Peter Schindlmeier von casavi “Unser gefährlichster Mitbewerber ist fehlende Erkenntnis”

Das casavi-Team will eine effizientere, digitale Kommunikation mit Wohnungseigentümern, Mietern und Dienstleistern anbieten. Gründer Peter Schindlmeier spricht im Gründer-Kurzinterview über Immobilienverwalter, ungenutzte Onlinekanäle und digitale Kundenkommunikation.
“Unser gefährlichster Mitbewerber ist fehlende Erkenntnis”

Das Team um das Berliner Start-up casavi will eine effizientere und gleichzeitig kundenfreundlichere digitale Kommunikation mit Wohnungseigentümern, Mietern und Dienstleistern anbieten. Gründer Peter Schindlmeier spricht im Gründer-Kurzinterview über Immobilienverwalter, ungenutzte Onlinekanäle und digitale Kundenkommunikation.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Mit casavi stellen wir Immobilienverwaltern eine digitale Informations- und Serviceplattform zur Verfügung, um die Kommunikation mit Wohnungseigentümern und Mietern sowohl effizienter als auch kundenfreundlicher zu gestalten. In diesem Umfeld werden Onlinekanäle noch kaum genutzt, man denke nur an den klassischen Hausaushang. Unser Ziel ist es, dass Haus- und Mietverwaltungen in Zukunft ihre Leistungen genauso digital unterstützt anbieten können, wie es etwa bei Online Banking heute schon der Fall ist.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Ursprünglich hatten wir unseren Fokus mehr auf die Vernetzung der Wohnungseigentümer und Mieter gerichtet. Hausverwaltungen waren hier gewissermaßen das Mittel zum Zweck. Wir haben dann aber in Gesprächen mit unseren Pilotkunden recht schnell gemerkt, dass es bei Hausverwaltungen viel Aufholbedarf gibt, was den zeitgemäßen Einsatz digitaler Kommunikationskanäle betrifft. Zuerst braucht es also eine Lösung für dieses Problem. Daraus ergeben sich dann im Nachgang weitere Optionen, um casavi als Plattform zu positionieren.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Unser gefährlichster Mitbewerber ist die fehlende Erkenntnis, dass Digitalisierung auch vor der Immobilienverwaltungsbranche nicht Halt machen wird. Das Thema ist bei Hausverwaltungen und Wohnungsunternehmen noch nicht akut. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die in der Branche gebräuchlichen Softwareprodukte nur bedingt dazu beitragen, dass es zu mehr Innovationsdenken kommt.

Cloud-Lösungen sind noch relativ selten und bei der digitalen Kundenkommunikation beschränkt man sich häufig auf E-Mail und die Darstellung von Abrechnungstabellen. Wir denken mit casavi weiter und wollen unseren Kunden nicht einfach nur ein weiteres Tool an die Hand geben, sondern die Möglichkeit, ihr Geschäftsmodell fit für die Zukunft zu machen.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Wir wissen aus unserer Pilotphase, dass das Interesse an casavi von Seiten der Eigentümer und Mieter absolut gegeben ist. Gleichzeitig assoziieren Immobilienverwalter Softwareprojekte im Normalfall mit hohen Einführungs- und Wartungskosten und mühsamen organisatorischen Anpassungen. Dadurch verliert man schnell die Sicht auf die eigentlichen Vorteile. Wenn wir es schaffen, dieses Vorurteil zu zerstreuen und durch Benutzerfreundlichkeit und minimalen Zeitaufwand zu überzeugen, haben wir einen entscheidenden Schritt getan.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Immobilienverwalter bezahlen eine monatliche Nutzungsgebühr für unsere Software-as-a-Service Lösung. Für den Endnutzer – Wohnungseigentümer und Mieter – ist die Nutzung von casavi als Service der Hausverwaltung grundsätzlich kostenlos. Darüber hinaus sehen wir das Potenzial, speziell auf Endnutzer ausgerichtete Zusatzservices anzubieten. Vor allem die private Vermietung eignet sich, um Wohnungseigentümern Funktionen zur Verfügung zu stellen, für die sie auch bereit wären zu zahlen.

Auch Affiliate-Modelle lassen sich gut auf unserer Plattform einbinden. Das ist auch einer der Schwerpunkte für unsere aktuelle Teilnahme im YOU IS NOW Accelerator von ImmobilienScout24. Der initiale Fokus auf B2B Kunden ermöglicht uns aber, selbst ohne exzessive Skalierung rasch brauchbare Umsätze zu generieren.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Alleine in Deutschland gibt es ca. 23.000 Immobilienverwalter. Wir werden uns hier vor allem auf kleinere bis mittelständische Unternehmen konzentrieren, die besonders von der unkomplizierten Handhabung und den geringen Investitionskosten unserer Cloud-Lösung profitieren.

Für die nächsten 12 bis 18 Monate liegt unser Fokus sicherlich auf dem deutschsprachigen Raum, zumal wir bereits jetzt sowohl in Deutschland als auch in Österreich Pilotkunden haben. Unser Modell lässt sich allerdings auch international skalieren. Mittelfristig steht daher auch der Schritt in andere Länder auf dem Plan.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Für uns spielen Partnerschaften eine wichtige Rolle. Sowohl mit Anbietern von Verwaltungssoftware, mit denen casavi integriert werden kann, als auch mit weiteren Branchendienstleistern, die Zugang zu Hausverwaltungen haben. Hier die richtigen strategischen Partner zu gewinnen, ist entsprechend ein zentrales Ziel für uns. Gleichzeitig wollen wir sowohl unsere Kunden- als auch Nutzerbasis deutlich steigern. Bis Mitte nächsten Jahres soll eine fünfstellige Anzahl an Eigentümern und Mietern mit ihren Hausverwaltungen über casavi vernetzt sein.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
Peter Schindlmeier ist seit 15 Jahren im Bereich Web Technologien, Online Marketing und eCommerce tätig. Vor der Gründung von casavi war er beim SaaS-Anbieter Bazaarvoice Inc. als Head of Solution Consulting für die technischen Vertriebsaktivitäten in Mitteleuropa verantwortlich. Als Projektmanager bei den Agenturen Corporate Edge und Proximity leitete er von London aus Web-Projekte für internationale Kunden wie Shell, Sky und Marks & Spencer.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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