Wahid Rahim im Interview “Im Ruhrgebiet fehlen vor allem digitale Leuchttürme”

"Das Ruhrgebiet verfügt über eine hervorragende Bildungsinfrastruktur und über ein großes Netzwerk an Hochschulen. Im Ruhrgebiet leben fünf Millionen Menschen dicht nebeneinander - so gesehen ist das Ruhrgebiet die größte Stadt Deutschlands", sagt Wahid Rahim, Gründer von RankSider.
“Im Ruhrgebiet fehlen vor allem digitale Leuchttürme”

Das Ruhrgebiet ist mehr als ein Lebensraum, für die Menschen zwischen Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen ist das Ruhrgebiet auch ein Lebensgefühl. Auch Start-ups erblühen im Pott, das bald komplett ohne Zechen auskommen muss, inzwischen vermehrt.

In unserem Themenschwerpunkt Ruhrgebiet beschäftigen wir uns ausgiebig mit Start-ups im schönen Revier – siehe auch “Ist das Ruhrgebiet die nächste Start-up-Hochburg?” und “10 % aller deutschen Start-ups sind in Rhein-Ruhr Zuhause“.

“Eine Startup-Szene gibt es noch nicht”

Im Interview mit deutsche-start-ups spricht Wahid Rahim, Gründer von RankSider, über Mietpreise, Konzerne und fehlende Business Angels.

Wenn es um Start-ups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für das Ruhrgebiet als Start-up-Standort?
Das Ruhrgebiet verfügt über eine hervorragende Bildungsinfrastruktur und über ein großes Netzwerk an Hochschulen. Im Ruhrgebiet leben fünf Millionen Menschen dicht nebeneinander – so gesehen ist das Ruhrgebiet die größte Stadt Deutschlands. Es gibt jede Menge gut ausgebildete Talente und weil der Wettbewerb in der Online-Branche nicht so groß, ist es einfacher gute Mitarbeiter zu finden. Die vergleichsweise niedrigen Mietpreise für Büros tun auch ihr Übriges.

Was macht speziell den besonderen Reiz der Startup-Szene in Essen aus?
In Essen ist man in 10 Minuten im Büro, in 30 Minuten in Düsseldorf und in 15 in Bochum. Es gibt kaum ein Standort in Deutschland, indem so viele Großstädte direkt nebeneinander liegen. Man kann selbst in eine andere Stadt pendeln und die Fahrzeit beträgt trotzdem nicht länger als 30 Minuten. Selbst wenn man in andere Metropolen fahren möchte, braucht man nur paar Stunden – 45 Minuten nach Köln, 30 Minuten nach Düsseldorf, 2 Stunden nach Amsterdam und 3,5 nach Hamburg. Das ist für mich der Reiz des Standorts Essen. Eine Startup-Szene wie in Berlin, gibt es in Essen noch nicht.

Was ist im Ruhrgebiet einfacher als in Berlin – und umgekehrt?
Im Ruhrgebiet ist einfacher gute Mitarbeiter zu finden. In Berlin ist einfacher Mitarbeiter mit Erfahrung in der Online-Branche zu finden. Der Wettbewerb in der Online-Branche und zwischen den Startups ist geringer als in Berlin. Daher ist einfach im Ruhrgebiet gute und motivierte Mitarbeiter zu finden. Die Suche nach Mitarbeitern mit 2 bis 3 Jahren Erfahrung in der Online-Branche gestaltet sich dagegen im Ruhrgebiet viel schwieriger, in Berlin dürfte das etwas einfacher sein. Es ebenfalls einfach im Ruhrgebiet gute und bezahlbare Bürofläche zu finden, denn die Mietpreise sind im Vergleich zu Berlin deutlich niedriger. Der Zugang zum Kapital und zu Business Angels aus der Online-Branche ist hingegen in Berlin etwas einfacher als im Ruhrgebiet.

Was fehlt im Ruhrgebiet noch?
Es fehlen vor allem digitale Leuchttürme im Ruhrgebiet. Das Ruhrgebiet beherbergt schon einige große Konzerne, aber sehr wenige bedeutende digitale Unternehmen. Das führt dazu, dass viele Talente das Ruhrgebiet Richtung anderer Metropolen verlassen. Selbst einige Konzerne, die Ihren Hauptsitz im Ruhrgebiet haben, verlegen ihren ihre digitalen Aktivitäten nach Berlin Berlin – z.B. Funkedigital. Es hat bis jetzt nicht viele Exits gegeben und infolgedessen fehlen gute aktive Business-Angels. Es tut sich aber etwas und vor kurzem gab es mit Employour einen guten Exit in Bochum und – das ist ein gutes Zeichen dafür, dass das Ruhrgebiet auch erfolgreiche digitale Unternehmen hervorbringen kann.

Passend zum Thema: “Start-ups aus dem Ruhrgebiet, die jeder kennen sollte” und “Ruhrgebiet = ‘persönlicher und nicht so oberflächlich’

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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