Fünfzehn Fragen an Hendrik Boeing von Digital Bloom

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Um ehrlich zu sein, als Chef habe ich mich bis dato nicht betrachtet. Eher als Treiber und Visionär. Selbstständig zu sein bedeutet für mich, […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Um ehrlich zu sein, als Chef habe ich mich bis dato nicht betrachtet. Eher als Treiber und Visionär. Selbstständig zu sein bedeutet für mich, Ideen zu entwickeln und für die Gestaltung und Umsetzung mit meinem Team 24/7 zu kämpfen. Am Ende des Tages geht es um Freiheit und das Streben nach einem selbstbestimmten Leben. Geld interessiert mich nicht.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
In der Badewanne.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Mein Partner Markos Kern und ich haben eigenes Geld investiert und zeitgleich Oliver Berger (Sohn von Unternehmensberater Roland Berger) als Seed-Investor für unser Projekt begeistern können. In einer zweiten Finanzierungsrunde kam nun die Gesellschaft Mountains Investment AG aus der Schweiz hinzu. Der Dritte Investor ist ein bekannter Medienanwalt.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Mangelnde Zeit und technisches Verständnis. Mein Partner ist weltweit als VJ für Größen wie Sven Väth oder David Guetta unterwegs und verantwortet die visuelle Konzeption für Events wie Timewarp oder Mayday. Ich war bis zur Gründung als Marketing- und Sales-Leiter für das Magazin Penthouse tätig. Beides Jobs, die eine Menge Zeit in Anspruch nehmen. Was die Programmierung einer internationalen Web-Plattform angeht, hätte man mit Sicherheit noch mehr Know-How für die Beta-Version ins Boot holen können.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Dem Verfassen des Businessplans würde ich bestimmt keine 3 Monate mehr schenken. Ein Konzept mit fünf Seiten muss vollkommen reichen um Partner und Investoren von der Idee zu überzeugen. Klar, ein Liquiditätsplan macht darüber hinaus Sinn. Besonders für die Gründer.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Meines Erachtens nach ist klassisches Marketing vollkommen überbewertet und soll in der Regel Produkte verkaufen, die kein Mensch braucht. Bei unserem Angebot ist das anders. Wir treffen auf eine reale Nachfrage und sind weltweit die ersten in dieser Konsequenz. Unser Fokus gilt authentischer PR sowie Viral- und Guerilla-Aktionen. Starten werden wir allerdings erst mit Launch (Juni 2009) von Version 2 der Plattform. Die Konzentration liegt hierbei auf Medien, die weltweit von Early Adoptern und Multiplikatoren genutzt werden.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Niemand, nur mein Ego.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
“Be fearless!!”

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Vielmehr sollte man mit dem Ministerium für Bildung sprechen und den Jugendlichen schon im frühen Alter Mut machen für eigene Ideen und Gedanken einzustehen und bei der Umsetzung Hilfestellung leisten. Das Problem der Deutschen ist doch die Angst in einem bestehenden System nicht zu funktionieren. Strukturen aufbrechen und frei denken!! Wenn ich dann noch auf Herrn von Gutenberg treffe, fände ich folgenden Gedanken spannend: Lehrstehende Fabriken (o.ä.) werden zu Office-Communities und “Begegnungsstätten” für Gründer und junge Unternehmen umgestaltet. Digital Bloom ist aktuell auf einem solchen Gelände. Hier haben wir uns einen alten 200qm Aerobic-Raum zu einem Office-Loft umgebaut. Auf unserem Areal könnte man mehr als 50 Start-Ups unterbringen, die sich gegenseitig pushen. Offene Küchen, Chillout-Areas, Technik-Support, Abendveranstaltungen, Vorlesungen etc. kann mehr bewirken als die ein oder andere finanzielle Unterstützung.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Keine Ahnung. Ich kann mir aktuell wirklich nichts Besseres vorstellen als Digital Bloom.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Bei keinem. Wir konzentrieren uns auf unseren Weg nach vorn.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Mir würde es reichen, 10 Jahre nach vorn zu schauen. Wobei, macht es nicht auch den Reiz des Unternehmertums aus, nicht zu wissen wohin die Reise geht?

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
60% investieren, 30% Altersvorsorge, 10% Cash Flow

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Mit einer Frau im Bett.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Bier mit Richard Branson und Kaffee mit meinem vor über 20 Jahren verstorbenen Großvater.

Zur Person
Hendrik Boeing gründete gemeinsam mit Markos Kern Digital Bloom (www.digitalbloom.com), eine Plattform für den Kauf von digitaler Kunst und Design. Über ihren Dienst wollen die beiden Gründer “anspruchsvolle” Bilder und Videos für Bildschirme aller Art anbieten. Seed-Investor ist Oliver Berger, der Sohn von Roland Berger.

Geboren 1978, studierte Soziologie, Politik und Psychologie an der Freien Universität in Berlin. Erste journalistische Erfahrungen sammelte sie im Jahr 2000 im Onlineressort des Medienfachdiensts “kressreport”. Ein Jahr später zog es sie ins Ruhrgebiet zu “Unicum”. Seit 2008 gehört Veronika Hüsing zum Redaktionsteam von deutsche-startups.de.