#FemaleFounders “Alle sagten: Das geht nicht. Einer hat es einfach gemacht”

"Bei einer Gründung kommen unzählige Hürden auf einen zu, man darf keine Angst haben Fehler zu machen, muss Niederlagen schnell abschütteln können und lösungsorientiert handeln", sagt Linda Wonneberger, Gründerin von LindaBra.
“Alle sagten: Das geht nicht. Einer hat es einfach gemacht”

Im vergangenen Jahr gründete die Berliner Linda Wonneberger,die zuvor im Marketing und Vertrieb unterwegs war, das Startup LindaBra, ein Unternehmen rund um Unterwäsche. “Die Idee brodelte schon lange in mir, denn mit einer BH-Größe von 70F suchte ich vergebens seit über 10 Jahren nach einem bequemen, sexy BH, den ich am Ende eines Tages nicht sofort ausziehen und in die Ecke werfen will”, sagt Wonneberger.

Als Seed-Investor konnte die junge Gründerin bereits Björn Jopen gewinnen. “Wir haben bei meinem letzten Job im Vertrieb zusammengearbeitet und ich konnte ihn davon überzeugen, dass ich mit meinem Vertriebsfokus das Produkt erfolgreich verkaufen werde”, erzählt Wonneberger.

Derzeit blickt sie sehr optimistisch in die Zukunft: “Das erste schwierige Jahr der Produktentwicklung, ohne Einkünfte, haben wir bereits gemeistert und befinden uns jetzt in der Markteinführung”. Im Interview mit deutsche-startups.de erklärt Wonneberger das Konzept hinter LindaBra einmal ganz genau.

Welches Problem wollt Ihr mit LindaBra lösen?
Am Markt gibt es für größere Oberweiten so gut wie keinen bequemen BH, welcher Halt gibt und trotzdem sexy aussieht. Vergangenes Jahr, auf der Unterwäsche-Messe Interfiliere in Paris, fragte ich dutzende Anbieter persönlich nach einem bequemen, möglichst bügellosen BH, der noch toll aussieht. Die Antwort war jedes Mal, so etwas gäbe es nicht, dass wäre ja eine eierlegende Wollmilchsau. Diese Herausforderung haben wir als Comfexy GmbH mit der Entwicklung des LindaBras angenommen.

Jede Woche entstehen dutzende neue Start-ups, warum wird ausgerechnet LindaBra ein Erfolg?
Wir entwickelten den LindaBra aus dem Bedarf heraus. Das erste schwierige Jahr der Produktentwicklung, ohne Einkünfte, haben wir bereits gemeistert und befinden uns jetzt in der Markteinführung des LindaBras. Das erste Feedback von Experten aus der Dessous-Branche war überragend positiv. Für die technischen Neuentwicklungen des LindaBras haben wir bereits ein Patent angemeldet.

Bei welcher Gelegenheit kam Dir die Idee zu LindaBra?
In Berlin arbeitete ich für ein spannendes Startup und war verantwortlich für Onlinemarketing-Kampagnen sowie Kundenakquise mit eigenen Präsentationen auf internationalen Tagungen. Da ich auch in einem selbstständigen Umfeld aufgewachsen bin, entstand frühzeitig der Wunsch ein eigenes Unternehmen zu gründen. Die Idee brodelte schon lange in mir, denn mit einer BH-Größe von 70F suchte ich vergebens seit über 10 Jahren nach einem bequemen, sexy BH, den ich am Ende eines Tages nicht sofort ausziehen und in die Ecke werfen will. Die Gelegenheit kam durch mehrere Gespräche mit meinem späteren Seedinvestors, welcher bereits in über 10 Startups investiert hatte.

Hat sich das LindaBra-Konzept seit dem ersten Gedankenblitz verändert?
Der LindaBra hat sich in mehr als 20 Prototypenschritten entwickelt. Die Hauptanforderungen, dass der BH ohne stechende Metallbügel und einschneidende Träger bequem sein soll und trotzdem ein tolles Dekolleté zaubert und dies völlig ohne Polstereinlagen, haben nach wie vor Bestand.

Was hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?
Ich habe unterschätzt was eine Produktentwicklung und das produzierende Gewerbe für Herausforderungen mit sich bringt. Aber ich bin froh, dass ich nicht gewusst habe was alles auf mich zukommt. “Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht.”

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?
Eine Produktentwicklung muss vorfinanziert werden. Die Hürde, Investoren von der Idee des LindaBras zu überzeugen, haben wir durch unsere Startfinanzierung gemeistert.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Ich habe manchmal zu lange an Entwicklungsstufen festgehalten, auch wenn ich schon gespürt habe, dass es so nicht funktionieren wird. Nur weil ich schon viel Geld, Energie und Zeit investiert habe, fiel mir das Loslassen, um einen anderen Weg zu suchen, manchmal schwer. Das war Lehrgeld und ich komme jetzt schneller zu Entscheidungen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründerinnen und Gründer?
Besonders am Anfang meiner Gründung hatte ich das Gefühl, es ginge ständig zwei Schritte voran und einen zurück. Bei einer Gründung und dem Aufbau eines Unternehmens kommen unzählige Hürden auf einen zu, man darf keine Angst haben Fehler zu machen, muss Niederlagen schnell abschütteln können und lösungsorientiert handeln. Solange du reichlich Begeisterung für deine Idee, dein Produkt oder deine Dienstleistung besitzt, hast du auch die notwendige Energie und das Durchhaltevermögen alle Aufgaben, die eine Gründung mit sich bringen, zu meistern.

Welche Tools, welche Apps, welche Software erleichtern Dir den Arbeitsalltag?
Für Kampagnen- und Nutzerverhaltens-Analysen arbeiten wir mit dem Tool hotjar, welches geniale Heatmaps produziert, bei der man das Nutzer- und Klickverhalten auf unserer Webseite optimal auswerten kann. Für einfache graphische Gestaltungen nutzen wir die App Canva. Für die Logistik arbeiten wir mit dem österreichischen Startup Byrd, welches einfache Tools für das Versenden von Artikeln anbietet.

Wo steht LindaBra in einem Jahr?
Wir feiern in einem Jahr unseren 13.333 verkauften LindaBra, was einen Umsatz von circa 1 Mio Euro bedeutet. Unsere weiteren geplanten Modelle des LindaBras sowie passende Slips sind nach der Markteinführung bereits erfolgreich.

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Foto (oben): LindaBra

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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