Anzeige Digitalisierung – eine Chance für die Deutsche Bahn?

Die Deutsche Bahn möchte sich im Rahmen ihrer Initiative „Infrastruktur 4.0.“ dieser Herausforderung stellen. In diesem Kontext setzt die DB u. a. auch auf die Zusammenarbeit mit Entwicklern, Startups und jungen Unternehmen und „open innovation“.
Digitalisierung – eine Chance für die Deutsche Bahn?

Startup Germany und die Deutsche Bahn suchen Konzepte für die Zukunft der DB Information, den „Informationsschalter“ an jedem Bahnhof in Deutschland. Bewerbungsfrist für erste Grobkonzepte ist der 6.12., es winken nicht nur die Referenz und Know-How, sondern auch 15.000 Euro Preisgeld! Jetzt weitere Informationen holen und mitmachen!

Industrie 4.0., Big Data, Internet of Things… das sind Begriffe für den vielleicht wichtigsten Trend, der derzeit auf die Unternehmen und die Menschen zukommt: die Digitalisierung. Die Deutsche Bahn möchte sich im Rahmen ihrer Initiative „Infrastruktur 4.0.“ dieser Herausforderung stellen. In diesem Kontext setzt die DB u. a. auch auf die Zusammenarbeit mit Entwicklern, Startups und jungen Unternehmen und „open innovation“. Dafür wurde neben einem Accelerator-Programm, einer Open-Data-Platform und Hackathons auch sog. Challenges ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Startup Germany sucht die Deutsche Bahn nun für die erste Challenge zukunftsorientierte Konzepte für die DB Information von morgen. Die DB Information:challenge strebt eine Neukonzeption der zentralen Anlaufstellen für Kundinnen und Kunden in über 80 Bahnhöfen bundesweit an. Ob Architektur, Design, digitale Services oder Prozessabläufe: In Zusammenarbeit mit der mindbox Berlin, dem Innovationslabor der DB, wird bewusst die Unterstützung von außen gesucht, um schnell und mit innovativen Impulsen den Weg in die Zukunft zu gehen.

Um tiefer in die Thematik „Digitalisierung“ abzutauchen, haben wir Prof. Dr.-Ing. Andreas Timm-Giel von der Technischen Universität in Hamburg* zum Interview gebeten. Er ist Experte für Kommunikationsnetze und Vizepräsident für Forschung an der TU HH.

Herr Prof. Dr.-Ing. Timm-Giel, stellen Sie sich bitte und Ihre Spezialisierung näher vor. Was ist der Schwerpunkt Ihrer Forschung?
Ich leite zum einen das Institut für Kommunikationsnetze an der TUHH. Die TUHH selbst fokussiert sich auf „Technik für den Menschen“, die insbesondere die Kompetenzfelder Green Technologies, Life Science Technologies und Aviation and Maritime Systems beinhaltet. Mein eigenes Forschungsfeld sind die Kommunikationsnetze, die die Digitalisierung unterstützen können. Wir beschäftigen uns hier mit der Weiterentwicklung von mobiler Kommunikation und Fahrzeugkommunikation, mit dem Internet of Things sowie der Netzplanung und dem Internet der Zukunft. Spannend in diesen Feldern sind u.a. auch die mögliche Anwendungen in gesellschaftlich wichtigen Themenfeldern, wie der Medizintechnik, dem Notfalleinsatz oder der Stadt der Zukunft.

