15 Fragen an Simon Fabich “Du solltest dich mit Leuten umgeben, die dich inspirieren”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Simon Fabich von Monoqi.
“Du solltest dich mit Leuten umgeben, die dich inspirieren”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Für mich ist es wichtig, meine Prioritäten frei setzen zu können und damit konsequent das zu tun, was ich für entscheidend halte. Außerdem sind meine bevorzugten Arbeitszeiten für ein Angestelltenverhältnis nicht immer passend, spät abends oder nachts bin ich besonders produktiv.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Als ich nach vielen Jahren im Ausland in meine Heimat Berlin zurückgekommen bin, habe ich entdeckt, wie viele talentierte Designer es hier gibt, die herausragende Produkte herstellen. Diese bekommen aber am Markt häufig zu wenig Sichtbarkeit – zum Nachteil der Designer und der potenziellen Konsumenten. Dafür wollte ich einen Kanal schaffen.

Die Verbindung mit einem enormen nationalen und internationalen Marktpotenzial sowie die Möglichkeit, eine Branche neu zu strukturieren, haben mich und meinen Mitgründer Felix Schlegel zur Gründung von Monoqi inspiriert.

Außerdem war es schon immer ein Traum, eine erfolgreiche Firma aufzubauen. Zudem konnte ich gleichzeitig meine Neigung zur Kreativität und Ästhetik mit Monoqi verbinden.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Als wir anfingen, haben wir eigenes Kapital eingebracht. Nach den ersten Monaten, in denen Felix und ich unser Erspartes in die Firma gelegt hatten, konnten wir einige Angel Investoren aus der Venture- und Design-Szene begeistern. Nachdem wir unsere Marke stärker etabliert hatten, wurde der US-Verlag Condé Nast auf uns aufmerksam und ist als strategischer Partner und Hauptinvestor eingestiegen.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Ein erster Stolperstein war der Wettbewerb. Nahezu zeitgleich mit uns sind gewaltige Konkurrenten in den Markt eingetreten, das war schon herausfordernd zu Beginn. Nicht ohne waren auch der Aufbau der Website, der Systeme und der technischen Infrastruktur. Felix und ich hatten beide nur eingeschränkte Erfahrungen auf diesem Gebiet und haben intensiv nach der perfekten Ergänzung für unser Team gesucht.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich würde noch früher Mentoren für verschiedene Bereiche hinzuziehen. Mittlerweile haben wir eine Reihe großartiger Unterstützer und Berater. Gerade am Anfang ist es aber hilfreich, von den Erfahrungen anderer zu lernen, um einfach ein paar Fallen zu umgehen und schneller auf Erfolgskurs zu kommen.

Außerdem würde ich darauf achten, das Führungsteam so aufzustellen, dass alle wichtigen Entwicklungsbereiche abgedeckt sind, also zum Beispiel auch einen genialen Developer ins Team aufzunehmen, falls das eigene Know-how nicht ausreichend vorhanden ist.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Vor allem mit unserem klaren Branding-Approach haben wir uns die Basis des Erfolgs geschaffen. Wir waren von Beginn an äußerst konsequent in unseren Marken-Werten und hatten immer einen hohen ästhetischen Anspruch in unserem gesamten Auftreten – von den Produkten bis hin zur visuellen Darstellung.

Auch die strategische und schrittweise Erschließung der Kundenzielgruppe war für uns besonders wichtig – jeweils mit dem entsprechenden Content und dem richtigen Targeting über PR und Performance Kanäle. Und die aufgebauten Beziehungen pflegen wir: Unser größtes Asset in diesem Kontext ist unser Newsletter, für den sich die Mitglieder anmelden. Die regelmäßige Inspiration, die wir damit liefern, sorgt für sehr hohe Öffnungsraten, extrem starkes Engagement und entsprechende Umsätze.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Ganz klar mein Co-Founder Felix Schlegel. Für uns beide war alles Neuland und wir haben uns mit geballter Kraft unterstützt wo es nur ging. Nie hat einer gesagt: „That’s not my job“. Gleichzeitig haben uns einige Angel Investoren mit Kontakten, Marketingpartnerschaften und vielem mehr unterstützt. So hatten wir beispielsweise ganz am Anfang das Glück, mit dem Team von DCM mehrere Kooperationen zu Film-Premieren durchführen zu können. Zudem konnten wir über Rolf Sachs wertvolle Kontakte zu Designern knüpfen. Christophe Maire hat uns mit Kontakten zu Investoren immer wieder unterstützt.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Tu etwas, bei dem Du Deine Leidenschaft einbringen kannst! Ich kenne so viele Leute, die arbeiten, um irgendwie Erfolg zu haben, und dabei vollkommen ihre Leidenschaft aus den Augen verlieren. Zwar kann man auch so Geld verdienen, aber nicht unbedingt darin aufgehen. Bei Gründern ist das besonders relevant, da die Firma einen sehr langen Zeitraum Deines Lebens beanspruchen kann.

Außerdem solltest Du Dich mit Leuten umgeben, die Dich inspirieren und die ähnliche Werte und Maßstäbe haben. Wir sind von Anfang an auch immer zu den branchenrelevanten Veranstaltungen gegangen, hier lernt man viele interessante Leute kennen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich bin für einen größeren Teil meines Studiums und meiner ersten beruflichen Schritte nach Asien gegangen, unter anderem, um dort das Klima der Dynamik und Geschwindigkeit zu erleben. Bei uns wirkt es im Vergleich dazu doch sehr verschlafen.

Deshalb würde ich mir manchmal bessere strukturelle Rahmenbedingungen wünschen, die es ermöglichen, mehr Risiko eingehen zu können und mehr Mut zur Veränderung zu haben. Das kann mit erleichterten Startbedingungen für neue Firmen anfangen wie beispielsweise weniger juristischen und Berichtshürden in der frühen Entwicklung.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich hätte sicherlich ebenfalls die Verbindung aus Kreativität und Business gesucht – in diesem Kontext bin ich einfach gut. Neben Design liebe ich auch Musik, vielleicht hätte ich diese Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Abgesehen von inhaltlichen Themen finde ich extrem dynamische Skalierung und Internationalisierung als Themenkomplex interessant. Daher fände ich derzeit z.B. Delivery Hero oder HelloFresh spannend.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
In die Zeit um den Mauerfall. Leider war ich damals noch zu jung, aber ich glaube, die Zeit muss elektrisierend gewesen sein.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Unmittelbar in Monoqi investieren. Ernsthaft.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Definitiv in der Natur. Auf dem Land, am See oder am Meer, Hauptsache Landschaft und schöne Weiten um mich herum. Mich hat es schon immer rausgezogen.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Ich hätte gern Gunther Sachs zu Lebzeiten kennengelernt. Die Verbindung seines Lifestyles mit seinem wirtschaftlichen Verstand und ästhetischen Weltbild hat mich schon immer fasziniert. Umso mehr, seitdem ich Rolf Sachs kenne und ihn als Mensch und Investor sehr schätze.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Simon Fabich gründete 2012 gemeinsam mit Felix Schlegel Monoqi. Fabich studierte in St. Gallen, Shanghai und Singapur Strategy & International Management und Sinologie und lebte drei Jahre in China. Danach sammelte er Berufserfahrung bei verschiedenen Beratungsfirmen, darunter PricewaterhouseCoopers, Roland Berger Strategy Consultants und Atlantic
Ventures.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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