EyeEm dreht mit 6 Millionen frischem Kapital an entscheiden Schrauben zum – auch kommerziellen – Erfolg

Es gibt tolle neue Nachrichten beim Fotosharing-Dienst EyeEm (www.eyeem.com), das einige schon seit längerem ‘das bessere Instagram’ nennen. Toll für das Unternehmen selbst aber auch für dessen Community – und deren Kunden. Ja, […]
EyeEm dreht mit 6 Millionen frischem Kapital an entscheiden Schrauben zum – auch kommerziellen – Erfolg

Es gibt tolle neue Nachrichten beim Fotosharing-Dienst EyeEm (www.eyeem.com), das einige schon seit längerem ‘das bessere Instagram’ nennen. Toll für das Unternehmen selbst aber auch für dessen Community – und deren Kunden. Ja, Kunden, richtig gelesen. Denn EyeEm macht sich daran, selbst Geld zu verdienen und seine Community Geld verdienen zu lassen. Und zwar mit einem ungewöhnlichen und sehr zeitgemäßen Geschäftsmodell, an dessen Umsetzung das Berliner Start-up – ausgestattet mit reichlich frischem Kapital – in der nächsten Zeit verstärkt schrauben wird.

Lange wurde EyeEm vorgeworfen, kein Geschäftsmodell zu haben – auf Dauer kann es ja nicht angehen, dass man die Investorengelder ausschließlich damit verbrennt, ein Team zu ernähren, das viel Zeit und Energie in eine schicke kostenlose Foto-Sharing-Plattform steckt, die die Community erfreut.

Zwar stand immer – und das wird auch so bleiben – Nutzen und Mehrwert für die EyeEm-Community im Fokus allen Denkens und Tuns der Macher:

“Die Community inspiriert mich jeden Tag. Unser Team ist aus einer Gruppe von Fotografie-Liebhabern entstanden und unser Ziel war von Anfang an, die beste Community für mobile Fotografie zu bauen. Wir wollen einer neuen Generation von Fotografen eine Plattform bieten, um ihre Leidenschaft auf’s nächste Level zu bringen” sagt Florian Meissner, CEO von EyeEm und in der Community bekannt als @Flo.

Und nach wie vor sind die Gründer stolz darauf, dass ihre Community – die von Anfang an nicht nur in Deutschland, sondern auch zum Beispiel in den USA kräftigen Zulauf hatte – bis heute rein organisch gewachsen ist. Meissner: “Bis heute haben wir keinen Cent ins Marketing gesteckt, haben keine einzige Anzeige geschaltet.”

Aber irgendwann wollen die Kapitalgeber auch die Chance haben, mit ihren Investitionen Geld zu verdienen – schließlich sind sie keine Mäzene, sondern Geschäftsleute.

Das Modell, sich durch einen lukrativen Exit gesundzustoßen, wie zum Beispiel Instagram es tat, kommt für die Macher von EyeEm nicht in Frage, dazu haben sie zu viele Ideen, wie EyeEm großartiges für die Community leisten und gleichzeitig geschäftlich erfolgreich sein kann.

Und eigentlich schon von Anfang an arbeitet das Unternehmen in der Ausrichtung seiner App darauf zu, was jetzt nach und nach offensichtlich wird:

It’s all about Tags: Thematisch passende Inhalte finden, nicht vorrangig ‘Freunde’

“Der Social Graph stirbt aus, er wird sich auf Themen verlagern”, prognostiziert Florian Meissner in der Welt online. Es wird den Usern also zukünftig weniger darum gehen, sich über seine sozialen Kontakte und Empfehlungen zu definieren als darum, thematisch relevanten Content – bei EyeEm eben Bilder – zu entdecken oder gezielt zu finden.

Konsequenter Weise steht deshalb bei EyeEm im Gegensatz zu Instagram und anderen Foto-Communities – deutsche-startups.de stellte 12 Alternativen zu Instagram vor – die Relevanz der Inhalte im Vordergrund und erst in dessen Folge soziale Kontakte. Diese neue Schwerpunktsetzung hebt ja auch Google Plus entscheidend ab von zum Beispiel Facebook.

EyeEm kniftelt deshalb seit seinen Anfängen an einem smarten automatischen Tagging-System für die Bilder in seiner Community. Es ist geo-basiert und analysiert sämtliche Bilddaten. Zeit, Ort und Events werden ins Tagging einbezogen.

Und die User finden durch die Tags viel schneller Fotos – und damit natürlich automatisch auch andere EyeEm-Nutzer – die sie interessieren.

