
„Kein Investor sucht nach Perfektion“
Der Essener Frühphasen-Investor Cusp Capital investiert seit 2021 in junge und aufstrebende Software- und Tech-Firmen. Zu den neuesten Investments des Kapitalgebers (Fonds: 300 Millionen), der initial bis zu 10 Millionen investiert, hierzulande gehören Delta Labs, CertHub und leadity.
Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Cusp-General Partner Jan Sessenhausen einmal ausführlich über die aktuelle Investmentsituation in Deutschland.
Wie würdest Du Deiner Großmutter Cusp Capital erklären?
Stell Dir vor, jemand hätte Dir vor 20 Jahren erzählt, dass man sich mit einer Künstlichen Intelligenz unterhalten kann, Raketen ins All schießt, die danach wieder auf der Erde landen, Taxis per Handy bestellt oder seine Bank immer in der Hosentasche dabeihat. Hinter all diesen Dingen standen am Anfang junge Unternehmen, die etwas ausprobiert haben, von dem damals kaum jemand glaubte, dass es funktioniert. Unsere Aufgabe ist es, genau solche Unternehmen früh zu finden und zu unterstützen, lange bevor das, woran sie arbeiten, für alle selbstverständlich wird.
Wie bewertest Du die aktuelle Investmentsituation in Deutschland?
Ehrlich gesagt finde ich die aktuelle Marktlage immer zweitrangig. Das Finanzierungsklima dreht sich, mal ist mehr Kapital im Markt, mal weniger, und wer darauf seine Entscheidungen aufbaut, schaut auf das Falsche, und relevant ist eh immer nur das einzelne Unternehmen. Spannender ist für mich, was gerade entsteht: In Deutschland und Europa arbeiten wieder mehr Unternehmen an den wirklich schwierigen technischen Problemen und Konzepten mit großem Potenzial. Diese Substanz ist das eigentliche Signal, und sie stimmt mich für die nächsten Jahre sehr zuversichtlich, ziemlich unabhängig davon, wie das Klima im einzelnen Quartal gerade aussieht.
Mit welchen Erwartungen blickst Du auf die kommenden Monate?
Die Geschwindigkeit technologischer Innovation ist aktuell rasant. Besonders spannend finde ich die Frage, wie AI-Technologien in reale Wertschöpfung übersetzt werden und welche neuen Unternehmen daraus entstehen. Für Gründerinnen und Gründer und uns als Investor eröffnet das aktuell außergewöhnlich viele Möglichkeiten.
Was rätst Du Gründer:innen, die derzeit auf Kapitalsuche sind?
Viele Gründer unterschätzen, wie stark Investoren auf Lernkurven achten. Kein Investor sucht nach Perfektion. Spannend wird es, wenn ein Team zeigen kann, wie schnell es Hypothesen testet, Entscheidungen trifft und daraus besser wird. Diese Fähigkeit ist oft aussagekräftiger als eine einzelne Kennzahl. Und grundsätzlich: Sprecht uns an!
Welche Startups begeistern Dich derzeit ganz besonders?
Mein persönlicher Fokus liegt weniger auf Anwendungen, sondern das, was darunter liegt: die Infrastruktur, auf der AI überhaupt läuft. Die neuen Workloads stellen ganz andere Anforderungen an Rechenleistung, Daten und Energie, und sie machen zugleich sichtbar, wie ineffizient vieles in der bestehenden Infrastruktur noch ist. Spannend finde ich Unternehmen, die genau an diesen Engpässen ansetzen. Daraus entstehen gerade komplett neue Kategorien, die langfristig prägend werden.
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