Gastbeitrag von Jonas Schmutzler Crowdsourcing: So profitieren Start-ups

Gründer kennen das Problem: Die Idee ist konkretisiert, das Unternehmen gegründet – jetzt kann es losgehen! Doch oft trifft der Alltag trotz sorgfältiger Planung Gründer wie Angestellte. Crowdsourcing bietet hier die Lösung: Die Aufgaben werden einfach an die Crowd ausgelagert.
Crowdsourcing: So profitieren Start-ups

„Do what you can do best – outsource the rest“ – dieses alte Sprichwort ist noch immer aktuell. Sich auf das zu konzentrieren, was man wirklich kann und den Rest auszulagern ist besonders für Startups überlebenswichtig. Mit Crowdsourcing wird das klassische Outsourcing-Prinzip ins 21. Jahrhundert transportiert und um viele Anwendungsmöglichkeiten erweitert. Wie man mit Crowdsourcing Zeit und Geld spart, was möglich ist und wie man es erfolgreich implementiert, zeigt dieser Beitrag.

Gründer kennen das Problem: Die Idee ist konkretisiert, das Unternehmen gegründet, passendes Personal eingestellt – jetzt kann es losgehen! Doch oft trifft der Alltag trotz sorgfältiger Planung Gründer wie Angestellte. Aufgaben wie Texte schreiben, Daten pflegen oder neue potenzielle Kunden finden – all das kostet sehr viel Zeit und ist nicht motivierend. Es lenkt von den eigentlichen Aufgaben ab, die gerade in der Gründungsphase Priorität genießen sollten: Wie vermarkte ich meine Innovation am besten? Der nächste Pitch steht an, Geschäftspartner wollen gefunden werden. Trotzdem sind die ungeliebten Aufgaben wichtig für den Erfolg. Crowdsourcing bietet hier die Lösung: Die Aufgaben werden einfach an die Crowd im Internet ausgelagert – das Stammpersonal kann sich auf das konzentrieren, was es am besten kann.

Was ist Crowdsourcing?

Crowdsourcing wird als Auslagern interner Aufgaben an eine Masse von Menschen definiert. Es steht, wie der Name vermuten lässt, dem Outsourcing sehr nahe, übernimmt von diesem das Grundprinzip. Die Aufgaben werden aber nicht einigen wenigen in anderen Firmen übergeben, sondern mehreren zehntausend selbstständigen Nutzern auf spezialisierten Plattformen im Internet bereitgestellt. Die in kleine Mikrotasks zerteilten Aufgaben können dann schnell und einfach bearbeitet werden – der Auftraggeber bekommt die fertigen Daten schnell zurück und kann sie sofort verwenden. Auch eine direkte Einbindung mittels API-Schnittstelle ist oft möglich.

Ermöglicht wurde diese Form der Arbeitsteilung erst durch das Aufkommen des Internets. Einen ersten öffentlichen Hype bekam Crowdsourcing 2006 durch die Erwähnung von Jeff Howe im Wired-Magazin. Die erste Plattform ging 2005 in den USA online, die ersten deutschen Anbieter gründeten sich um 2010. Die Entlohnung ist dabei unterschiedlich und abhängig von Umfang, Schwierigkeit und Dauer der Aufgabe: Von wenigen Cents bis hin zu mehreren Tausend Euro pro Aufgabe reicht die Spanne.

Die Aufträge werden über spezielle Plattformen abgewickelt. Wenngleich die Plattformen alle nach dem Crowdsourcing-Prinzip arbeiten, gibt es bei der Umsetzung Unterschiede: Einige setzen darauf, dass die Auftraggeber ihre Aufträge selber online stellen, betreuen und final auswerten. So kann der Vorteil des Crowdsourcings, nämlich Zeit und Geld zu sparen, wieder zunichtegemacht werden. Andere Anbieter bieten einen Full-Service: Hier betreut die Plattform den gesamten Prozess, der Auftraggeber bekommt am Ende die aufbereiteten Daten geliefert und muss sich nicht um Abwicklung, Betreuung und Qualitätssicherung kümmern. Der Self-Service bietet sich lediglich bei kleineren Volumen an. Bei großen Aufträgen sollte man auf Full-Service-Anbieter und die Erfahrung der Operation-Manager_Innen vertrauen.

Während dieses Paid Crowdsourcing genannte Prinzip vor allem in den Bereichen Datenbearbeitung, Recherchen, Texterstellung, Transkriptionen, Grafik/Design und Softwaretesting eingesetzt wird, gibt es noch unbezahltes Crowdsourcing: Viele gemeinnützige Organisationen setzen auf die Freiwilligkeit der Masse im Internet, beispielsweise um den Amazonas zu kartografieren oder beschädigte Gebäude im ukrainischen Kriegsgebiet zu identifizieren.

Viele Internetnutzer werden indes ohne es zu merken zum Crowdworker: Die Captchas, die man bei Google eingeben muss (kurze Zahlen- oder Wörterfolgen, werden verwendet, um zu entscheiden, ob das Gegenüber ein Mensch oder ein Computer ist), werden für den Googledienst „Books“ genutzt.

