Gastbeitrag von Maren Fliegner Die ganz große Mär von der Startup-PR

Der Begriff Startup-PR suggeriert, dass die Agentur spezielle Tools, Werkzeuge und Strategien für junge Unternehmen parat hat. Dabei kommen auch hier die klassischen PR-Instrumente zum Einsatz. Und das ist auch wichtig: Professionelle PR behandelt alle gleich – egal ob Großkonzern oder Start-up.
Die ganz große Mär von der Startup-PR

„Ich arbeite in einem Startup.“ Diesen Satz hört man in Berlin immer häufiger. Die deutsche Hauptstadt hat sich nach London zum wichtigsten europäischen Hub für Jungunternehmer im digitalen Bereich entwickelt. Kreativ und leidenschaftlich machen sich die Startups daran, ihre innovativen Ideen in Geschäftsmodelle zu gießen. Da bei vielen Startups das Geld zwar knapp, die Not zur Aufmerksamkeitsgenerierung aber umso größer ist, betreiben viele Startups professionelle Public Relations via eine externe Agentur. Kein Wunder, also, dass ein ähnlich oft gehörter Satz in Berlin lautet: „Wir machen Startup-PR.“ Natürlich übernehmen Agenturen die Pressearbeit für Startups. Mit dem Begriff „Startup-PR“ wird allerdings suggeriert, dass es sich hierbei um ein spezielles Fachgebiet handelt. Warum dies nicht so ist und warum das auch gut ist, soll im weiteren Verlauf erläutert werden.

Was ist Startup-PR?

Menschen sind bekannt für ihr Schubladendenken. Dies gilt nicht nur, wenn wir neue Personen kennenlernen, sondern auch im Business-Bereich. Betreibe ich ein Modelabel, so brauche ich – ganz klar – eine Mode-PR-Agentur. Habe ich ein Startup, so brauche ich konsequenterweise eine Startup-PR-Agentur. So weit, so falsch. Bei der Mode geht es auch um Mode – eine spezialisierte Agentur kann also sinnvoll sein. Im Startup-Bereich ist dies nicht so einfach: Die Tätigkeitsfelder variieren so stark, dass von einer „Startup-PR“ kaum die Rede sein kann. Unter dem Begriff Startup werden verschiedenste Unternehmen zusammengefasst; vom E-Book-Shop über die Fitness-App bis hin zum Anbieter digitaler Lösungen zur Conversion-Rate-Optimierung. Einzige Gemeinsamkeit ist ihr junges Alter. Eine „Startup-PR“ kann es also nicht geben. So verheißungsvoll der Begriff für potenzielle Kunden auch klingen mag, so wenig hat er eine Basis. Aus diesem Grund ist es viel seriöser davon zu sprechen, PR für Startups zu machen.

Ist ein Startup schlechter als ein arriviertes Unternehmen?

Gebe es eine originäre „Startup-PR“ so würde dies heißen, dass die Agentur junge Unternehmen anders kommunizieren würde, als arrivierte Unternehmen. Doch warum sollte ein einjähriger Onlineshop anders kommuniziert werden als ein sechsjähriger? In der PR sollte in diesem Bereich Demokratie herrschen. Ein Startup ist nicht besser oder schlechter als ein Unternehmen, das schon länger am Markt agiert. Beide haben ein Anrecht auf die bestmögliche Beratung und individuelle Strategieentwicklung. Die jeweils umzusetzende Strategie macht letztlich den Unterschied aus. Aber auch hier gibt es keine genuine Startup-Strategie, sondern individuelle Konzepte, die nicht nur danach entwickelt werden, wie lange ein Unternehmen bereits am Markt ist. Und auch bei der operativen Umsetzung kann man keine „Startup-PR“ erkennen. Zwar werden gezielt Medien angesprochen, die auf Startups spezialisiert sind, diese machen aber eben nur einen begrenzten Teil der angesprochenen (Medien-)Öffentlichkeit aus.

Gibt es denn gar keinen Unterschied?

Jedes Unternehmen verlangt ein individuell maßgeschneidertes Kommunikationskonzept – unabhängig von seinem Alter. Es gibt natürlich einige Besonderheiten, die meist auf Startups zutreffen – aber längst keine Allgemeingültigkeit haben, aus der man eine „Startup-PR“ ableiten könnte. Häufig ist das Budget der jungen Unternehmen eher gering, weshalb größere PR-Aktionen nicht umsetzbar sind. Dies gilt für viele KMUs allerdings auch. Auch sind Startups meist darauf angewiesen, dass sie durch die PR möglichst schnell mediale Aufmerksamkeit erlangen. Doch dies ist eher eine Herausforderung an die Agentur, Gas zu geben anstatt ein Alleinstellungsmerkmal. Junge Unternehmer benötigen oft eine intensivere Beratung als erfahrene Geschäftsmänner, dafür sind die Abstimmungswege in kleineren Unternehmen oft kürzer. Auch diese Umstände haben auf die PR-Arbeit in ihrer Gesamtheit allerdings nur marginale Effekte.

Was heißt dies nun in der Realität?

Der Begriff der Startup-PR suggeriert dem Kunden, dass die Agentur spezielle Tools, Werkzeuge und Strategien für junge Unternehmen parat hat. Dabei kommen auch hier die klassischen PR-Instrumente zum Einsatz. Und das ist auch wichtig: Professionelle PR behandelt alle gleich – egal ob internationaler Großkonzern oder junges Einzelunternehmen. Die jeweils erdachte, individuelle Strategie und ihre Umsetzung machen den Unterschied. Also: „Wir machen PR für Startups, keine Startup-PR.“

Passend zum Thema: “Der Start in die eigene Pressearbeit: 10 Tipps für Start-ups

ds-Maren-Fliegner-200Zur Person
Maren Fliegner ist Geschäftsführerin und Gründerin von m3 PR. Bereits während ihres Studiums hat sie sich mit PR auseinandergesetzt. Danach sammelte sie in unterschiedlichen Agenturen Erfahrungen, bevor sie im Juni 2011 mit m3 PR ihre eigene PR-Agentur gründete, die sich schwerpunktmäßig auf Kunden aus dem Online-Bereich konzentriert.

Foto: Word PR on newspaper. Wooden letters from Shutterstock
  • Heiko Lammers

    Richtig und falsch!

  • http://www.cleantechmedia.de cleantechmedia

    Eher falsch als richtig. Startup-PR für Cleantech-Unternehmen unterscheidet sich natürlich von PR für größere Unternehmen. Das betrifft aber vor allem die Arbeitsteilung zwischen Agentur und Kunde zB. Eine Pressemitteilung sollte immer gut geschrieben sein und vernünftig über das Kontaktnetzwerk vermarktet werden. Bei uns nennen wir den Dreiklang Content – Channel – Contacts.

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