Fünfzehn Fragen an Ingo Heinrich von stylefruits

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Wir haben stylefruits als Team konzipiert, gegründet und aufgebaut. Daher sehe ich mich in meiner Geschäftsführerrolle weniger als Chef sondern eher als primus inter […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Wir haben stylefruits als Team konzipiert, gegründet und aufgebaut. Daher sehe ich mich in meiner Geschäftsführerrolle weniger als Chef sondern eher als primus inter pares. An unserer täglichen Arbeit bei stylefruits gefällt mir, dass wir eigene Ideen schnell und effektiv gemeinsam umsetzen können. Das macht sehr viel Spaß und gibt mir große Zufriedenheit, trotz des Unternehmerrisikos, das wir damit eingegangen sind.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Wir haben zuvor bei ProSiebenSat.1 das Beteiligungsmanagement Multimedia aufgebaut und Start-ups wie fem.com, Lokalisten.de, MyVideo.de, wer-weiss-was.de und wetter.com betreut. Primär setzen diese Internet-Unternehmen auf Erlöse aus Display-Werbung sowie Google AdSense. Allerdings wurde uns in der letzten Zeit mehr und mehr bewusst, dass der Trend bei Online-Geschäftsmodellen klar in Richtung eCommerce geht. So kamen wir auf die Idee, in diesem Bereich mit einem eigenem Angebot zu starten. Als Dreh- und Angelpunkt unseres Konzepts haben wir uns schnell auf den Modebereich geeinigt, da die hoch emotionale Frage „Welches Outfit soll ich anziehen?“ natürlich die ideale Spielwiese für neuartige eCommerce-Konzepte bietet.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Zu Beginn Eigenmittel, aber sehr früh in der Gründungsphase konnten wir Creathor Venture als Investor gewinnen.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Auf jeden Fall unsere Finanzierung mitten in der Finanzkrise erfolgreich abzuschließen. Dann natürlich, die mangelnde Fähigkeit sich als Gründer zu klonen und damit begrenzte Ressourcen. So die üblichen Herausforderungen bei einem Start-up.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Unser Launch war wie häufig ein paar Wochen später als geplant, aber an sich verlief unsere Gründungsphase überraschend problemlos. Gut geeignete Büroräume hatten wir sehr schnell gefunden, die Infrastruktur aufgesetzt und die üblichen administrativen Themen ins Laufen gebracht.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Der wohl übliche Mix aus SEM/SEO/PR und Kooperationen funktioniert bei uns sehr gut.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Wir sind als Team ziemlich komplementär, daher war das bei uns eher eine gegenseitige Unterstützung.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Trotz vieler Schwierigkeiten immer die Nerven zu bewahren. Das langfristige Unternehmensziel zwar vor Augen haben, sich aber im Wesentlichen auf die nächsten Schritte konzentrieren.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Unkomplizierte, unbürokratische Regelungen wie beim britischen GmbH-Gegenstück, der Limited, wären für Gründer sicher eine große Hilfe.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Vermutlich weiterhin in der Beteiligungs-/VC-Branche arbeiten, in Internet-Unternehmen investieren und Start-ups bei deren Entwicklung unterstützen.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Ist zwar schon weit mehr als ein Start-up, aber HolidayCheck hat mich schon immer fasziniert – sowohl produktseitig als auch vom Geschäftsmodell her. Das wäre sicher spannend.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Da ich wenig nostalgisch bin, würde ich am liebsten 100 Jahre in die Zukunft reisen. Dann mal sehen, welche Entwicklungsszenarien in Sachen Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft etc. tatsächlich eingetroffen sind.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Wenn die Summe nun spontan zusätzlich zur Verfügung steht, dann würde ich splitten in Investitionen in 2 bis 3 spannende Start-ups sowie in persönliche finanzielle Reserven.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Momentan meistens in unserem stylefruits-Büro, da haben wir eine prima Espressomaschine.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Jeff Bezos von Amazon

Zur Person
Ingo Heinrich gründete 2008 zusammen mit Rainer Saur, Michael Vietze und Mathias Ziegler das Social-Shopping-Portal stylefruits (www.stylefruits.de). Das noch junge Start-up richtet sich an modebewusste Frauen. Diese können sich über die Plattform aus unzähligen Kleidungsstücken und Accessoires, die von Partnershops stammen, individuelle Outfits zusammenstellen. In der angeschlossenen Community dürfen sich die Nutzerinnen zudem durch die Outfit-Kombinationen anderer Userinnen klicken und sich über Stilfragen austauschen. Zuvor hat er das Beteiligungsmanagement Multimedia von ProSiebenSat.1 aufgebaut und warunter anderem zuständig für billiger.de, Fem.com, Lokalisten.de, MyVideo.de, wer-weiss-was.de und wetter.com.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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