Wenn Logistik und Tech zusammenkommen 
Von Team
Montag, 31. August 2026

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Wenn Logistik und Tech zusammenkommen 

Das Hamburger Startup carmovia verbindet digitale Transportsteuerung mit  operativer Fahrzeuglogistik. Geschäftsführer Umut Dasdemir über All-in-One-Prozesse,  Partnerintegration, Automatisierung und die Frage, wie Fahrzeuglogistik einfacher und skalierbarer wird. 

Das Hamburger Startup carmovia wurde 2024 gegründet. Heute steuert das Unternehmen gewerbliche Fahrzeuglogistik in 22 europäischen Ländern – mit einem Transport Management System, operativer Disposition und einem großen Netzwerk geprüfter Transportpartner. 

Umut, was passiert eigentlich, wenn ein Auto von A nach B muss? 
Für den Kunden sollte es möglichst einfach sein: Transport digital anlegen und anschließend Status,  Zeitfenster und erwartete Ankunft nachvollziehen. Wir machen Fahrzeugtransporte so digital und  transparent, wie man es vom Paketversand kennt. Im Hintergrund ist es komplexer: Fahrzeuge  werden auf eigener oder fremder Achse bewegt, einzeln oder in großen Volumina. Hinzu kommen  Dokumentation, Standorte und unterschiedliche Transportpartner. 

Und welche Rolle übernimmt carmovia dabei? 
carmovia ist weit mehr als eine Transportplattform. Wir verbinden Transportplattform, Transport  Management System, Disposition, operative Transportabwicklung und Partnerintegration in einer All in-One-Lösung. Viele Unternehmen arbeiten bereits mit festen Transportpartnern. Diese können in  carmovia eingebunden und durch unser Netzwerk und unsere operative Kompetenz ergänzt werden.  Die Bausteine lassen sich flexibel kombinieren und laufen in einem zentralen System zusammen. Im  Hintergrund arbeitet carmovia völlig automatisiert an Routen- und Ladungsoptimierung und führt  Aufträge zusammen. 

Was verändert das für den Kunden im Alltag? 
Vor allem sinkt der Koordinationsaufwand. Statt Transporte, Partner, Status und Rückfragen über  verschiedene Kanäle zusammenzuführen, entsteht ein durchgängiger Prozess. Gleichzeitig lassen sich  Transportdaten zentral auswerten, Schritte automatisieren und Volumina intelligenter bündeln. Wenn  Zeitfenster, Routen und Kapazitäten besser zusammenspielen, wird Fahrzeuglogistik effizienter und  transparenter. 

Wo hört bei euch Software auf und wo beginnt Logistik? 
Für uns gehören Software und operative Logistik zusammen. Die Software analysiert und strukturiert  Informationen und trifft innerhalb eines definierten Rahmens eigenständig Entscheidungen. Damit  übernimmt sie auch operative Routinen im Prozess. Wiederkehrende Abläufe laufen automatisiert,  während unser Team dort eingreift, wo Erfahrung oder eine individuelle Entscheidung notwendig sind  – etwa bei kurzfristigen Änderungen oder komplexeren Ausnahmen, die das System oder die KI noch nicht selbstständig lösen können. So bleibt der Regelprozess hoch automatisiert, während Ausnahmen gezielt bearbeitet werden.

Was hat dich persönlich an diesem Markt gereizt? 
Ich komme seit vielen Jahren aus dem Automotive-Umfeld. Ich war lange direkt für Fahrzeughersteller und deren Zulieferer tätig und habe dort unterschiedliche Aufgaben und Projekte begleitet. Dabei  wurde mir immer wieder klar, wie viel Zeit durch Abstimmungen und manuelle Prozesse verloren  geht. Für mich war deshalb früh klar: Logistik und Tech dürfen nicht getrennt gedacht werden.  Technologie muss die operative Realität abbilden, Prozesse vereinfachen und sinnvoll automatisieren. 

Was war beim Aufbau von carmovia besonders anspruchsvoll? 
Die Vielzahl unterschiedlicher Anforderungen in ein skalierbares Produkt zu bringen.  Fahrzeugtransport klingt einfach: Abholung, Transport, Zustellung. In der Realität unterscheiden sich  Kundenstrukturen, Transportarten, Zeitfenster und Partnernetzwerke erheblich. Die Herausforderung  ist, Standards zu schaffen, ohne Flexibilität zu verlieren. Deshalb arbeiten wir mit standardisierten  Kernprozessen und flexiblen Modulen. 

Was bedeutet Startup für dich persönlich? 
Für mich bedeutet Startup, nah am Markt zu bleiben, Dinge schnell weiterzuentwickeln und  gemeinsam Lösungen zu schaffen, die echten Mehrwert bringen. Der Austausch mit Kunden und dem Team hilft uns, Veränderungen früh zu erkennen und schnell darauf zu reagieren. Diese Nähe und  Geschwindigkeit machen für mich den Startup-Gedanken aus. 

Wo kommen AI Agents ins Spiel? 
Die dafür notwendige Datenbasis haben wir bereits. Unsere Prozesse laufen digital und relevante  Informationen liegen strukturiert vor. Darauf können AI Agents aufsetzen: Aufträge analysieren,  fehlende Informationen erkennen, Prioritäten ableiten oder unseren Disponenten nächste Schritte  vorbereiten. Perspektivisch können sie Kapazitäten und Transportbedarfe intelligenter  zusammenbringen. Das System übernimmt Routine und Vorbereitung, der Mensch die Ausnahmen  und Entscheidungen, bei denen Erfahrung gefragt ist. 

Wo soll carmovia in ein paar Jahren stehen? 
Unsere Vision ist, Fahrzeuglogistik von reaktiver Koordination zu vorausschauender Steuerung zu  entwickeln. Daten, Partner und Kapazitäten sollen so zusammenspielen, dass Engpässe früher  sichtbar, Transporte sinnvoll gebündelt und Entscheidungen besser vorbereitet werden. carmovia soll  dafür europaweit die Infrastruktur schaffen – mit weniger manueller Abstimmung, besserer  Auslastung und einem für Kunden immer einfacheren Prozess.

Foto (oben): carmovia