Markus Bohl von Fineway Kapitalsuche “kompensiert” man mit Nachtschichten

"Die größte Challenge war es, das Timing hinzukriegen, also alle Fundraising-Aktivitäten mit unserer eigenen Traction sowie dem dafür notwendigen Tagesgeschäft zu vereinbaren und alles auf den Punkt durchzubringen", sagt Fineway-Mitgründer Bohl über seine letzte Finanzierungsrunde.
Kapitalsuche “kompensiert” man mit Nachtschichten

Das junge Münchner Start-up Fineway positioniert sich als “Premium Travel Club” und verspricht seinen Kunden “maßgeschneiderte Premiumreisen”. Das Konzept beinhaltet unter anderem eine persönliche Reiseberatung. Bayern Kapital, MairDumont Ventures, das Unternehmen actori cee und “ein Business-Angel-Konsortium” investierten gerade in das Reise-Start-up, das von Markus Bohl und Markus Feigelbinder gegründet wurde. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Fineway-Mitgründer Bohl über Reisekompetenz, Hausaufgaben und Top-Anwälte.

Kürzlich haben Sie in einer Finanzierungsrunde Geld eingesammelt. Nach welchen Kriterien haben Sie ihre potenziellen Geldgeber im Vorfeld ausgesucht?
Wir haben ausschließlich private Investoren und Business Angels angesprochen, die sich für das Thema “Hochwertige Individualreisen” auch aus persönlichen Gründen interessieren. Dann haben wir mit der Bayern Kapital einen Investor akquiriert, der diese Privatinvestoren spiegelt und zu dem wir bereits sehr früh noch vor Ansprache der Angels Kontakt aufgebaut und mögliche Modalitäten abgestimmt hatten. Schließlich haben wir mit MairDumont Ventures noch ganz gezielt einen Investor mit ausgewiesener Reisekompetenz und für uns ziemlich attraktiven Assets angesprochen und schließlich auch für uns gewinnen können.

Wie sind Sie mit Ihren jetzigen Geldgebern in Kontakt gekommen?
Ausschließlich über persönliche Kontakte sowie auf direkte Empfehlung unserer Business Angels.

Was war bei der Finanzierungsrunde die größte Herausforderung?
Die größte Challenge war es, das Timing hinzukriegen, also alle Fundraising-Aktivitäten mit unserer eigenen Traction sowie dem dafür notwendigen Tagesgeschäft zu vereinbaren und alles auf den Punkt durchzubringen – bevor uns das Geld ausgeht. Und natürlich unsere eigenen Vorstellungen bezüglich Finanzierungskonditionen mit denen der Investoren unter einen Hut zu bringen. Beides ist uns aber ziemlich gut gelungen.

Wie muss man sich das Abklopfen der Finanzierungskonditionen vorstellen: Wird da um Geld und Anteile gefeilscht?
Nein. Es ging bei uns – ausgehend von einer im ersten Schritt abgestimmten Unternehmensbewertung und Höhe der Finanzierungstranche – eher um Details wie Liquidationspräferenzen, Vesting, ESOP, Corporate Governance – welche Entscheidungen müssen mit welchen Mehrheiten getroffen werden, etc. Der größte Diskussionsblock war aber das ganze Thema rund um die von den Altgesellschaftern und dem Management abzugebenden Garantien, also wer in welcher Höhe für bestimmte Sachverhalte haftet und wie das im Falle eines Verstoßes sanktioniert wird.

An welchen Stellen musste das Tagesgeschäft denn unter der Arbeit an der Finanzierungsrunde leiden?
Das Closing der Finanzierungsrunde ist einfach sehr zeitaufwändig und erfordert hohe Management Attention. Diese Ressourcen fehlen dann im Tagesgeschäft, bei uns betraf das insbesondere die Produktentwicklung und die Vertriebsaktivitäten. Wir haben das – wie vermutlich in vielen jungen Unternehmen – durch nochmals höheren Arbeitseinsatz mit Nachtschichten und Wochenendarbeit kompensiert. Sodass das Tagesgeschäft im Endeffekt nicht gelitten hat, sondern eher unser Privatleben.

Wie lange haben Sie insgesamt gebraucht, um die aktuelle Finanzierungsrunde abzuschließen?
Circa sechs Monate.

Was raten Sie anderen Gründern, die Kapital suchen?
Macht Eure Hausaufgaben, also bereitet alles für Due Diligence und Co. perfekt auf und habt das jederzeit parat, sucht Euch einen Hausaufgaben, den wir Gott sei Dank hatten, plant genug Zeit ein – bis zu einem Jahr würden wir ansetzen – und sprecht sehr gezielt genau die Investoren an, die zu Euch, Eurem Geschäftsmodell und Eurer Situation passen. Und sucht Euch Angels, die Euch wie bei uns helfen, die richtigen Investoren zu identifizieren und für Euch zu gewinnen.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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