Welche Chancen bzw. Potentiale bringt die Digitalisierung für Unternehmen wie die Deutsche Bahn und insbesondere für die Infrastruktur, also das Schienennetz, die Energieversorgung und die Bahnhöfe?
Die Digitalisierung kann eine sehr viel effizientere Nutzung der Infrastruktur und der Ressourcen ermöglichen. Durch Informationsaustausch kann auf der einen Seite eine sicherere Nutzung und höhere Auslastung der Schieneninfrastruktur sowie eine höhere Zuverlässigkeit und bessere Information der Reisenden geschaffen werden. Durch Kenntnis der Situation am Ankunftsbahnhof, kann beispielsweise die Geschwindigkeit der Züge energieoptimal gesteuert werden, ohne zusätzliche Wartezeiten oder Verspätungen zu verursachen. Durch Kenntnis beispielsweise der aktuellen Fahrpläne und der Wetterinformationen (Wind, Sonne) kann auch die Verteilung, Nutzung und Speicherung von regenerativen Energien optimiert werden.

Die Digitalisierung wird vieles verändern. Wie könnte man sich diese Veränderungen vorstellen? Wohin geht die Reise?
Die Technologie entwickelt sich rasant weiter. Träumte man vor 10 Jahren davon überall eine Verbindung ins Internet zu ermöglichen, ist es heute fast Realität. Dieses wird sich weiter fortsetzen. Das Verhalten der Reisenden ändert sich dadurch. Eine gute Internetverbindung während der Reise wird oft wichtiger als die reine Fahrzeit. Die Reisezeit wird zur Unterhaltung oder als Arbeitszeit genutzt. Komfort und Connectivity werden unverzichtbar. Aus Sicht der Kommunikationstechnik werden wir immer mehr Kommunikation zwischen Maschinen sehen. Insbesondere Aktuatoren und Sensoren werden miteinander kommunizieren, beispielsweise zur energieeffizienten Steuerung von Gebäuden, der Optimierung der Energienetze, die die regenerativen Energien verteilen müssen, oder der Steuerung von Verkehrsflüssen.

Wie könnte der Bahnhof 2030 aussehen? Wie stellen Sie sich diesen persönlich vor, insbesondere in Bezug auf die Digitalisierung?
Der Bahnhof könnte 2030 ein multimodaler Mobilitätshub sein: Ein Umsteigen auf verschiedene Verkehrsmittel ist hier einfach, kostengünstig und nutzerfreundlich. Die Digitalisierung erlaubt eine optimale Reiseplanung und Reiseführung über verschiedene Verkehrsmittel hinweg. Die Bahn spielt als Verkehrsmittel die wichtigste Rolle für größere Distanzen, die Anbindung vom Bahnhof zum Ziel wird über elektromobile PKW, Fahrräder und den ÖPNV optimal gestaltet. Ortsgebundene Informationsdienste in den Bahnhöfen können individuelle Reisepläne mit Dienstleistungsangeboten in den Bahnhöfen verbinden, der Reisende wird entsprechend seiner eigenen Präferenzen optimal durch den Bahnhof geführt, das Reisen wird angenehmer, effizienter und entspannter.

Welchen Informationsbedarf wird es im zukünftigen Bahnhof geben und wie werden sich Menschen informieren über Anschlüsse und Abfahrten, die Carsharing-Miete am Bahnhof oder verlorenes Gepäck?
Am Bahnhof werden weiterhin Anschlüsse, Abfahrten der Bahn, aber auch der anderen Verkehrsmittel und Angebote an Carsharing, Mietfahrrädern und öffentlichen Verkehrsmitteln wichtig sein. Häufig werden Reisen allerdings von vornherein über mehrere Verkehrsmittel hinweg gebucht, d.h. das Carsharing-Angebot ist gleich im Bahnticket enthalten. Bei Verkehrsstörungen (Straßensperrungen, Stau) wird automatisch auf eine Alternative ggf. mit anderen Verkehrsmitteln umgebucht. Aufgegebenes Gepäck folgt dem Nutzer, der Nutzer kann jederzeit den Aufenthaltsort seines Gepäcks am Smartphone nachverfolgen und umlenken. Das Smartphone und interaktive Informationstafeln werden die entscheidenden Rollen in der Übermittlung der Information und der Interaktion mit dem System spielen. Statistisch benutzten 25% der Weltbevölkerung heute ein Smartphone, vor 10 Jahren war das Smartphone noch eine völlige Randerscheinung. Die Verbreitung schreitet rasant weiter, die Mehrzahl der Reisenden wird in Kürze über Smartphones verfügen. Interaktive Informationstafeln werden einen weiteren wichtigen Anteil an der Informationsvermittlung übernehmen können. Menschen werden immer noch für den direkten Kundenkontakt, ggf. per Video auf die interaktive Informationstafel benötigt.

