„Hardware-Entwicklung ist brutal ehrlich“
Von Alexander
Dienstag, 11. August 2026

„Hardware-Entwicklung ist brutal ehrlich“

Reverion möchte die Energieerzeugung mit modularen Brennstoffzellen-Kraftwerken effizienter machen. Im Interview spricht Gründer Felix Fischer über die Serienfertigung, die Skalierung des Unternehmens und die Zukunft eines flexibleren Stromnetzes.

Das junge Unternehmen Reverion, 2022 von Stephan Herrmann, Felix Fischer, Jeremias Weinrich, Maximilian Hauck und Luis Poblotzki in Eresing gegründet, baut modulare Kleinkraftwerke aus Hochtemperaturbrennstoffzellen.

Energy Impact Partners (EIP), Honda, European Innovation Council Fund (EIC Fund), Extantia Capital, UVC Partners, Green Generation Fund, Doral Energy-Tech Ventures und Possible Ventures investierten zuletzt 62 Millionen US-Dollar (Series A) in das Unternehmen, das rund 200 Mitarbeitende beschäftigt.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Felix Fischer einmal ausführlich über den Stand der Dinge in seinem Unternehmen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Reverion erklären? 
Stell dir eine Biogasanlage auf einem Bauernhof vor. Bisher läuft dort ein großer Motor, der Gas verbrennt und so Strom erzeugt und das ineffizient, mit einem elektrischen Wirkungsgrad von 40 %. Wir ersetzen diesen Motor durch eine klügere Technologie, ein Brennstoffzellenkraftwerk, das doppelt so viel Strom aus demselben Gas herausholt, mit einem elektrischen Wirkungsgrad von bis zu 80 %. Und wenn gerade zu viel Strom im Netz ist, kann unsere Anlage den überschüssigen Strom auch wieder in Gas umwandeln und speichern. Ein Kraftwerk, das in beide Richtungen arbeitet. Das ist super für ein stabiles Energienetz. 

War dies von Anfang an Euer Konzept? 
Das Grundprinzip, eine reversible Hochtemperatur-Brennstoffzelle zu bauen, war von Anfang an die Mission. Wir sind mit einem starken wissenschaftlichen Hintergrund gestartet. Schnell haben wir aber erkannt, dass wir hier eine Technologie geschaffen haben, die echten Kundennutzen liefert, und dass es einen Bedarf dafür im Energiesektor gibt. Ziel war es dann, unsere Innovation in ein skalierbares Produkt zu verwandeln. Die überwältigende Nachfrage aus dem Biogasbereich hat uns früh klar gemacht, wo wir zuerst angreifen müssen. 

Wie hat sich Reverion seit der Gründung entwickelt? 
Wir sind heute gut 200 Mitarbeitende am Standort Eresing bei München. Wir haben die Serienfertigung gestartet, bald acht Anlagen bei Kundenstandorten im Einsatz und einen signifikanten Order Backlog. Das Gewerbegebiet in Eresing ist inzwischen nahezu voll erschlossen, weshalb wir aktiv einen zweiten Produktionsstandort suchen, der unseren Output verzehnfachen soll. 

Zuletzt konntet Ihr 62 Millionen einsammeln. Wofür braucht Ihr so viel Geld?
Kurz gesagt: Serienfertigung und Skalierung. Die Nachfrage ist da, wir kommen mit der Produktion nicht hinterher. Das Kapital fließt in den Aufbau unserer Fertigungskapazitäten, damit wir die über 100 Millionen Dollar an Vorbestellungen auch tatsächlich ausliefern können. Hardware zu skalieren ist kapitalintensiv, aber wir haben mit Energy Impact Partners, Extantia, Honda und dem European Innovation Council genau die Investoren an Bord, die wissen, wie das geht. 

Blicke bitte einmal zurück: Was ist seit der Gründung so richtig schief gegangen?
Hardware-Entwicklung ist brutal ehrlich. Jeder Prototyp zeigt dir, was du noch nicht weißt. Wir haben Iterationszyklen benötigt. Der Aufwand, eine komplett neue Technologie und die zugehörige Serienproduktion industriell zu skalieren, ist hoch und bedarf vieler qualifizierter Fachkräfte, nach denen wir weiter permanent suchen, sowie internes Know-How, um die Iterationen schnellstmöglich umsetzen zu können. Jeder kleinere oder größere Rückschlag hat uns aber robuster gemacht und unser technologisches Fundament gestärkt. 

Wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht? 
Wir haben früh auf echte Kundennähe gesetzt statt auf reine Technologieentwicklung im Labor. Unsere erste Anlage stand schnell auf einer richtigen Biogasanlage, nicht im Showroom. Das hat uns enorm wertvolle Erkenntnisse gebracht und uns gezwungen, ein Produkt zu bauen, das wirklich funktioniert. Und wir haben die richtigen Investoren gewählt: Leute, die Hardware-Startups verstehen und ihren Fokus auf nachhaltige Innovationen setzen, die unser Energienetz resilienter und damit zukunftsfähig machen können. 

Wo steht Reverion in einem Jahr? 
Wir werden signifikant mehr Anlagen ausliefern als heute, die Serienfertigung wird auf Hochtouren laufen und wir werden die Entscheidung für unseren zweiten Produktionsstandort getroffen haben. Der Grundstein für eine Produktion im dreistelligen Megawatt-Bereich wird gelegt sein. 

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Foto (oben): Reverion