Keine Zukunft als SaaS-Provider Berliner Start-up fraisr segnet nun doch das Zeitliche

"Wir haben uns mit unseren Gesellschaftern beraten, welche Möglichkeiten es für die Zukunft von fraisr noch gibt, und schließlich schweren Herzens gemeinsam die Auflösung der Gesellschaft beschlossen", sagt Mitgründer Alex Schwaderer. Zuletzt sollte das Start-up als SaaS-Provider durchstarten.
Berliner Start-up fraisr segnet nun doch das Zeitliche

Noch Ende April sah es so aus, dass das Berliner Start-up fraisr, ein sogenanntes “Social Social Commerce-Projekt”, eine Zukunft als SaaS-Provider haben könnte (fraisr beerdigt seinen Marktplatz, lebt aber weiter), daraus wurde aber dann leider doch nichts. Das junge Unternehmen, das via Seedmatch im vergangenen Jahr 75.750 Euro einsammelte, wird nun abgewickelt.

“Der Plan, fraisr als SaaS-Provider und nicht mehr als Charity-Marktplatz zu positionieren, bestand bereits seit gut 18 Monaten. Damals haben wir angefangen, unser Konzept als Plugin dezentral in bestehende Online-Shops zu bringen, anstatt teuren Traffic für unseren eigenen Marktplatz einzukaufen. Das schrittweise Abschalten des Marktplatzes ab April war insofern ein Teil dieses strategischen Plans”, sagt fraisr-Macher Alex Schwaderer gegenüber deutsche-startups.de. “Der wichtige andere Teil des Plans war, als nunmehr reiner SaaS-Provider das fraisr-Plugin konsequent in Online Shops auszurollen. Es gab einige erfolgreiche Anwendungsfälle, aber für den flächendeckenden Vertrieb hätten wir eine wesentlich bessere finanzielle Ausstattung gebraucht, also zunächst erst noch eine Anschlussfinanzierung”.

Diese suchten Schwaderer und Co. deswegen zuletzt auch. Die angesprochenen Investoren wollten aber vor einem Investment erst einmal “die weitere Wachstumsdynamik des Plugins beobachten”, wie der Mitgründer weiter ausführt. “Die Katze biss sich hier leider wie so oft in den Schwanz”, sagt Schwaderer leicht verbittert. Als dann auch die Zusammenarbeit mit einem “Top Online Händler”, der fraisr nutzen wollte, nicht zustande kam, war das Schicksal von fraisr quasi besiegelt. “Insgesamt sind für uns über die Zeit einfach die Perspektiven geschwunden, die erforderliche Wachstumsdynamik ohne investierbare Ressourcen und in einem insgesamt eher zurückhaltenden Marktumfeld für sozialen Konsum noch loszutreten. Wir haben uns daraufhin mit unseren Gesellschaftern beraten, welche Möglichkeiten es für die Zukunft von fraisr noch gibt, und schließlich schweren Herzens gemeinsam die Auflösung der Gesellschaft beschlossen”. Das Kapitel fraisr geht damit nun zu Ende.

Passend zum Thema: “Start-ups, die 2015 bereits gescheitert sind“.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  • http://www.entia.de Michael Ziegert

    “Immer mehr Verbraucher kaufen Waren und Dienstleistungen auch nach ethischen Kriterien ein.”, besagte eine Trendstudie der Otto-Group von 2013.
    Merkwürdig nur, dass es in Deutschland kein sichtbares eCommerce-Startup gibt, dass mit einem sozialen Thema in größerem Stil erfolgreich ist. Fraisr ist tot – und dass, obwohl echte Fachleute ihres Bereichs mit großer Motivation gestartet sind. Wie schade. Fairnopoly dümpelt trotz beachtlicher Crowd-Finanzierung vor sich hin und auch wir von entia.de sind nur in unserer Nische erfolgreich – aber kaum darüber hinaus.
    Sind wir Deutschen – wenn es an die Kasse geht – dann doch nicht so sozial? Alles nur Lippenbekenntnisse? Dann doch lieber Amazon und Primark?

    • Sascha

      Das nennt sich glaube ich Doppelmoral, 94% der Deutschen würden auch BIO kaufen….

    • http://www.gruendercoaches-deutschland.de Gründercoaches

      Nein Doppelmoral würde ich das nicht nennen. Wer sich mit der Verhaltensökonomie, Neuromarketing und langsames und schnelles denken beschäftigt. Kann diese Handlungen verstehen. Der Menschlische Gehirn ist grundsätlich faul. Das bedeutet das ein umsteuern der Kaufhandlung Anstrengung erfordert, die das gehirn nicht bereit ist aufzubringen. Kleines Beispiel aus dem Leben ;-) Junger Mann steht mit deinem Sohn an der Kasse. Der Sohn fasst ein blaues Getränk an und fragt ob er das haben kann. Vater sagt das sieht sehr ungesund aus das lassen wir mal lieber. Auf dem Band liegen Bio Brot Kiwis und Tiefkühlpizzen!!! Sind die Gesund und BIO nein. Das soll nicht bedeuten das die Geschäftsmodelle unmöglich sind, und wir finden die auch klasse, aber es scheint noch nicht der richtige Zeitpunkt. Als weiter machen solange es geht und die gewonnen Erkenntnisse nutzen. Danke für den Mut und viel erfolg weiterhin.

Aktuelle Meldungen

Alle