Wie könnten Kommunikationsprozesse weiterentwickelt werden, um den Mitarbeitern der DB Information dabei behilflich zu sein, den Anforderungen der Kunden schneller und effektiver gerecht zu werden?
Ein Großteil der Routineabfragen ist den Kunden durch Apps auf mobilen Endgeräten in Echtzeit verfügbar. Durch Digitalisierung ist nicht nur der aktuelle Zustand (Verspätungen, Störungen), sondern auch eine verlässliche Vorhersage für Alternativen verfügbar. Die Mitarbeiter der Bahn haben die gleiche Information und können individuell beraten.

Wie könnten Startups und junge kreative Köpfe Ihrer Meinung nach der Deutschen Bahn dabei helfen, den Service-Gedanken neu zu definieren?
Quer- und Andersdenken, mit einem anderen Hintergrund und anderer Erfahrung auf Dinge zu gucken, ist wichtig, um neue Ideen zu entwickeln. Dieses Quer- und Andersdenken geschieht in den Hochschulen und in der Gründerszene. Daher ist es wichtig, dass die DB sowohl engen Kontakt mit Universitäten und mit der Gründerszene hält.

* Die Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH) wurde 1978 im Süden Hamburgs als eigenständige, auf den Kern der “klassischen” Ingenieurwissenschaften konzentrierte und spezialisierte Universität gegründet. Die wesentlichen Aufgaben und Ziele der TUHH sind durch erstklassige Lehre, exzellente Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung auf international hohem Niveau sowie intensivem Wissens- und Technologietransfer charakterisiert. Die Gründungs­prinzipien der TUHH – Forschungspriorität, Interdisziplinarität, Innovation, Regionalität und Internationalität – sind weiterhin verpflichtende Grundlagen für die künftige Entwicklung der TUHH.

Die TUHH hat ihre besondere Expertise und Stärken im Zentrum für Forschung und Innovation in drei Kompetenzfeldern gebündelt. Über die Definition der Kompetenzfelder gelingt es, übersichtlich und prägnant die Forschungsaktivitäten und das Forschungs-Know-how bei den Unternehmen aus Industrie und Wirtschaft sowie der Öffentlichkeit zu präsentieren. Getragen wird die Forschung von den Forscherpersönlichkeiten in den Instituten und dem gemeinsamen Wirken in den TUHH-Forschungsschwerpunkten sowie koordinierten Verbundprojekten.

Die TUHH versteht sich als Motor der Innovation. Sie fördert aktiv den Prozess der Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und den Forschenden. Um hier neue Akzente zu setzen, hat die TUHH für die Kompetenzfelder Ansprechpartner benannt, die für alle Fragen rund um die Forschung der TUHH zur Verfügung stehen und kurze Wege in die TUHH hinein und zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ermöglichen. Die aktive Information und Ansprache von Unternehmen über die Forschungsmöglichkeiten der TUHH ist ein wichtiger Baustein zur weiteren Intensivierung der Vernetzung der Innovationspartner in der Metropolregion Hamburg. (Quelle)

Startup Germany und die Deutsche Bahn suchen Konzepte für die Zukunft der DB Information, den „Informationsschalter“ an jedem Bahnhof in Deutschland. Bewerbungsfrist für erste Grobkonzepte ist der 6.12., es winken nicht nur die Referenz und Know-How, sondern auch 15.000 Euro Preisgeld! Jetzt weitere Informationen holen und mitmachen!