
„Wir sehen ganz starken Dealflow“
Der 2022 gegründete Münchner Frühphaseninvestor Vanagon Ventures, hinter dem Axel Roitzsch, Susanne Fromm und Sandro Stark stecken, verkündete zuletzt das Final Closing seines ersten Fonds (20 Millionen Euro).
Vanagon Ventures investiert in „B2B-Startups, die grundlegende systemische Herausforderungen adressieren und durch Künstliche Intelligenz und DeepTech neue Geschäftsmodelle und Märkte schaffen“. Initial investiert das Team bis zu 500.000 Euro.
Zuletzt investierten die Bajuwaren in aufstrebende Startups wie deeplify, Neuramancer und ewigbyte. Insgesamt peilt das Team 30 Investments an.
Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Vanagon-General Partner Axel Roitzsch einmal ausführlich über die aktuelle Investmentsituation in Deutschland.
Wie würdest Du Deiner Großmutter Vanagon Ventures erklären?
Liebe Oma, erinnere dich daran, wie du in den 80ern unterwegs gewesen bist und jemand sagte: „Dieser Computer-Kram wird nie was.“ Genau das ist Europa passiert und so hat es den Internet-Boom verschlafen. Jetzt kommt die nächste Welle, DeepTech, und diesmal wollen wir vorne dabei sein. Bis 2030 winkt eine Billion Euro an Wert, den clevere Technologien schaffen können. Wir investieren in Gründer mit echter Industrie- und Wissenschaftserfahrung, die große Probleme lösen: Wasser sparen, Materialien schneller entwickeln, Daten für Jahrtausende sichern. Also Kram, der die Welt wirklich verändert. Dabei steigen wir ganz früh ein, bspw. kurz nach Gründung, mit bis zu 500.000 Euro als erster Investor. Wir helfen den jungen Unternehmen dann aktiv beim Wachsen und freuen uns, wenn wir unseren Enkeln davon erzählen können.
Wie bewertest Du die aktuelle Investmentsituation in Deutschland?
DeepTech ist in aller Munde und trotzdem bleiben viele generalistische VCs zurückhaltend. Längere Entwicklungszyklen passen schlecht in klassische Return-Modelle, und spätestens ab Seed wird planbare Umsatzentwicklung zum entscheidenden Maßstab. Technologischer Fortschritt, der sich – noch – nicht direkt in Zahlen niederschlägt, wird selten als echter Value Driver anerkannt – dabei ist genau das der Kern dessen, auf was es teilweise ankommt Auf der anderen Seite beobachten wir eine wachsende, bislang unterschätzte Nachfrage: Corporates und mittelständische, inhabergeführte Unternehmen suchen aktiv nach Technologien, die sie unabhängiger machen und ihren eigenen Techstack zukunftsfähig halten. Diese Investitionsbereitschaft ist real, sie läuft nur noch etwas unter dem Radar.
Mit welchen Erwartungen blickst Du auf die kommenden Monate?
Wir sehen ganz starken Dealflow in allen für unseren Fund relevanten Bereichen, Advanced Manufacturing, Future Materials, Geospatial Intelligence, Artificial Intelligence, Next-Gen Computing und investieren dementsprechend aktiv. In ersten Quartal 2026 gehörten wir zu den 15 most active VCs in Deutschland, diesen pace wollen wir für den Rest des Jahres beibehalten. Auch freuen wir uns, dass es gerade in den letzten Wochen wieder einige große Exits gab und auch IPOs angekündigt werden. Die Dynamik ist wieder da und es ergeben sich wunderbare Chancen.
Was rätst Du Gründer:innen, die derzeit auf Kapitalsuche sind?
Definiert frühzeitig, in welcher „Währung“ ihr eure Traction messen wollt. Umsatz ist eine Möglichkeit, aber bei weitem nicht die einzige. Production Output, Design Customers oder andere belastbare Signale können in frühen Phasen genauso aussagekräftig sein. Entscheidend ist, dass ihr Fortschritt messbar macht. Und: Sucht euch Kunden, die bereit sind, das Produkt gemeinsam mit euch zu entwickeln, sie sind oft wertvoller als zehn passive Käufer.
Welche Startups begeistern Dich derzeit ganz besonders?
Teams, die sich neue technologische Möglichkeiten zunutze machen, um Probleme zu lösen, die bisher strukturell nicht adressierbar waren, geführt von technischen Gründern mit einem ausgeprägten kommerziellen Gespür. Den Weg zur Skalierung ebnen sie sich durch Datensouveränität und starke Distribution quasi wie selbstverständlich. Wir sind sehr stolz auf unser Portfolio, in dem die Teams sich die notwendige Denkweise enorm schnell zu eigen gemacht haben. Die Lernkurve bei Startups, aber auch Investoren, ist derzeit steil wie nie.
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