Gründungsprozess

Gründungsprozess

1. Begriff: Im Vordergrund der wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive stehen bei der Betrachtung des Gründungsprozesses die einzelnen Phasen, die Entrepreneure bei der Etablierung eines neuen Unternehmens am Markt durchlaufen (Entrepreneurship als ökonomischer Prozess).

2. Merkmale: Ein phasenorientiertes Modell des Gründungsprozesses müsste die folgenden Phase beinhalten:
a) Entwickeln eines profitablen Geschäftsmodells: Der Ausgangspunkt der ersten Phasen in der ökonomischen Darstellung des Gründungsprozesses ist das vage Erkennen einer Gewinnmöglichkeit (die Geschäftsidee). Diese Idee kann durch eine technische Erfindung (Invention) oder aber durch das visionäre Erdenken von neuartigen Handels- oder Dienstleistungsmöglichkeiten entstehen. Die Aufgabe der Entrepreneure ist es, aus diesen ersten Ideen für ein neues Produkt oder eine neuartige Dienstleistung mit Hilfe von systematischen Recherchen und kaufmännischem Kalkül (Gründungskalkül) ein profitables Geschäftsmodell zu entwickeln (Ideenentwicklungsphase).
b) Akquirieren von Ressourcen / Erstellen eines Business Plans: Ist der Entrepreneur bzw. das Gründerteam von der Profitabilität des Geschäftsmodells überzeugt und ist der Entschluss zur Gründung eines Unternehmens gefällt (der Entschluss könnte als eigenständige, von psychologischen Merkmalen geprägte Phase betrachtet werden), beginnt der Prozess des Akquirierens von Ressourcen (z.B. Arbeitskraft, Kapital), da viele Gründer nicht über ausreichende Ressourcen verfügen. Um jedoch Externe, z.B. Kapitalgeber, zu überzeugen, ist es notwendig die Plausibilität des Geschäftsmodells und die zur Erschließung der Gewinnchance geplanten Schritte mit Hilfe eines Business Plans zu kommunizieren.
c) Beginn des Geschäftsbetriebs und das Streben nach Wachstum: Auch diese Phase, die mit dem ersten Marktauftritt beginnt, ist durch Ambivalenzen gekennzeichnet. Einerseits kommt es in dieser Phase auf den sparsamen und zielgerichteten Einsatz der Ressourcen an, andererseits ist wichtig, die Kunden zu erreichen und auf das eigene Angebot aufmerksam zu machen (Zielkonflikt zwischen schneller Profitabilität und schneller Marktdurchdringung). Diese Lösung dieses Zielkonflikts kann umso leichter gelingen, je besser der Entrepreneur das Geschäftsmodell durchdacht hat.
d) Erntephase: In der i.d.R. aus der Investorenperspektive formulierten angelsächsischen Entrepreneurship-Literatur findet sich häufig eine weitere Phase, die als Ernte- oder Ausstiegsphase (Harvest /Exit Stage) bezeichnet wird. Hiermit wird auf die strategische Planung der Realisierung des durch die Unternehmensgründung geschaffenen Unternehmenswertes hingewiesen, die insbesondere für Venture Capitalisits von Bedeutung ist. Aber auch für Entrepreneure kann die klare Ausstiegsoption (z.B. der Verkauf an einen größeren Wettbewerber oder aber „die Ernte“ über ein hohes Gehalt als Geschäftsführer) eine erfolgsversprechende strategische Planungshilfe sein.

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