Joel Dullroy von GroupEstate “Wir werden die Erträge mit Hilfe der Partnerbanken erwirtschaften”

Das Berliner Start-up GroupEstate will den Immobilienmarkt revolutionieren. Es will dabei helfen, Immobilien erschwinglich zu machen, in dem Familien als Kaufgemeinschaften auftreten können. Im Kurzinterview spricht der Gründer über Familien als Kaufgemeinschaften und innovative Banken.
“Wir werden die Erträge mit Hilfe der Partnerbanken erwirtschaften”

In kaum einem anderen Land leben so viele Menschen zur Miete wie in Deutschland. Das liegt auch daran, dass der Erwerb von Eigentum teuer ist. Um den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen, ist GroupEstate um Joel Dullroy online gegangen. Das Berliner Start-up will Eigentrum vergemeinschaftlichen. Im Gründer-Kurzinterview spricht der Gründer über die Revolution im Immobilienmarkt, Familien als Kaufgemeinschaften und innovative Banken.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Die Idee hinter GroupEstate ist das gemeinschaftliche Eigentum – es bedeutet, dass mehrere Personen gemeinsam als Gruppe und nicht allein ein Eigentum besitzen. Wir wollen den Immobilienmarkt revolutionieren, indem wir gemeinschaftliches Eigentum einfach, zugänglich und populär machen. GroupEstate wird es damit jedem ermöglichen, zumindest einen Anteil seines Zuhauses mit Hilfe von Freunden und der Familie zu besitzen.

GroupEstate wird sich um all diese Probleme kümmern, mit denen die Menschen konfrontiert werden, die versuchen, eine Kaufgemeinschaft für ein gemeinschaftliches Eigentum zu bilden. Wir werden diesen Leuten die entsprechenden Hilfsmittel zur Verfügung stellen, um ein gemeinschaftliches Immobilienprojekt in Angriff zu nehmen, Freunde und die Familie ermutigen, sich daran zu beteiligen, die Kosten aufteilen, die Bedingungen vereinbaren und eine Bank finden.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Nachdem ich diese Idee hatte, habe ich drei Mitbegründer gefunden, die meine Vision mit mir teilten und unbedingt in die Tat umsetzen wollten. Wir haben die Idee hinsichtlich der Startup-Bedingungen auf die einfachste Form reduziert – ein sogenanntes Minimal Viable Product (Produkt mit minimalen Anforderungen und Eigenschaften).

Unser MVP ist im Grunde eine simple Online-Plattform, die die Menschen zusammenbringt und auf der sie Informationen austauschen können, ihnen einen rechtsgültigen Vertrag bereitstellt und sie mit einem Hypothekengeber zusammenbringt. Später wollen wir dann weitere Features hinzufügen, wie zum Beispiel einen Such- und Vermittlungsservice, um die Personen zusammenzubringen, die sich eigentlich gar nicht kennen, und es ihnen somit ermöglichen, gemeinsam eine Wohnung zu kaufen.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
GroupEstate hat keine direkten Mitbewerber, da wir ein völlig neues Konzept erstellt haben und einen neuen Markt erschließen werden. Momentan gibt es niemanden, der Dienstleistungen für Käufer von gemeinschaftlichem Eigentum anbietet. Wir haben einige indirekte Mitbewerber, wie zum Beispiel ein Rechtsdienstleistungsunternehmen, das Vertragsentwürfe an Käufer von Gruppeneigentum verkauft.

Wir bieten weit mehr als nur einen Vertrag an. Wir stellen eine ganze Plattform zur Verfügung, die den gesamten Prozess vereinfacht – vom ersten Gespräch bis zum endgültigen Kauf der Immobilie. Und dann haben wir noch eine Art indirekter Konkurrenz aus der relativ neuen Szene des Crowdinvesting für Immobilien. Es gibt mehrere Start-ups in den USA, die online Anteile an Immobilienprojekten verkaufen. Wir jedoch konzentrieren uns auf Eigennutzer – Leute, die Wohnungen für sich selbst kaufen, um in ihnen zu wohnen oder diese auf sonst irgendeine Art und Weise zu nutzen.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
GroupEstate muss die Idee des gemeinschaftlichen Eigentums einführen und es zu einer gängigen Alternative machen, was eine schwierige Aufgabe sein wird. Niemand hat jemals zuvor von dieser Art des gemeinschaftlichen Eigentums gehört. Deshalb müssen wir erst einmal erklären, was das genau ist, wie es funktioniert, und die Leute davon überzeugen, es einmal auszuprobieren.

