„Unser Ziel ist es, Eltern mehr Orientierung zu geben“
Von Alexander
Dienstag, 17. Februar 2026

„Unser Ziel ist es, Eltern mehr Orientierung zu geben“

Die Jungfirma tio health möchte junge Eltern im Alltag begleiten. "In einem Jahr wollen wir tio als festen digitalen Begleiter für viele Familien etabliert haben - mit klarer Nutzung, hoher Bindung und messbarer Entlastung im Alltag von Eltern", sagt Gründer Raphael Heber.

Das Berliner Startup tio health, 2025 von Raphael Heber und Johannes Schott gegründet, richtet sich an junge Eltern. „Wenn ein Kind krank ist oder etwas ungewöhnlich wirkt, wissen viele Eltern nicht, ob sie zum Arzt müssen. Unsere App hilft, die Situation besser einzuschätzen“, sagt Gründer Heber.

Im Interview mit deutsche-startups.de stellt der tio health-Macher sein Startup einmal ganz ausführlich vor.

Wie würdest Du Deiner Großmutter tio health erklären?
Wir helfen Eltern, ruhig zu bleiben, wenn sie sich Sorgen um ihr Kind machen. Wenn ein Kind krank ist oder etwas ungewöhnlich wirkt, wissen viele Eltern nicht, ob sie zum Arzt müssen oder abwarten können. Unsere App erklärt das verständlich und hilft, die Situation besser einzuschätzen – damit Eltern sich sicherer fühlen und besser vorbereitet zum medizinischen Fachpersonal gehen können.

Wie genau funktioniert Euer Geschäftsmodell?
Wir starten consumer-first mit einer App für Eltern (Abo-Modell). Langfristig zielen wir auf Partnerschaften im Gesundheitswesen, etwa mit Krankenkassen oder im Präventionskontext. Grundlage dafür sind Reichweite, Nutzung und der Nachweis, dass wir Unsicherheit reduzieren und Versorgung entlasten können.

Wie ist die Idee zu tio health entstanden?
Die Idee entstand aus einer Kombination aus persönlicher Erfahrung und systemischer Beobachtung. Als Eltern haben wir erlebt, wie viel Unsicherheit im Alltag entsteht – und wie oft diese Unsicherheit zu Arztbesuchen führt, die medizinisch nicht dringend sind. Gleichzeitig sehen wir, wie stark kinderärztliche Praxen und insbesondere Spezialambulanzen belastet sind. Unser Ziel ist es, Eltern mehr Orientierung zu geben: Welche Situationen lassen sich zunächst einordnen, worauf sollte man achten – und wann ist es wichtig, schnell weiterzugehen. Wenn Eltern besser informiert in das Gespräch mit medizinischem Fachpersonal gehen, können relevante Fälle schneller erkannt und ohne Verzögerung an Spezialist:innen oder SPZs weitergeleitet werden. Gleichzeitig hilft tio dabei, Wartezeiten zu überbrücken – etwa bis zu einem Facharzt- oder SPZ-Termin – indem Eltern ihre Beobachtungen strukturiert festhalten und einordnen können. So entlasten wir das System und schaffen mehr Zeit für die Fälle, die wirklich dringend sind.

Wie oder wo hast Du Deinen Mitgründer kennengelernt?
Johannes und ich kennen uns aus unserem vorherigen Job bei einem belgischen Startup (Scone). Wir haben beide einige Jahre an digitalen Gesundheitsprodukten gearbeitet und festgestellt, dass wir dieselbe Lücke sehen – und dieselbe Haltung teilen: ruhig, evidenzbasiert, nutzerzentriert.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Die richtige Balance zwischen medizinischer Verantwortung und Alltagstauglichkeit zu finden. Also: Orientierung geben, ohne Diagnosen zu stellen oder Alarmismus zu erzeugen. Dazu kommen natürlich die klassischen Early-Stage-Themen wie Fokus, Priorisierung und begrenzte Ressourcen.

Welches Projekt steht demnächst ganz oben auf Eurer Agenda?
Aktuell stehen zwei Themen ganz oben auf unserer Agenda: Zum einen befinden wir uns mitten im Fundraising unserer Seed-Runde und führen Gespräche mit Angel-Investor:innen, die Erfahrung im Gesundheits- und Präventionsumfeld mitbringen. Parallel arbeiten wir an einem Stress-Präventionskurs für Eltern. Dieser soll es uns perspektivisch ermöglichen, die App für viele Familien kostenlos oder stark vergünstigt anzubieten – etwa über Präventions- oder Partnerprogramme. Damit verbinden wir Reichweite, Wirkung und ein nachhaltiges Geschäftsmodell.

Wo steht tio health in einem Jahr?
In einem Jahr wollen wir tio als festen digitalen Begleiter für viele Familien etabliert haben – mit klarer Nutzung, hoher Bindung und messbarer Entlastung im Alltag von Eltern. Unser Ziel ist es, dass tio nicht nur als App wahrgenommen wird, sondern als verlässliche Orientierung zwischen Arztterminen. Gleichzeitig möchten wir erste belastbare Nachweise dafür liefern, dass unser Ansatz unnötige Arztbesuche reduziert und relevante Fälle schneller zu den richtigen Anlaufstellen führt. Damit sehen wir tio als einen Baustein eines effizienteren, präventiveren Gesundheitssystems – und als Grundlage für langfristige Partnerschaften im Gesundheitswesen.

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Foto (oben): tio health