Michael Kubens von designenlassen.de “Wir haben mit 5.000 Euro Startkapital gegründet”

"Obwohl wir schon sieben Jahre auf dem Buckel haben, fühlen wir uns immer noch als Startup. Das Startup-Label beschreibt für mich eher das Mindset als das Unternehmensalter. Wir versuchen Neuem gegenüber offen zu sein", sagt Michael Kubens von designenlassen.de.
“Wir haben mit 5.000 Euro Startkapital gegründet”

designenlassen.de, ein Online-Marktplatz für Designprojekte, ist den Kinderschuhen schon längt entwachsen – immerhin steuert das Unternehmen aus Nürnberg bereits seinem achten Geburtstag entgegen. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Mitgründer Michael Kubens über Mario-Kart-Junkies, Reisen nach Berlin und den kurzen Dienstweg.

designenlassen.de ging bereits 2008 an den Start. Wie viel Start-up steckt denn noch im Unternehmen?
Gute Frage zum Einstieg, ganz neu sind wir nicht mehr auf dem Markt! Doch obwohl wir schon sieben Jahre auf dem Buckel haben, fühlen wir uns immer noch als Startup. Das Startup-Label beschreibt für mich eher das Mindset als das Unternehmensalter. Wir versuchen Neuem gegenüber offen zu sein und wollen unsere Plattform und die eigene Arbeitsweise immer weiter verbessern. Wir sind nur sechs Leute im Team und haben uns die Startup-Kultur im täglichen Miteinander bewahrt.

Wie sieht das genau aus?
Dazu gehört auch, dass wir als Mario-Kart-Junkies täglich in der Mittagspause an der Wii zocken. Ganz spießig sind wir also noch nicht geworden. Auch unsere Kunden halten uns jung. Die meisten stehen kurz vor der Gründung oder haben gerade gegründet und brauchen eine Erstausstattung was das Design betrifft. Am gefragtesten sind hier Logo-Designs, Namensfindungen, Flyer-Designs und kleinere Webseiten.

Sitz von designenlassen.de ist Nürnberg. Wie wichtig oder unwichtig war der Standort bei der Entwicklung des Unternehmens?
Mein Mitgründer Eugen Sobolewski und ich wohnen beide in Nürnberg und daher haben wir auch hier unseren Firmensitz. Wir finden den Standort genial!

Was zeichnet die Stadt aus?
Es gibt eine lebendige Startup-Szene mit etablierten Playern wie Immowelt oder Hotel.de und einige kleine heiße Startups wie beispielsweise Streetspotr oder eben uns. Man kennt sich, hilft sich und läuft sich ständig über den Weg. Trotzdem kommt man noch zum Arbeiten, denn einen Veranstaltungs-Overkill wird man in Nürnberg nicht erleben. Aber klar, es geht hier provinzieller zu als beispielsweise in Berlin, deswegen kommen wir auch gerne zu ausgewählten Events in die Hauptstadt.

ds-designenlassen

Blicken Sie bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Nun, so allerlei! In der Startphase des Unternehmens waren wir viel zu zaghaft. Als überzeugte Bootstrapper haben wir die Plattform als Nebenbei-Projekt zu unserer damaligen Internet-Agentur gestartet. Doch schon Mitte 2009 war eigentlich klar, dass designenlassen.de richtig Potential hat und wir uns voll darauf konzentrieren sollten. Bis wir uns dazu durchringen konnten, hat es allerdings bis Mitte 2010 gedauert.

Was waren die Folgen dieser zögerlichen Aufbauarbeit?
In der Zwischenzeit war unser damaliger Haupt-Wettbewerber schon ziemlich durchgestartet und wir hatten Mühe, das wieder aufzuholen. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis wir wieder der deutsche Marktführer wurden. Und in der Kommunikation mit der Designer-Community haben wir auch den ein oder anderen Fehler gemacht. Zu Anfang standen viele Designer den Crowdsourcing-Plattformen sehr skeptisch gegenüber und haben uns Ausbeutung und Preisdumping vorgeworfen. Die Hysterie hat sich mittlerweile gelegt, allerdings hätten wir in der Kommunikation einiges besser machen und viel offensiver agieren können.

Und wo haben Sie Ihrer Meinung nach alles richtig gemacht?
Bei der Unternehmensfinanzierung haben wir alles richtig gemacht. Wir haben den Laden 2008 mit 5.000 Euro Startkapital, unserem eigenen Geld, gegründet und sind seitdem organisch und ohne externe Investoren immer weiter aus eigener Kraft gewachsen. Das war sicher die beste Investition, die Eugen und ich je gemacht haben. Die finanzielle Eigenständigkeit ist für uns beide ein tolles Gefühl. Wir wissen natürlich nicht, wie es mit Investoren gelaufen wäre. Was wir aber genießen ist, dass wir alle Entscheidungen schnell auf dem kurzen Dienstweg treffen können, keine Reportings an Externe machen müssen und auch sonst wenig Ablenkungen von unserem Kerngeschäft haben.

Wo steht designenlassen.de in einem Jahr?
Unser Ziel ist es, unseren Vorsprung in der DACH-Region auszubauen, sowie innerhalb Europas weiter zu expandieren und im französischen und niederländischen Sprachraum Fuß zu fassen. Und die Plattform soll natürlich weiterentwickelt werden. Vor allem die Usability soll besser werden.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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