“Als große Konkurrenz sehen wir nach wie vor Papier und Kugelschreiber” – Reinhard Nowak von LineMetrics

LineMetrics (www.linemetrics.com) ist einer jener Start-ups, die mit ihrer Unternehmensidee schon sehr in der Nische arbeiten. Dennoch nicht weniger erfolgreich. Das Team um Reinhard Nowak ermöglicht Industrieunternehmen eine Echtzeit-Überwachung einzelner Maschinen, um so […]
“Als große Konkurrenz sehen wir nach wie vor Papier und Kugelschreiber” – Reinhard Nowak von LineMetrics

LineMetrics (www.linemetrics.com) ist einer jener Start-ups, die mit ihrer Unternehmensidee schon sehr in der Nische arbeiten. Dennoch nicht weniger erfolgreich. Das Team um Reinhard Nowak ermöglicht Industrieunternehmen eine Echtzeit-Überwachung einzelner Maschinen, um so die Produktionsanalyse zu erleichtern. Im Gründer-Kurzinterview mit deutsche-startups.de sprach der Gründer über Investitionskosten und noch konservative Zielgruppe.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
In mehr als 10 Jahren in der Automotive-Branche sind mir zwei Dinge aufgefallen. Erstens, dass egal der Größe des Produktionsbetriebes die gleichen Probleme in allen Unternehmen vorherrschen (ungeplante Stillstände, Energie-Ineffizienzen, usw.). Zweitens, dass automatisierte Systeme zur Maschinendatenerfassung, die im Optimierungsprozess unterstützen, vorwiegend in größeren Produktionsstandorten zum Einsatz kommen.

Die Idee ist simpel: typische Barrieren bei der Einführung von Maschinendatenerfassung zu eliminieren und jedem industriellen Produktionsbetrieb zugänglich zu machen. LineMetrics macht das in Form einer cloud-basierten Maschinendatenerfassung, die im bindungsfreien Mietmodell angeboten wird.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Von der ersten Idee bis zur Gründung gab es natürlich zahlreiche konzeptuelle und vor allem technische Details die sich verändert haben. Wir konnten unserem Konzept jedoch in einem überraschend großen Ausmaß treu bleiben. Wir haben uns der Anwendung von Lean Startup Methoden verschrieben. Das erzwingt die laufende Validierung unserer Hypothesen. Da rechnet man natürlich von Natur aus mit vielen Adaptierungen. Der Kern ist jedoch wie gesagt sehr solide.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Im technologisch starken Europa gibt es viele kleine und große Anbieter von Lösungen zur Maschinendatenerfassung. Wir grenzen uns ab indem wir statt der typischen Investitionskosten vorab (5- und mehrstellige Beträge) lediglich eine überschaubare monatliche Miete ohne Mindest-Bindungsdauer verursachen. Anders als der Mitbewerb kommunizieren wir das Preismodell transparent und offen auf unserer Website. Der Kunde kann seinen individuellen Anwendungsfall direkt online kalkulieren und die nötigen Komponenten bestellen. Im B2C-Bereich ist man das bereits gewöhnt, in der Industrie sind diese Offenheit in der Kommunikation und der Wegfall des erzwungenen Verkäufer-Gespräches ein Novum.

Dann geht es damit weiter, dass wir sämtliche Komponenten selbst entwickeln und vertreiben. Unsere Kunden bekommen alle nötigen Bausteine aus einer Hand: Datenlogger-Box zur Kommunikation, Internet-Konnektivität, WebApp zur Datenauswertung. Sämtliche Elemente werden streng auf Einfachheit optimiert. Unsere Motivation ist ganz klar: unser Kunde ist selbst der Experte. Er muss in der Lage sein das Gesamtsystem selbst am Standort in Betrieb zu nehmen. Ohne Hilfe von externem Fachpersonal. Das sind Ansätze die man im Umfeld bisher vergeblich sucht.

Als große Konkurrenz sehen wir nach wie vor Papier und Kugelschreiber. Dagegen hilft uns am besten weitreichende Medien-Sichtbarkeit und eine laute öffentliche Diskussion.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Der entscheidende Faktor ist die Akzeptanz beim Kunden. Das Thema Cloud ist im Produktionsumfeld heikel, aber der Trend zeigt ganz klar, dass es in diese Richtung geht. Nicht zuletzt durch die groß angelegte Initiative Industrie 4.0 der deutschen Bundesregierung.

Eine weitere Herausforderung ist die Bewusstseinsbildung in unserer Zielgruppe. Wir erschließen ein Marktsegment das sich bisher wenig mit dem Thema der automatisierten Maschinendatenerfassung beschäftigt hat. Die Awareness muss jetzt geschaffen und kultiviert werden.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Das Preismodell ist ganz klar: Unsere Kunden mieten LineMetrics und zahlen dafür eine monatliche Miete. Was wir zur geplanten Entwicklung sagen können ist, dass wir eher einen Marathon als einen Sprint bestreiten. Unser Business-Plan ist trotzdem sehr sportlich angelegt und verlangt brutalen Fokus.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Momentan liegt unser Fokus auf Deutschland und Österreich. Mittel- und langfristig haben wir ebenfalls ganz klare Ziele. So viel können wir verraten: unser Geschäftsmodell sieht einen globalen Markt. Darauf ist unser Produkt ausgelegt.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?

Wir sind gerade beim Eintritt in Deutschland und Österreich. Das erste Ziel ist die erfolgreiche Einführung und Etablierung auf diesen Märkten. Danach ist die nächste Etappe die Überwindung dieser geographischen, sprachlichen und kulturellen Grenzen. Besonders in der Produktentwicklung gibt es interessante Meilensteine in den nächsten 12 Monaten. Wir hoffen in Kürze mehr dazu verraten zu können.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
Reinhard Nowak sammelte zahn Jahre Berufserfahrung im Bereich produktionsnahe Softwareentwicklung. Er war ab 2005 für die Entwicklung eines der führenden Manufacturing Execution Systeme für die Automobilbranche verantwortlich. Seit 2010 ist Reinhard selbständig und hat seither an der technischen Realisierung von Startups mitgearbeitet. Seit Dezember 2011 arbeitet er gemeinsam mit Mit-Gründer Wolfgang Hafenscher an LineMetrics.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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