Gastbeitrag von Nilan Peiris von TransferWise Das Erfolgsrezept britischer FinTech-Start-ups

Trotz guter Bedingungen in Berlin haben es bisher nur wenige deutsche Gründer geschafft, auch international erfolgreich zu sein und Investoren aus dem Ausland zu überzeugen. Wie eine Business-Idee in kurzer Zeit international erfolgreich wird, machen in Europa Start-ups aus London vor.
Das Erfolgsrezept britischer FinTech-Start-ups

Berlin gilt in Europa als einer der vielversprechendsten Start-up-Hubs. Und das aus gutem Grund: Als ich vor zwei Monaten für eine Veranstaltung in Berlin war, sind mir besonders die positive Stimmung in der Stadt und die vielen jungen, motivierten Menschen aufgefallen. Berlin hat nach wie vor nichts von seinem hippen Image verloren und zieht – auch durch die niedrigen Mieten – immer mehr Gründer an. Im letzten Jahr gab es mehr als 500 Jungunternehmen, was die Stadt zum Spitzenreiter in Deutschland macht. Heute arbeiten dort bereits 60.000 Menschen im Bereich der digitalen Wirtschaft – Tendenz steigend.

Berlin bietet Gründern eine hervorragende Ausgangsposition

Bezahlbaren Raum in einer der derzeit angesagtesten Metropolen Europas, motivierte Talente und die Nähe zum deutschen Mittelstand – des auch im Ausland gelobten Rückgrats der größten europäischen Volkswirtschaft. Und nicht zuletzt tut auch die politische Unterstützung der Entrepreneurship-Bewegung gut.

London – die europäische Start-up-Hauptstadt

Doch trotz der guten Bedingungen haben es bisher nur wenige deutsche Gründer geschafft, auch international erfolgreich zu sein und Investoren aus dem Ausland zu überzeugen. Wie man eine Business-Idee erfolgreich umsetzt und damit auch in kurzer Zeit international erfolgreich wird, machen in Europa vor allem Start-ups aus London vor, das als europäische Start-up-Hauptstadt bezeichnet werden kann.

Die Dynamik von London zeigt sich vor allem bei einem Blick auf die FinTech-Branche: Britische Unternehmen aus dem Bereich Financial Technologies, die das Geschäft von traditionellen Banken digitalisieren und so vereinfachen wollen, machen mittlerweile einen Jahresumsatz von 20 Mrd. US-Dollar und beschäftigen allein in der englischen Hauptstadt 44.000 Menschen – mehr als in jeder anderen Stadt der Welt.

London hat als Start-up- und FinTech-Epizentrum viel, was andere Städte nicht haben. Einer der großen Unterschiede zu Berlin ist beispielsweise die räumliche Nähe zum Bankensektor, der in Deutschland traditionell in Frankfurt angesiedelt ist. Das erleichtert nicht nur einen Austausch von Wissen, sondern zieht auch qualifizierte Arbeitskräfte an, die Lust darauf haben, die digitale Revolution in der Finanzbranche mitzugestalten und voranzutreiben.

Auch die Verwurzelung Londons im angloamerikanischen Wirtschaftsraum verhilft FinTech-Startups zu einem schnellen Aufstieg: Kapitalgeber sind hier innovativen Geschäftsideen gegenüber ebenso aufgeschlossen wie Konsumenten, die weniger Berührungsängste mit digitalen Neuerungen haben als in Deutschland.

Was Gründer in Berlin von der Londoner Gründerszene lernen können

Von dieser Offenheit profitiert auch TransferWise. Die Plattform für Auslandsüberweisungen wurde 2011 von unseren beiden estnischen Gründern Taavet Hinrikus und Kristo Käärmann in London entwickelt und treibt derzeit seine weltweite Expansionsstrategie voran – vor allem mit der Hilfe von internationalen Kapitalgebern wie Andreessen Horowitz, Sir Richard Branson, Peter Thiel und Max Levchin, den Mitbegründern von PayPal.

Ohne die aufgeschlossene und innovationsgetriebene Start-up-Landschaft in London wären wir nicht da, wo wir heute stehen. Denn in der britischen Hauptstadt war es einfach, Menschen für die Idee von fairen, günstigen und transparenten Auslandsüberweisungen zu begeistern, die mittlerweile in 48 Ländern weltweit umgesetzt wird.

Dass TransferWise es innerhalb von vier Jahren geschafft hat, auf ein Unternehmen mit 400 Mitarbeitern weltweit anzuwachsen und Verbrauchern in 48 Ländern zu helfen, Geld günstig und einfach ins Ausland zu überweisen, verdanken wir aber auch Erfolgsfaktoren, von denen sich Berliner Start-ups inspirieren lassen können:

1. Seid selbstbewusst! Deutschen wird oft nachgesagt, zurückhaltend zu sein, wenn es um die Vermarktung des eigenen Erfolges geht. Diese Zurückhaltung ist in der Start-up-Welt fehl am Platz.

2. Denkt nicht an die Finanzierung eurer Idee, bis das Produkt nicht marktreif ist. Wenn Ihr ein tolles Angebot habt und die ersten 100 Kunden, werden Investoren schnell auf Euch aufmerksam.

3. Baut Euch ein gutes Netzwerk auf – sowohl zu anderen Start-ups und kreativen Köpfen als auch zu neuen Märkten und internationalen Unternehmen. Denkt dabei ruhig auch über den europäischen Tellerrand hinaus und knüpft Kontakte zum Beispiel ins Silicon Valley oder zu aufstrebenden Start-up-Hubs wie Tel Aviv oder Tallinn.

Zur Person:
Nilan Peiris ist Vice President Growth bei TransferWise, der internationalen Plattform für Auslandsüberweisungen. Das Unternehmen wurde 2011 von Taavet Hinrikus und Kristo Käärmann gegründet. Zu den Investoren zählen Andreessen Horowitz, Sir Richard Branson, Peter Thiel and Max Levchin.

Foto: Financial District of London and the Tower Bridge from Shutterstock

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