Was kann man mit Crowdsourcing machen?

Prinzipiell kann jede Aufgabe per Crowdsourcing bearbeitet werden, die sich online bereitstellen lässt. Am häufigsten wird Crowdsourcing in den Bereichen Texterstellung, Datenbearbeitung, Recherche und Grafik eingesetzt. Mittlerweile kann man seinen gesamten Kundenservice an die Crowd abgeben, mittels mobile Crowdsourcing können Vor-Ort-Recherchen durchgeführt werden und Unternehmen können vorab durch die Crowd testen lassen, wie erfolgreich ein neues Produkt sein könnte. Es geht aber nicht ausschließlich um das reine Auslagern der Prozesse – auch der Zugriff auf eine globale Arbeiterschaft mit ihren vielen unterschiedlichen Stärken und kreativen Köpfen ist für Auftraggeber interessant. Besonders bei Vorabtests oder beim aktiven Einbeziehen der Crowd ist auch ein gewisser Werbeeffekt nachweisbar. Bei solch öffentlichen, auf Partizipation ausgelegten Crowdsourcing-Projekten, ist eine einwandfreie Planung unabdingbar. Online kann man sich sonst, wie beispielsweise 2011 Pril, schnell den Zorn der Crowd einfangen.

Vorteile für Startups

Gerade bei Startups ist eines wichtig: kalkulierbare Kosten. Besonders in den Anfängen ist das schwierig. Hier kann Crowdsourcing seine Stärken ausspielen. Gründer haben oft eine Vision – aber nicht die richtigen Leute zur Hand, welche die handwerklichen Aufgaben übernehmen. Die Personalkosten sind für neu gestartete Unternehmen der größte Kostenfaktor – sie können das Unternehmen in der Anfangsphase schnell an den Rand des Konkurses bringen. Crowdsourcing ist skalierbar und flexibel einsetzbar. Gezahlt wird nur für tatsächlich erbrachte Leistungen – Festanstellungen sind nicht notwendig. Interessant ist vor allem auch der fast unerschöpfliche Pool an Personen: Grafiker, Texter, Programmierer, Designer – sie alle befinden sich in der Crowd.

An einem Beispiel veranschaulicht könnte das so aussehen: Ein Startup möchte den Markt für lokale Lebensmittel revolutionieren. Die Bauern stehen in direktem Kontakt mit den Konsumenten, auf große Handelsketten wird komplett verzichtet. Bestellt wird mittels Webseite oder App direkt beim Erzeuger, die Waren werden von Logistikpartnern direkt an die Haustür geliefert.

Für das Geschäftsmodell wird also Folgendes benötigt:

  • Personen, die an einem solchen Service interessiert sind
    Das Geschäftsmodell kann bereits vor dem Launch mittels Crowdsourcing getestet werden. Anpassungen am Geschäftsmodell sind jetzt noch leicht umzusetzen. Auch kann geprüft werden, wie viele Festangestellte nötig sind – und welche Aufgaben man crowdsourcen kann
  • Bauern, die an einer Kooperation interessiert sind
    Die Crowd recherchiert bundesweit Bauern nach bestimmten Kriterien (Bio-Zertifizierung, Unternehmensgröße, Fairtrade, Regionalität etc.). Das Startup erhält vom Crowdsourcing-Dienstleister die Liste mit den Daten und kann die Bauern direkt kontaktieren
  • Logistik- und Lieferunternehmen
    Die Crowd recherchiert auch hier nach bestimmten Kriterien – das Startup bekommt eine Liste zur direkten Ansprache
  • Eine Webseite & App
    Die Crowd erstellt beides (technische Umsetzung, Grafik & Design, Content, Testing)
  • Die ständige Betreuung und Erweiterung des Contents
    Gerade für Marken, die keinen stationären Handel betreiben, ist die Sichtbarkeit im Internet enorm wichtig. Dies erreicht man u.a. durch einzigartige Inhalte wie Blogtexte, FAQs, Lexika oder in unserem Beispiel mit Rezepten. Mittels Crowdsourcing werden diese fortlaufend, mit geringen Kosten und skalierbar bereitgestellt. Auch neue Produkte verschlagworten, Produktbilder taggen oder Inhaltsstoffe der Lebensmittel recherchieren sind klassische Crowdsourcing-Aufgaben

Aber auch im reinen e-Commerce kann Crowdsourcing überzeugen. An einem Beispiel verdeutlicht könnte das so aussehen: Ein Startup möchte mittels App und Webseite Kleidung verkaufen. Durch Crowdsourcing kann sich das Gründerteam Wettbewerbsinformationen zusammentragen lassen und im Detail schauen, was die Konkurrenz wie macht. Daraufhin kann der USP des Startups konkretisiert werden – was macht die Konkurrenz nicht gut genug, wo könnte der Schlüssel zum Erfolg liegen? Ein wichtiges Kriterium, nicht zuletzt auch bei möglichen Investoren.

