefragen bei alternden Inhaberstrukturen und einen spürbaren Technologie-Rückstand, und das in einem sehr fragmentierten Ökosystem mit stark arbeitsteiligen Wertschöpfungsketten. Wir haben schnell realisiert, dass sich viele dieser Herausforderungen mit KI lösen lassen. Ein Großteil der klassischen Maklerarbeit, wie Tarife vergleichen oder Formulare ausfüllen, ist hochstandardisiert. Kaum eine andere Branche hat deshalb so viel Potenzial, durch automatisierte Prozesse und KI wirklich gehoben zu werden. Je mehr wir uns damit beschäftigt haben, desto klarer wurde uns, dass die Lösung nicht nur darin liegt, gute KI-Software zu bauen, sondern Maklerunternehmen mit KI von innen heraus zu verbessern. So haben wir einen viel größeren Hebel und können in den einzelnen Betrieben wirklich etwas verändern.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Wer das Geschäftsmodell eines Versicherungsmaklers finanziell, technisch und juristisch wirklich verstehen und professionell bewerten möchte, muss viel Liebe fürs Detail und Durchhaltevermögen mitbringen. Das Thema „periodengerechte Ertragsabgrenzung“ wäre bei einer Party eher ein Downer.

Welches Projekt steht demnächst ganz oben auf Eurer Agenda?
In den vergangenen Monaten haben sich uns großartige Maklerhäuser angeschlossen, weil sie unsere KI-Vision teilen. Die ersten KI-Lösungen sind live, begeistern die Mitarbeitenden und belegen das enorme Effizienzsteigerungspotenzial mit KI in der Branche. Hier wollen wir weitermachen und gemeinsam mit den Maklerhäusern an der Technologie feilen, weitere Use-Cases für KI schaffen und dann natürlich auch als Gruppe wachsen.

Wo steht MoIn in einem Jahr?
In einem Jahr wollen wir gezeigt haben, dass ein AI-Roll-up genau das richtige Konzept ist, um in der Maklerbranche etwas zu bewegen. Ganz konkret heißt das: Makler in unserer Gruppe können dank unserer KI-Verbesserungen standardmäßig mehr Arbeitsschritte pro Stunde erledigen und haben mehr Zeit, sich der Kundenberatung zu widmen. Schon jetzt sehen wir, dass kleine Handgriffe deutliche Effizienzgewinne bringen. Und weil sich uns weitere Maklerhäuser anschließen, zeigt sich dieser Effekt nicht nur bei einzelnen Betrieben, sondern in der Breite. Es gibt 46.000 Makler in Deutschland, bei der Mehrzahl von ihnen steht der Eintritt ins Rentenalter bevor, während uns allen mit KI eine enorme technische Veränderung bevorsteht: Uns als AI-Roll-up wird also vermutlich nicht langweilig.

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

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Foto (oben): MoIn

Alexander

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.