Björn Goß im Interview “Mit 10 Millionen Usern sind wir auf dem besten Weg”

"Australien war für uns schon früh ein vielversprechender Markt, weil dort Kundenbindungsprogramme total beliebt sind und Mobile Phones schon früh weit verbreitet waren – typisch angelsächsisch. Zudem ist der australische Handel innovationsfreudig", sagt stocard-Mitgründer Goß.
“Mit 10 Millionen Usern sind wir auf dem besten Weg”

Seit dem Einstieg von Shortcut Ventures, DHDL-Juror Carsten Maschmeyer und dem Fotoservice CEWE steht stocard, ein stiller, aber erfolgreicher App-Platzhirsch, bundesweit im Mittelpunkt. Bereits 2011 gründeten David Handlos, Björn Goß und Florian Barth (alle Absolventen der Universität Mannheim) das Unternehmen, welches alle Plastikkarten aus dem Geldbeutel verbannen will.

Das Konzept ging auf: Mehrere Millionen Nutzer haben sich die App bereits angesehen uns installiert – weltweit. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht stocard-Mitgründer Goß über Plastikkarten, Mobile Wallets und geballte Unternehmer-Erfahrung.

2012 haben wir das erste Mal über stocard berichtet. In unserem damaligen Artikel heißt es: Drei Mannheimer Studenten wollen mit ihrer App stocard alle Plastikkarten aus dem Geldbeutel verbannen. Haben Sie dies bereits geschafft?
Mit knapp 10 Millionen Usern weltweit sind wir auf jeden Fall auf dem besten Weg dahin. Wir sind schon jetzt das führende Mobile Wallet im Loyalty-Bereich und unsere Nutzer finden dank unserer vielen Partnerhändler nahezu jede Kundenkarte in der App.

Wie genau funktioniert das Konzept – ist stocard nur eine Kundenkarte, die ohne Plastikkarte auskommt?
In erster Linie eliminieren wir mit Stocard Millionen von Plastikkarten aus der Geldbörse und machen Kundenbindung fit für das 21. Jahrhundert. Nutzer fügen einfach alle ihre Kundenkarten zu Stocard hinzu und können so in jedem Laden ihre Rabatte sammeln – ohne den ganzen Plastikballast. Die App kann aber viel mehr sein als nur eine digitale Kundenkarte: Sie begleitet den Mobile Shopper beim Einkauf, erinnert ihn in der Nähe seiner Lieblingshändler an Angebote und Treueprogramme und hält ihn über seinen aktuellen Punktestand auf dem Laufenden. Bei einigen Partnerhändlern ist es auch schon möglich, die Kundenkarte über Stocard zu beantragen und so gar nicht erst den Umweg über die Plastikkarte machen zu müssen. Wir glauben, dass sich ein erfolgreicher Mobile Wallet um das komplette Einkaufserlebnis drehen muss und nicht nur um das Bezahlen.

Wie platziert man ein Thema wie eine digitale Kundenkarte weltweit?
Die Beliebtheit von Kundenbindungsprogrammen oder der Erfolg des Smartphones sind keine deutschen Phänomene, sondern finden sich auch international wieder – sogar oft in viel stärkerem Ausmaß. Allein in den USA gibt über 3,5 Milliarden Kundenbindungsprogramm-Mitgliedschaften, Tendenz stark steigend. Tatsächlich gibt es aber weltweit nur wenige Mobile Wallets, die wirklich die Bedürfnisse einerseits von Händlern und gleichzeitig von Nutzern verstanden haben und mit ihrem digitalen Produkt abdecken. Durch unseren Ansatz “Wachstum durch bestmögliches Produkt und Userfokus” müssen wir nicht in jedem Land Unmengen an Marketingbudget in die Hand nehmen, weil wir hauptsächlich in eine herausragende App investieren und der Bedarf nach einer userfreundlichen, zeitgemäßen Lösung überall da ist. Das ist zwar harte Arbeit, führt aber dazu, dass der Erfolg auch international ohne sehr große Investments skaliert.