App und Webseite werden mittels Crowdsourcing erstellt und betreut, neue Leaddaten recherchiert die Crowd ebenso. Täglich müssen im Hintergrund Hunderte, wenn nicht sogar Tausende, neue Modeprodukte kategorisiert und komplettiert werden – eine Aufgabe wie gemacht fürs Crowdsourcing! Genau wie die Erstellung einzigartiger Texte. Sie sind notwendig, um in den Suchmaschinen Relevanz zu erzeugen und potenzielle Kunden anzulocken. Crowdsourcing ist bei diesen Aufgaben die erste Wahl – ohne Fixkosten, ohne Mindestabnahme, ohne Festangestellte. Die Kosten bleiben überschaubar, die Qualität ist hoch. Der gesamte Prozess ist flexibel und skalierbar und daher ideal für sich schnell verändernde Umgebungen wie Startups!

Crowdsourcing hilft, langwierige und wenig herausfordernde Aufgaben abzugeben und den Fokus auf das zu setzen, was für den betrieblichen Erfolg wirklich wichtig ist. Startups bekommen beispielsweise Listen mit möglichen Vertriebspartnern direkt geliefert – im Vorfeld wird dabei mit dem Crowdsourcing-Dienstleister besprochen, welche Kriterien die Kontakte brauchen. So wird nicht nur viel Geld gespart, das Startup kann sich auch sicher sein, dass alle Kontakte qualifiziert und individualisiert sind. Preislich werden klassische Adressverkäufer unterboten – und das bei voller Aktualität der Daten, da diese immer nur nach Kundenwunsch live gesammelt werden.

Fest steht: So gut wie jede Aufgabe kann man crowdsourcen. Sollte nicht einmal die Geschäftsidee zu 100% stehen, kann sogar diese gecrowdsourct werden!

Und auch für die Phase nach dem erfolgreichen Launch ist Crowdsourcing ideal: Der Unternehmensblog muss mit Inhalt gefüllt werden, neue und angepasste Vertriebsdaten sind nötig, App & Webseite müssen gepflegt, Werbematerialien erstellt werden. Alles, was mittels Crowdsourcing erstellt wurde, geht bei seriösen Anbietern in den Besitz des Auftragnehmers über: Originalgrafiken werden geliefert, Text kann beliebig verändert werden. Das Copyright hält das Startup, nicht die Crowdsourcing-Plattform oder der Crowdworker.

Was vor ein paar Jahren noch für viel Geld bei vielen verschiedenen Unternehmen beauftragt werden musste, können heute wenige Plattformen in kurzer Zeit und für sehr viel geringere Kosten aufbauen und betreuen.

Zusammengefasst bietet Crowdsourcing:
* Schnelle Bearbeitung von Texten, Daten, Recherchen, Grafik, etc.
* Schnelle Verfügbarkeit einer großen Masse von Selbstständigen
* Skalierbare Kosten
* Einen großen Stamm an Wissen aus unterschiedlichen Alters- und Gesellschaftsschichten
* Die Möglichkeit theoretisch ein gesamtes Unternehmen mittels Crowdsourcing aufzubauen (Ideenfindung, Content, Vertrieb, Kundenbetreuung)
* Schon vor dem Launch die Möglichkeit mittels Crowd zu testen, ob es für die Idee einen Markt gibt

Fazit

Crowdsourcing als skalierbare Lösung ist ein nützliches Tool um Kosten und Zeit zu sparen. Je nach Umfang des Projektes sollten Sie auf ein Self-Service-Tool verzichten, gerade bei großen Projekten ist dies nicht ratsam – kontaktieren Sie die Plattform direkt; im persönlichen Gespräch kann auf Ihre Wünsche und Ziele besser eingegangen werden. Fehler werden vermieden, Sie sparen Geld und Zeit und bekommen ein besseres Ergebnis.

Je konkreter Ihre Anforderungen sind, desto größer ist die Chance, dass das Crowdsourcing-Projekt ein Erfolg wird. Umsetzbar ist beim Crowdsourcing fast alles – je genauer Sie wissen, was Sie möchten, desto erfolgreicher wird das Projekt.

Wenngleich Crowdsourcing eine relativ neue Dienstleistung ist, gibt es schon jetzt viele Anbieter. Diese sind meist auf bestimmte Dienstleistungen wie Texterstellung, Grafiken oder Datenbearbeitung spezialisiert. Gerade bei der Content-Erstellung, Daten und Recherchen sollten Sie einen einheimischen Anbieter mit Erfahrung wählen. Für deutsche Texte oder im DACH-Gebiet recherchierte Vertriebsdaten sind deutschsprachige Anbieter die beste Wahl. Fragen Sie beim Anbieter nach, wie sich die Crowd zusammensetzt.

Passend zum Thema: “Crowdsourcing – Do’s and Don’ts

Zur Person
Jonas Schmutzler ist PR & Marketing-Manager bei Crowd Guru. Crowd Guru ist einer der führenden deutschen Crowdsourcing-Anbieter und seit Jahren im DACH-Raum aktiv. Zu den Dienstleistungen des Berliner Unternehmens gehören u.a. Texterstellung wie Blog-Artikel, SEO-Texte, Datenbearbeitung und Recherchen, beispielsweise für Vertriebsdaten.

Foto: Tagcloud – Crowdsourcing from Shutterstock

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