“Die Neuregelung zum Anti-Angel-Gesetz ist dumm” – Christian Vollmann antwortet Ehssan Dariani

Lieber Ehssan,

in Deinem offenen Brief zu unserer Initiative gegen die Änderung der Holdingbesteuerung zitierst Du mich gleich zweifach. Deswegen nehme ich mir die Zeit, Dir hiermit zu antworten.

Ich finde es amüsant, wie Du uns „billigste Polemik“ attestierst, die Diskussion aber gleichzeitig selbst mit Verallgemeinerungen und Vorurteilen („Super Rich Kids“, „Erbe aus gemachtem Hause“, „BWLer aus Privatschulen“, „Bankkonto in der Schweiz“ etc.) auf eine rein polemische Ebene hebst. Selbst „bürgerkriegsähnliche Straßenschlachten“ werden hier bemüht um den ewigen Kampf „arm gegen reich“ zu beschwören. Unabhängig davon, ob diese schwarz-weiß Etiketten auf mich zutreffen oder nicht (die meisten tun es nicht): Deine Argumentation geht völlig am Kern der Thematik vorbei.

Lass mich kurz zusammenfassen:

Wir (Du, ich und alle anderen) zahlen als Investoren in dem Moment Steuern, in dem wir Gewinne aus unseren Holdings an uns als Privatpersonen ausschütten. Dies habe ich in der Vergangenheit getan und ich bin auch gerne bereit, es weiterhin zu tun. Ich weiß um meine soziale Verantwortung und will meinen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten.

Es geht hier gar nicht darum, weniger Steuern zu zahlen. Es geht hier um Gerechtigkeit. Der Gesetzgeber hat Regeln aufgestellt, nach denen Holdings besteuert werden. An diesen Regeln habe ich mich die letzten 10 Jahre orientiert und entsprechend investiert. Nun sollen diese Regeln de facto rückwirkend geändert werden. Das ist ungerecht. Außerdem sollen nur die kleinen Anteilseigner unter 10% betroffen sein, nicht die großen Investoren über 10%. Auch das ist ungerecht.

Ferner ist die Neuregelung schlichtweg dumm: der Staat hatte damals die Ausnahme in der Holdingbesteuerung extra eingeführt, um Re-Investitionen von Verkaufserlösen zu fördern. Der Staat lenkt effizient, in dem er die richtigen Anreize setzt. Der Anreiz hier: Wenn Du Gewinn aus dem Verkauf einer Firma machst, dann kauf Dir keinen „englischen Sportwagen“, sondern re-investiere das Geld. So entsteht ein Anreiz, den Gewinn nicht zu verkonsumieren, sondern in junge Firmen zu re-investieren. So entstehen Wachstum, Innovation und Jobs. Das ist die viel sinnvollere, weil effizientere und gerechtere Maßnahme als die von Dir geforderte Umverteilung.

Der derzeitige Entwurf der Neuregelung setzt die falschen Anreize und schadet damit dem Ökosystem der Neugründungen in Deutschland, nicht nur im Internetbereich.

Das sind die Fakten. Allerdings hege ich den Verdacht, dass Dich diese gar nicht wirklich interessieren, sondern dass Du die Thematik nutzt, um Dich als Gutmensch zu profilieren. Wenn Du ein solcher bist, dann beweise es uns!

Ich fordere Dich hiermit offiziell zum Duell heraus! Meine Herausforderung lautet wie folgt:

Wir beide spenden bis zum 31. August 2012 an Ashoka (germany.ashoka.org). Ashoka fördert Sozialunternehmer weltweit und ist somit die Schnittstelle aus sozialem Handeln und Unternehmertum. Außerdem hat es den netten Nebeneffekt, dass unsere Spenden bis 31. August von dem Google Gründer Sergej Brin verdoppelt werden: http://germany.ashoka.org/brin-wojcicki-stiftung-verdoppelt-spenden-ashoka

Am 01. September legen wir hier bei Deutsche Startups offen, wieviel jeder von uns gespendet hat. Wer weniger gespendet hat, hält fortan zum Thema „Gutmensch“ seinen Mund.

Das ist Deine Chance, Deinen Worten Taten folgen zu lassen! Nimmst Du die Herausforderung an?

Dein

Christian

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