15 Fragen an Oleksandr Ivanov von Rivalfox “Wenn etwas nicht klappt, lernt man daraus”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Oleksandr Ivanov von Rivalfox.
“Wenn etwas nicht klappt, lernt man daraus”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
An Dingen zu arbeiten, die von vielen Menschen genutzt werden ist das beste Gefühl. Dabei aber die Freiheit zu haben unternehmerische Entscheidungen zu treffen ist der Reiz. Man kann Sachen ausprobieren, wenn etwas nicht klappt lernt man draus und probiert etwas anderes aus. Außerdem war meine Mutter selbstständig als ich klein war und so war das schon früh klar, dass ich es probieren möchte.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die Idee kam uns in unserem letzten Startup BookitNow! als wir weltweit um die 8 direkte Wettbewerber hatten. Wir waren extrem neugierig drauf was die Wettbewerber an neuen Features im Produkt haben, welche Marketingaktivitäten diese weltweit machen und was wir daraus für uns lernen können.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Das Kapital stammt am Anfang von 7 Business Angels, später kam dann Kima Ventures dazu. Anschließend haben wir die Mittel vom BFB Frühphasenfonds (gemanaged von bmp) bekommen.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Am Anfang war es die größte Herausforderung zu verstehen welcher Bereich der Competitive Intelligence wir mit unserem Produkt abdecken. Es ist ein sehr breites Feld, wodurch man unterschiedliche Zielgruppen bedienen kann. Nach einiger Zeit haben wir unseren Fokus dann auf die Marketingaktivitäten der Wettbewerber gelegt. Weitere Herausforderung war es gute Entwickler zu finden, bzw. gute Leute im Allgemeinen, so etwas kostet einfach Zeit und man unterschätzt es leicht.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich würde definitiv mehr und intensiver mit unseren potenziellen Kunden sprechen. Gerade am Anfang sollte man sich in B2B 5-10 Kunden aufbauen, mit den man immer sprechen kann. Dies hilft ungemein bei der Produktentwicklung. Auch würde ich das Produkt viel früher an die Kunden bringen und es nicht perfekt machen wollen, sondern erste Version rausbringen und kontinuierlich verbessern.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Ich glaube in jeder Phase eines Start-ups, funktionieren teilweise unterschiedliche Sachen. Deswegen probieren wir vieles aus, konzentrieren uns dann aber meistens auf max. 3 Sachen die am besten funktioniert haben. Nach einiger Zeit machen wir wieder Experimente und wählen dann wieder 3 Sachen aus. Im Moment sind dies für uns im SaaS – PR, datengetriebenes Content Marketing(wir nutzen unsere Daten für Artikel und Reports) und SEO.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Am meisten hat uns bei der Gründung der Claude Ritter(BookaTiger, Delivery Hero) unterstützt. Der Claude war begeistert von der Idee und hat uns am Anfang beim Produkt und später bei der Investorensuche sehr intensiv geholfen.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Kundennähe, Fokussierung und ständiges Recruiting nach guten Leuten sind die 3 wichtigsten Sachen in einem Startup. Es ist nichts neues, doch man lässt sich manchmal viel zu einfach von den alltäglichen Dingen einsaugen und die Gefahr den Fokus zu verlieren ist groß. Daher immer an die 3 Sachen denken.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich würde mir wünschen, dass es einfacher wird ein Unternehmen zu gründen in Deutschland und es weniger bürokratische Dinge gibt, die einen als Gründer gerade am Anfang sehr aufhalten. Am Anfang, wo man noch gar nicht weiß, wo die Reise hingeht, muss man trotzdem genauso viel Aufwand betreiben wie später. Da kann sich eine simple GmbH Eintragung über Monate hinziehen und andere operative Sachen beeinflussen. Außerdem würde ich mir ein zeitgemäßeres Agieren seitens der staatlichen Institutionen wünschen. So ein Quatsch wie Netzneutralität sollte gar nicht erst ernsthaft aufkommen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Als ich noch studiert habe, wollte ich schon immer nach New York gehen und Investmentbanker werden. Mittlerweile realisiere ich was für eine schlechte Idee das war, also würde ich wahrscheinlich in einem Unternehmen im Marketing arbeiten und daran denken, dass ich ein Startup gründen sollte!

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Soundcloud finde ich spannend, da die ein tolles weltweit erfolgreiches Produkt aufgebaut haben. Auctionata finde ich auch sehr interessant, da sie in so kurzer Zeit so schnell gewachsen sind. International würde ich am liebsten bei Hubspot mir die Prozesse und die Arbeitskultur anschauen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Definitiv in die Zukunft, so 1000 Jahre von jetzt an, es wäre sehr spannend zu sehen wie sich die Welt verändert hat. Auch interessant ob man mit dem heutigen Wissen die Welt noch einigermaßen begreifen kann. Und dann sehen was aus den ganzen Unicorns von heute geworden ist.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Eine gute Mischung aus: ins eigene Unternehmen investieren, andere Startups unterstützen, Reisen und Immobilien.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Viel Zeit mit meiner Frau und Freunden verbringen und ansonsten Sport und Sachen erledigen für die man sonst keine Zeit in der Woche hat.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Jason M. Lemkin – der zwei super erfolgreiche SaaS Startups verkauft hat und den erfolgreichen SaaStr Blog führt.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Oleksandr Ivanov studierte Informatik und Wirtschaftsinformatik. Vor Rivalfox gründete er bereits die Hotelbuchungsplattform BookitNow! Als er die Markteinführung eines Konkurrenten verpasste, bekam er die Idee zu Rivalfox. Während seines Studiums arbeitete er für eine IT-Sicherheitsfirma, für die er Marketing- und Business-Intelligence-Systeme entwickelte.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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