VC-Interview “Geld ist ein unverzichtbarer Rohstoff”

"Um Investments zu verantworten und sich damit im Job persönlich wohl zu fühlen, müssen die speziellen technischen, marktgemäßen und teamrelevanten Gegebenheiten jedes Unternehmens immer erstmal sorgfältig gecheckt werden", sagt Roman Huber, Geschäftsführer Bayern Kapital.
“Geld ist ein unverzichtbarer Rohstoff”

Der Landshuter Geldgeber Bayern Kapital, ein Ableger der LfA Förderbank Bayern, investiert seit 1995 (bisher rund 266 Millionen) in junge Ideen. “Zielgruppe sind technologiebasierte Start- und Scale-ups, die wiederum in unseren Fonds langfristig orientierte, erfahrene und verlässliche Partner mit tiefen Taschen finden – bis zu 8 Millionen Euro”, sagt Geschäftsführer Roman Huber. Im VC-Interview mit deutsche-startups.de spricht Huber über Entscheidungen, Unsicherheit und Erfahrung.

Reden wir über Geld. Was genau reizt Dich daran, Geld in Unternehmen zu investieren?
Geld ist ein unverzichtbarer Rohstoff, um innovative Ideen hochinteressanter Menschen zu realisieren. Auch nach mehr als drei Jahrzehnten im Geschäft ist es jeden Tag eine spannende Aufgabe, diese Menschen kennenzulernen, ihnen dabei zu helfen, die Welt an einer bestimmten Stelle zukunftsorientiert umzukrempeln, im Prozess mitzufiebern – und erfreulich oft auch mitzufeiern.

Wie wird man eigentlich Venture-Capital-Geber – wie bist Du Venture-Capital-Geber geworden?
Ich bin 1986 nach dem BWL-Studium bei der LfA Förderbank Bayern im damals gerade neu gegründeten Bereich Innovationsfinanzierung gelandet, traf dort auf einen technologiebegeisterten Chef, der dann selbst noch Ingenieurwesen studierte, und fand dieses Umfeld super. Ich wollte dann auch nichts anderes mehr machen, zumal das Beteiligungsgeschäft stark wuchs.

In der VC-Welt wird oftmals mit Millionenbeträgen hantiert, wird Dir da nicht manchmal mulmig zumute – bei diesen Summen?
Das VC-Geschäft erfordert ständig Entscheidungen unter hoher Unsicherheit – das muss man aushalten können und wollen. Um solche Investments zu verantworten und sich damit im Job persönlich wohl zu fühlen, müssen die speziellen technischen, marktgemäßen und teamrelevanten Gegebenheiten jedes Unternehmens immer erstmal sorgfältig gecheckt werden. Erst dann wird mit der eigenen und im Team vorhandenen Erfahrung abgewogen, ob den Risiken plausibel so hohe Chancen gegenüber stehen, dass die Kapitalallokation nach den Usancen des VC-Markts gerechtfertigt ist.

Was sollte jeder Gründer über Euch – als VC – wissen – wie etwa grenzt Ihr Euch von anderen Investoren ab?
Wir sind bei Bayern Kapital mit staatlichem Geld unterwegs, weswegen ein paar spezielle Regeln für die Mittelinvestition gelten – zum Beispiel nur Co-Investments und Fokus auf Bayern. Zielgruppe sind technologiebasierte Start- und Scale-ups, die wiederum in unseren Fonds langfristig orientierte, erfahrene und verlässliche Partner mit tiefen Taschen finden – bis zu 8 Millionen Euro.

Welche Unterstützung bietet Ihr – neben Geld?
Wir haben ein großes Netzwerk zu Finanzpartnern im In- und zunehmend auch Ausland sowie zu unternehmerisch erfahrenen Experten, die dem Gründerteam im konkreten Fall weiterhelfen können. Wir selbst werden im Management nicht aktiv.

Wie organisiert Ihr den Austausch mit Euren Portfolio-Firmen, welche Tools nutzt Ihr?
Primär reden wir miteinander, treffen uns regelmäßig bzw. bedarfsorientiert häufig und halten Vereinbarungen in geeigneter Form klar fest. Moderne Kommunikationsmittel sind natürlich im Einsatz.

Was ist wichtiger: Das Team oder die Idee?
Letztlich das Team, denn wir wollen gute Teams, und solche beschäftigen sich nicht mit unattraktiven Ideen.

Wie sieht das ideale Gründerteam aus bzw. gibt es überhaupt das ideale Gründerteam?
Meines Erachtens gibt es „das“ Team angesichts der unendlich vielen möglichen Geschäftskonstellationen nicht, wohl aber wichtige Kriterien: Komplementäre, in der Aufgabenverteilung genutzte Kompetenzen inkl. praktischer Erfahrung, 100%iges persönliches Commitment für das Projekt und persönliche Zuverlässigkeit des Managements.

Nicht jedes Start-up läuft rund, nicht jedes wird ein Erfolg. Was macht Ihr, wenn eine Eurer Beteiligungen in Schieflage gerät?
Zu allererst ist immer das Gründerteam gefragt, wie die Situation bewältigt werden soll und kann. Qualifiziertes Projektmanagement sollte frühzeitig aufkommende Probleme anzeigen und Zeit für Gegenmaßnahmen bereithalten. Wir können zum Beispiel durch externe Experten helfen. Wenn so ein neues, wieder aussichtsreiches Konzept entsteht, haben wir in vielen Fällen gemeinsam mit den anderen Investoren neue Mittel bereitgestellt, um die weiterhin wahrgenommenen Chancen zu nutzen.

Und woran merkt Ihr, dass Ihr bei einem Start-up die endgültige Reißleine ziehen müsst?
Meistens resultiert diese Entscheidung aus der Bewertung der Gesamtlage, also aus mehreren Einflussfaktoren. Ein möglicher Einzelfaktor wäre der begründete, tiefgehende Vertrauensverlust ins (Gründer-)Team.

Wie spricht man als Gründer am besten einen Investor an?
Im Rahmen der zahlreichen Netzwerkveranstaltungen in Bayern ist es relativ leicht, erste Gespräche mit uns bzw. den dort anwesenden Investoren zu führen. Viele kommen auf oder mit Empfehlung von BayStartUP, dem zentralen Netzwerkmanager für innovative Start-ups in Bayern, zu uns oder anderen, jeweils geeignet erscheinenden VCs.

Was sollten Gründer vor Investoren niemals sagen oder machen?
Die Unwahrheit.

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Foto (oben): Bayern Kapital

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.