It’s all about Tags: EyeEm will den Markt der Stock-Fotografie passend zur Smartphone-Generation neu erfinden

Und damit sind wir dann auch schon bei dem Konzept, mit dem EyeEm monetarisieren will:

Weil das kontextbezogene Tagging der Bilder die Community thematisch, zeitlich und regional durchsuchbar macht, haben auch Verlage, Unternehmen oder andere kommerzielle Verwerter von Bilder gute Chancen, genau zu ihrem jeweiligen Bedarf passende Fotos zu finden.

Und genau wie ‘ruckelige Amateur-Videos’ sind Smartphone-Fotos absolut State of Art. Die Fotos gelten als authentischer, lebendiger und dynamischer als die oft kühlen, statisch wirkenden Stockfotos, die es in herkömmlichen Bilderdatenbanken gibt.

Außerdem können eigentlich nur durch große fotografierende Communities Bilder in Echtzeit von aktuellen Events oder Geschehnissen geliefert werden.

Der Bedarf von gut zahlenden Käufern an sehr guten Smartphone-Bildern ist also durchaus massiv vorhanden. Und genau dafür baut EyeEm einen Marktplatz auf: Schon sehr bald soll es möglich sein, über EyeEm Bilder zu kaufen und zu verkaufen.

Selbstverständlich liegen und bleiben alle Rechte beim Fotografen des jeweiligen Bilds. EyeEm fungiert nur als Vermittler zwischen Käufer und Urheber und teilt sich die Erlöse zu sehr fairen Konditionen mit den verkaufenden Fotografen. (Anm.: Was ‘faire Konditionen’ in Zahlen bedeutet, war Florian Meissner leider nicht zu entlocken.)

It’s all about Tags: Bei EyeEm haben die User ihren Erfolg auch selbst in der Hand

Klar, theoretisch können also die Nutzer durch das automatische Tagging ihre Bilder bei EyeEm hochladen, ohne einen einzigen Buchstaben Text dazuzuschreiben. Schlau wäre das vor allem mit Blick auf den neuen Marktplatz aber nicht. Denn: Je genauer und umfangreicher ein Bild mit Schlagwörtern versehen wird, desto eher wird es von kommerziellen Interessenten auch gefunden. Wer ein Bild mit einer Bank auf einer Blumenwiese im Sommer sucht, wird es über den Tag ‘Good Morning’ nicht finden, sondern über den Inhalt beschreibende Tags wie ‘Park Bench’, ‘Meadow’, ‘Blue Sky’, ‘Summer’, ‘green’ usw.

Zwar arbeitet EyeEm weiterhin massiv an der Optimierung seines automatischen Taggings, aber es ist sehr ratsam für die User, selbst manuell ihren Bildern aussagekräftige Schlagwörter hinzuzufügen.

Und natürlich kann nur der Fotograf Kunden – und neue Follower, die ja auch über Stichwörter suchen – über EyeEm finden und verdienen, dessen Fotos auch gefunden werden.

It’s not ALL about Tags: Die Qualität der Bilder spielt eine wichtige Rolle für ihre Auffindbarkeit

So wichtig das Tagging für die in jeder Beziehung erfolgreiche Nutzung von EyeEm auch ist: Die Qualität und Originalität der Bilder spielt auch eine wesentliche Rolle – was auch im Hinblick auf die Monetarisierung gut so ist, denn kommerzielle Kunden haben kein Interesse daran, sich durch Unmengen fotografischen Schrotts zu wühlen.

EyeEm hat seinen Ursprung in einer Community aus Fotografen. Diese haben von sich aus einen Anspruch an eine hohe Qualität der Bilder. So ist schon durch den vorhandenen Bestand der Anspruch an eingestellte Bilder recht hoch.

Zudem gibt es als eines von nur drei Hauptsegmenten das Segment ‘Popular’. Und die Sichtbarkeit von Fotos innerhalb der populärsten Fotos wird geregelt über eine Kombination aus Likes, die Anzahl der Views und der Kommentare sowie dem Ranking (Zahl der Follower) des Fotografen.

Die ‘Missions’ drehen das Prinzip der Stockfotografie-Datenbanken um

Schon jetzt gibt es zahlende Kunden für Fotos von EyeEm-Mitgliedern: In den sogenannten ‘Missions’ schreiben Unternehmen Foto-Pitches mit zum Teil sehr dezidierten Anforderungen aus. Die per Geolokalisierung ermittelten möglichen Teilnehmer bekommen per Push-Nachricht von EyeEm eine Einladung zur Teilnahme an der Mission. Die vom Kunden ausgewählten Fotos werden über EyeEm verkauft und der Erlös zwischen EyeEm und den Autoren geteilt. Dabei verbleiben die Rechte an den Fotos selbstverständlich bei den Fotografen selbst, während Marken und Agenturen die Nutzungsrechte direkt von ihnen erwerben.