Zudem müssen wir die Leute davon überzeugen, dass die Finanzbranche mit uns und unseren Nutzern zusammenarbeitet. Viele Banken bieten Gruppenkäufern keine Dienstleistungen an. Deshalb müssen wir Partnerbanken finden, die bereit sind, innovativ und flexibel zu sein.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben Sie schwarze Zahlen?
GroupEstate wird die Erträge mit Hilfe der Partnerbanken erwirtschaften. Wir werden jedes Mal dann bezahlt, wenn wir einer Bank eine Gruppe als Kunde bringen. Auch werden wir Premium-Accounts mit zusätzlichen Funktionen anbieten.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Wir werden uns zuerst einmal Familiengruppen zur Zielgruppe nehmen, die gemeinsam ein Eigentum erwerben wollen – Eltern zum Beispiel, die ihren erwachsenen Kindern helfen möchten, indem sie sich am Kauf eines Gruppeneigentums beteiligen. Wir werden uns aber auch auf junge Berufsanfänger konzentrieren, die gerade mit ihrer beruflichen Laufbahn beginnen, und es sich daher noch nicht leisten können, eine Immobilie allein zu erwerben.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Unser erster Meilenstein wird sein, eine Beta-Version von GroupEstate auf den Markt zu bringen, sowie auch unseren ersten Kunden zu finden. Danach müssen wir uns vergrößern, zum einen natürlich weitere Kunden finden, zum anderen aber auch weitere Banken, die unsere Partner-Darlehensgeber werden möchten.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
Joel Dullroy ist ein australischer Unternehmer mit beruflichem Hintergrund als Journalist und Eventmanager. Dullroy begann seine Laufbahn bei der Zeitung The Courier-Mail in Brisbane, Australien. Im Jahr 2006 ging er nach Europa und gründete mehrere kleine Unternehmen, organisierte Konferenzen und arbeitete als freiberuflicher Texter. Im Jahr 2010 gründete er eine Online-Plattform für CoWorking- und Gemeinschaftsbüros. Als Geschäftsführer von GroupEstate gehören die allgemeine Unternehmensführung, Produktmanagement und Kommunikation zu seinen Aufgaben.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.



  1. Trotto

    Kann er oder sonst jemand auch erklären, wie es konkret aussehen soll? Am besten an einem Beispiel? Es sieht so aus, als ob die die Antworten per Email an die Redaktion geschickt hätte. Da fragt niemand nach.



    • Ibrahim

      „Hi Trotto,

      ich bin Ibrahim, einer der Mitgründer von GroupEstate. Konkret erklärt geht GroupEstate so: Ich nutze einfach wieder das Beispiel des Interviews, nämlich mit den Eltern die ihr erwachsenes Kind unterstützen wollen. Klaus Maier möchte eine Eigentumswohnung rund 200 000 € inkl. Nebenkosten kaufen, hat aber noch nicht genügend Eigenkapital (20% des Kaufpreises i.H.v. 40.000 €) – er hat bis jetzt 5.000 € gespart. Klaus‘ Eltern, Herr und Frau Maier, haben aber deutlich mehr Ersparnis, aus welcher sie mit 35.000 € mitfinanzieren können. Nun haben die Maiers gemeinsam 40. 000 € Eigenkapital.
      GroupEstate unterstützt die Maiers bei der Bildung einer Kaufgemeinschaft bzw. Regeln (z.B. die monatliche Verpflichtung, Anteile von jedem) festzusetzten sowie einen passenden Finanzpartner zu finden, der den restliche Kaufpreis von 160.000 € finanziert.
      Und so kann Klaus eine Eigentumswohnung mithilfe seiner Eltern erwerben.“

      Besuch uns einfach auf http://www.groupestate.de/, dort wird der Prozessablauf genau beschrieben.



      • Marc

        Eigenkapital = keine Absicherung der Eltern.
        Dh. doch aber im Kehrschluss die Eltern können einfach eine Bürgschaft in der Höhe abgeben und der Sohn macht eine normale Finanzierung.

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