Mit Carsten Maschmeyer, Shortcut Ventures und CEWE haben Sie seit einigen Monaten einige bekannte Investoren an Bord. Wie sind Sie mit diesen Investoren in Kontakt gekommen?
Der Kontakt zu Carsten Maschmeyer bzw. Alstin kam über einen gemeinsamen Kontakt zustande. Das ist immer am einfachsten, weil dadurch ein Vertrauensvorschuss geliefert wird. Das nötige Vertrauen kann man sich aber auch selbst aufbauen. Mit Shortcut Ventures waren wir etwa ein Jahr lang in Kontakt, bis wir voneinander überzeugt waren.

Was genau hat Sie an Alstin, CEWE und Shortcut überzeugt?
Wir haben bei der Auswahl unserer Gesellschafter von Anfang an Wert darauf gelegt, dass es sowohl persönlich als auch fachlich passt. Mit Klaas Kersting, dem HTGF, engelhorn und CD Venture hatten wir bereits einen guten Mix an Expertise in den Bereichen Mobile, Unternehmertum und Retail und ein weitreichendes Netzwerk in Industrie und Handel an Bord. Diese Konstellation wollten wir mit der Erweiterung des Gesellschafterkreises weiter stärken. Mit Shortcut, Alstin und CEWE konnten wir geballte Unternehmer-Erfahrung hinzugewinnen und unser Netzwerk zu Entscheidern in Industrie und Handel ausbauen.

Seit Juli gibt es stocard auch in Australien. Warum sind Sie ausgerechnet nach Australien expandiert?
Die App selbst ist dort bereits seit Ende 2012 verfügbar und wird schon von einer Million Australiern genutzt. Australien war für uns schon früh ein vielversprechender Markt, weil dort Kundenbindungsprogramme total beliebt sind und Mobile Phones schon früh weit verbreitet waren – typisch angelsächsisch. Zudem ist der australische Handel innovationsfreudig und stärker auf neue Trends fokussiert als es beispielsweise in Deutschland der Fall ist. Dank der hohen Nutzerzahlen erreicht uns eine Vielzahl von Kooperationsanfragen, denen wir besser mit einem Office vor Ort gerecht werden können. Ähnlich ist es übrigens in Italien, wo wir seit Kurzem ebenfalls mit einem kleinen Stocard-Team vertreten sind.

Abseits von Deutschland wartet somit das große Geschäft für stocard. Aber wie genau verdienen Sie überhaupt Geld?
Für Nutzer ist und bleibt die App kostenlos. Händlern bieten wir die Möglichkeit ihre Kundenbindung ins mobile Zeitalter zu bringen und Stocard als Kommunikationskanal zu nutzen. Sie bezahlen zum Beispiel, um Kunden Informationen über aktuelle Angebote zugänglich zu machen und haben dabei die Möglichkeit, die neuesten Technologien unmittelbar zu nutzen. Auch wenn der Kunde u?ber Stocard eine Kundenkarte beantragt, muss der Ha?ndler bezahlen. Allerdings spart der Händler so auch anderweitig Kosten und generiert einen neuen Lead.

Wo steht stocard in einem Jahr?
Innerhalb des nächsten Jahres haben wir vor allem geplant, die Mobile Payment Funktion in die App zu integrieren. Unser Ziel ist es, unseren Kunden bald ein komplettes Mobile Wallet zu bieten. Außerdem möchten wir die Funktionalität der App rund um die Kundenbindung weiter ausbauen, so wird man etwa für viele Programme seine Punktestände detailliert einsehen können und von uns Tipps zum Einlösen erhalten. In einem Jahr sehe ich uns also nicht nur weiterhin als führendes Mobile Wallet im Loyalty-Bereich, sondern auch als einen der größten Mobile-Payment-Anbieter.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.