Dieses Verfahren krempelt also das Prinzip der Stockfoto-Datenbanken auf links: Statt aus einem vorhandenen Fundus auszuwählen, wird die Community mit mehr oder weniger genauem Briefing ausgeschickt, benötigte Smartphone-Fotos ‘on demand’ zu schießen.

Unternehmen wie Lufthansa, Red Bull und VICE nutzen den EyeEm Marktplatz bereits, um originäre Bilder für ihre Marketingkampagnen zu beziehen.

Das Geschäftsmodell überzeugt neue und auch die bestehenden Investoren

Diese Möglichkeiten der Monetarisierung, von denen nicht nur EyeEm, sondern auch dessen Community-Mitglieder partizipieren können, klingt sehr überzeugend, vielversprechend und zeitgemäß.

Dieser Meinung sind auch der neue Investor Earlybird Venture Capital und die schon an Bord befindlichen Investoren Wellington Partners und Passion Capital (siehe auch: Zwei Jahre Passion Capital: 34 Start-ups, 2 Exits und imposante 1.932 Bussinespläne).

Gemeinsam stellen sie EyeEm jetzt weitere 6 Millionen US-Dollar zur Verfügung, ‘um den Stockfotografie-Markt neu zu erfinden’. Damit plant EyeEm seine globale Reichweite weiter auszubauen und den Fotografie-Marktplatz für die Generation Smartphone zu erschaffen.

Meine persönliche Meinung: Das ist gut investiertes Geld, denn EyeEm trifft absolut den Nerv der Zeit.

Elke Fleing aus Hamburg liefert Texte aller Art, redaktionellen Content und Kommunikations-Konzepte. Sie gibt Seminare, hält Vorträge und coacht Unternehmen. Bei deutsche-startups.de widmet sie sich vor allem Themen und Tools, die der Erfolgs-Maximierung von Unternehmen dienen.



  1. Toto

    Der Text liest sich ja nett, aber mal ehrlich ich kenne nicht einen einzigen Journalisten oder eine Agentur die ein Smartphonefoto verwenden würde. Dafür ist die Quali zu schlecht. Klar andere Fotos kann man auch hochladen und ich denke das werden einige auch tun, aber istockphoto & co. haben einen riesen Vorsprung. Denke das geht so nicht auf.



  2. steve

    eigentlich – gefallen – mir -die -Artikel – von elke – dieser – ist – unötig – lang – und – hat -zu -viele – gedankenstriche



  3. Lucas

    Ich glaube schon, dass die Qualität von Smartphone Fotos ausreicht. Auf jeden Fall für Online Medien und noch auf jeden Faller für Marken die damit irgendwelche Social Media Kanäle bespielen wollen. Da passt das ganze Mission Ding super rein und da sind diese Bilder auch absolut passend von Authenzität, Spontanität und so weiter.
    Für eine Kampagne wie diese Cola Sache mit “die Stadt gehört Dir” zB würde es sehr gut passen.



  4. Dieter

    1-2-designer Prinzip.
    Statt ein vorhandenes Template auszuwählen, bietet man 2,50 Euro, damit sich arme Studenten und Pleitedesigner am “Pitch” beteiligen und hunderte von Ideen liefern. Der Gewinner bekommt dann die 2,50 Euro.

    Grundsätzlich funktioniert das Prinzip, aber nur bis zu einem gewissen Grad und ob man damit “richtig” Geld verdienen kann, ist noch ein anderes Thema.

    Für Agenturen und Unternehmen sicherlich eine günstige Lösung.

    Profis werden sich an sowas nur beteiligen, wenn die Preise OK sind. Da muss EyeEm höllisch aufpassen, denn das Billig-Image ist ruckzuck da.

  5. “Das Modell, sich durch einen lukrativen Exit gesundzustoßen, wie zum Beispiel Instagram es tat, kommt für die Macher von EyeEm nicht in Frage, dazu haben sie zu viele Ideen, wie EyeEm großartiges für die Community leisten und gleichzeitig geschäftlich erfolgreich sein kann.”

    Bei aller Sympathie für Florian & Ramzi, aber das hat mit der Realität des VC-finanzierten Startups EyeEm nichts zu tun. Zumindest Earlybird und Wellington sind ganz normale VCs mit ganz normalen Fonds, mit einem ganz normalen Investmenthorizont von 7 bis 10 Jahren, i.e. wenn die Lifetime des Fonds zuende geht, wollen die LPs ihr Geld eher früher als später wiedersehen. Früher oder später muss es also einen Exit geben, zwangsläufig. Ganz einfach.

Aktuelle Meldungen

Alle