15 Fragen an Roman Schulz von flavs.de “Am See sitzen und fischen macht den Kopf frei”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Roman Schulz von flavs.de.
“Am See sitzen und fischen macht den Kopf frei”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen, den es inzwischen auch in gedruckter Form und als eBook gibt – siehe “Hinter den Kulissen deutscher Start-ups“. Der kurze Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Roman Schulz von flavs.de.

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Im Moment bestimmt es mein ganzes Leben. Es bedeutet für mich Ansporn zu Bestleistung und Verantwortung für die Firma, sich selbst und seine Mitarbeiter. Auch Menschen nicht zu enttäuschen die an einen glauben ist mein Motiv.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Mein Interesse an Design habe ich während meines Studiums in London entwickelt. Auf dem dortigen „Camden Town Market“ entdeckten mein Bruder Daniel und ich ungewöhnliche, schöne Dinge die neu für uns waren, uns begeisterten und nach denen wir nie gesucht hätten. Dieses Erlebnis wollten wir ins Internet bringen. Natürlich gab es dort für jede Geschmacksrichtung (engl. „Flavors“) etwas und so kamen wir auf den Namen „Flavs“.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir haben das Unternehmen „Flavs“ von Anfang an selbst finanziert. Natürlich führten wir etliche Investorengespräche, haben aber aus der Situation erkannt dass es risikoreich gewesen wäre Fremdkapital einzusetzen. Der Markt wurde zu diesem Zeitpunkt, also kurz nach unserer Gründung , von mehreren Unternehmen mit viel Geld überrollt. Wir wussten dass wir flexibel bleiben mussten um ggf. unser Geschäftsmodell schnell umstellen zu können um Alleinstellungsmerkmale zu generieren. Dies haben wir sukzessive und mit Erfolg auch getan.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Wir begannen mit einem Shopping-Club mit ausgewählten, begrenzt verfügbaren Artikeln. Wir fanden bald heraus dass der Anspruch des deutschen Kunden in schneller Lieferung, großem Sortiment und detaillierten Informationen bedient werden muss. Hier experimentierten wir viel, da wir uns auf keinerlei Erfahrung stützen konnten. Mit einem kleinen, gebootstrappten aber hoch motiviertem Team gelang es uns letztlich operativ profitabel zu werden, obwohl es dadurch in Sachen „Wachstum“ bei uns etwas länger dauerte.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Mich von Anfang an stärker auf Eigenleistung und Ideen verlassen, nicht zweifeln, mehr Zeit in die richtige Auswahl der Mitarbeiter investieren, finanzielle Mittel noch gezielter einzusetzen und versuchen Störfaktoren noch schneller zu erkennen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Wir setzen stark auf Affiliate und Retargeting, da wir hier bisher sehr gute Ergebnisse erzielen konnten. Auch SEA nutzen wir seit kurzer Zeit intensiver. Vor allem umschreibende Begriffe konvertieren hier gut. Letztlich profitieren wir auch von einem organischen Wachstum da über 90% unserer Kunden mit der Flavs Erfahrung sehr zufrieden sind.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Da gibt es etliche die „Flavs“ wohl gesonnen waren, immer an uns geglaubt- und mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben. Insbesondere meinen Bruder Daniel, meine Familie und meinen engsten Freundeskreis möchte ich hier erwähnen.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Viele Ideen & Gründungen brauchen Zeit und diesen langen Atem muss man haben. Auch wenn man anfangs nicht sofort das erhoffte Wachstum schafft sollte man unbedingt an seine Idee glauben und diese mit Leidenschaft verfolgen. Rückschläge gehören zu diesem Prozess den man am besten mit „learning by doing“ angehen sollte. Wenn es eine Stufe runtergeht kommt die nächste Chance und es geht wieder nach oben!

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich würde Ihn nur fragen ob ich es noch erleben werde dass es in Europa ein gleichwertiges Besteuerungssystem geben wird um einen gerechten Handel und gleiche Chancen zu gewährleisten.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich bin froh etwas Eigenständiges gemacht zu haben – wäre aber auch nicht unglücklich, der Familientradition folgend, Verleger geworden zu sein.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschenspielen?
Bei Zalando während einer Sortimentsplanung.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich hab zum Reisen im Moment leider keine Zeit. Ich bin gerne im „Hier und Jetzt“.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich würde es gut einsetzen und versuchen zwei daraus zu machen.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Ich sitze (für andere Leute langweilig) am See und fische. Das macht den Kopf frei.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit so Vielen wie möglich aus unserer Branche die mir ihre Erfahrungen und gute Ratschläge mit auf den weiteren Weg geben würden.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Roman Schulz lebte 10 Jahre in London und schloss sein Masterstudium in „Marketing Management“ ab. Nach mehreren Stationen bei Verlagsunternehmen gründete er 2009 zunächst die Internetagentur ThinkIdeas. 2011 folgte, gemeinsam mit seinem Bruder Daniel, der Online Shop „Flavs.de“ (www.flavs.de) bei dem er seitdem als Geschäftsführer tätig ist.

15 Fragen als eBook und in gedruckter Form

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.