Endlich ein Superheld Wir sind alle 6Wunderkinder und sollten stolz drauf sein

Da gelingt 6Wunderkinder ein grandioser Exit, bei dem bis zu 200 Millionen Dollar im Raum stehen. Und was ist die Reaktion in der deutschen Neidgesellschaft? Endloser Neid, endlose Missgunst. Dabei sollte die gesamte deutsche Startup-Szene stolz darauf sein, dass dieser Exit so gelaufen ist.
Wir sind alle 6Wunderkinder und sollten stolz drauf sein

Jahrelang hieß es immer: Kein großer Kapitalgeber investiert Geld in Deutschland, weil die Exits, die deutsche Start-ups hinlegen, einfach zu klein sind. Die deutsche große Größenordnung bei Firmenverkäufen lag in den vergangenen Jahren (meist) irgendwo zwischen 20 und 50 Millionen Euro – die Ausnahmen nehmen wir mal raus. Mehr war einfach nicht zu machen. Weil Start-ups aus Deutschland, nicht international gedacht haben und, weil das große Geld fehlte, um bestimmte Modell so richtig groß machen zu können. Und weil die passenden Käufer fehlten.

Und nun gelingt dem To-Do List-Start-up 6Wunderkinder ein Exit, bei dem bis zu 200 Millionen Dollar im Raum stehen. Und was ist die Reaktion in der deutschen Neidgesellschaft? Dies hier: “So viel Geld für so viel Schrott!”, “Was für eine Geldverschwendung!” “Was ein Schwachsinn. Aber ist ja nicht mein Geld”. Traurig. Da gelingt einem deutschen Start-up, dass von sechs jungen Berlinern mit viel Engagement, viel Fleiß und viel Schweiß gegründet wurde, ein richtig grandioser Exit und die erweiterte Startup-Szene des Landes kloppt nur drauf.

Dabei könnte diese Übernahme das Berliner Ökosystem (und die Start-up-Szene des ganzen Landes) so richtig befeuern, ein Investment-Feuerwerk im deutschen Gründerland auslösen. Große US-Geldgeber wie Sequoia Capital haben nun endlich einen dicken Exit in Deutschland gemacht. Deutsche Gründer haben bewiesen, dass sie Start-ups mit Weltruf aufbauen können. Und ein ausländischer Konzern wie Microsoft hat richtig viel Geld in die Hand genommen, um ein deutsches Start-up zukaufen. Und: Oliver Samwer hatte bei alldem mal nicht seine Finger im Spiel – siehe auch “6WunderKinder’s exit is a Triple Wake Up Call

Was will man mehr? Die deutsche Szene sollte stolz darauf sein, dass dieser Exit so gelaufen ist. Zumindest aber, sollten wir alle, die wir als Deutsche ja ein massives Problem mit dem Wörtchen stolz haben, einmal lauf Beifall klatschen. Dieser Exit ist für alle gut, egal ob Gründer oder nicht. Egal ob mit Risikokapital ausgestattet oder nicht.

Hausbesuch bei 6Wunderkinder

ds_6wunderkinder

ds-Haus- und Hoffotograf Andreas Lukoschek durfte sich 2012 bei 6Wunderkinder einmal ganz genau umsehen. Er fand eine ausgiebige Spielzeugsammlung, unglaubliche viele blaue T-Shirts und ein 6wunderministerium. Einige Eindrücke der 6Wunderkinder-Welt gibt es in unserer Fotogalerie.

Foto: Young confident woman in red cape and mask from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  • Kosmopolit

    Naja,
    ich weiss nicht was man davon halten soll.
    100-200 Mio. $ sind eine weite Spanne, und betrachtet man die Menge an Kohle die in 6wunderkinder geflossen ist, waere ein 100 Mio. Exit kein besonders grosser.

    Insgesamt war das ganze Ding auch gehyped, und das haben die Gruender selbts so gewollt,mit ihrem Wunderkit Dings.

    Die aktuelle App ist im Grunde auch nur ein Evernote fuer Arme, das gross angekuenidgte Revolutionaere blieb leider aus.
    Eine App die Listen erstellt, das ist halt nicht mehr so sexy wie wenn man die Welt des Projektmanagements und Teamworks neu erfindet.

    Dieser Sale kommt mir etwas seltsam vor, ausser die To-Do listen App haben sie kein bekanntes Produkt und die App kommt halt ohne Business Model.

    Mich wirds nicht wundern, wenn in ein paar Monaten/Jahren das ganz anders gesehen wird, als fire sale oder als aquire hire, und auch der Preis sich dann als deutlich geringer herausstellt.

    Seien wir ehrlich: Die App ist ganz nice, aber besonders ist das nicht.

    • tenyako

      UUUnd weiter gehts – der Exit ist nicht groß genug, das Produkt ist nicht gut, da ist was seltsam, kein Business Model, war bestimmt nen fire sale oder nen aquire hire (keine Ahnung warum letzteres immer als was schlechtes dargestellt wird – kann man mehr Respekt für ein Team ausdrücken als ne Firma zu kaufen um es zu bekommen?). “Seien wir ehrlich: Die App ist ganz nice, aber besonders ist das nicht.”

      • Kosmopolit

        Wenn man ueber 25 mio. VC aufnimmt, sind 100 Mio. kein richtig gutes Multiple.
        Vieleicht war es auch einfach das auftreten der “6 Wunderkinder” die einen Wahnsinnigen hype entfacht haben und am Ende eben “nur” eine to do listen App gemacht haben.

        Wer die Welt erobern will und am Ende nur Koenig von Elba wird, ist zwar Koenig, aber geplant war’s etwas anders.

        • tenyako

          Geplant war es anders – ok, gekauft – aber Elba ist auch nicht ein Rinnsal in dem man liegt und wenn man die Kommentare so liest kommt es einem vor als hätte eine super erfolglose Firma (Microsoft) für ein paar Cents eine superduperunerfolgreiche Firma gekauft (die immer noch aktiv ist, nen Pivot überstanden hat und jaja 5 Millionen Nutzer und 14 Millionen Listen ist natürlich viel zu wenig um hier in Berlin respektiert zu werden – das ist ja superunerfolgreich).

          Ob ein Multiple von 4 gut oder schlecht ist ist auch abhängig von dem Zeitpunkt an dem der Mittelzufluss war – war es Seed ist es viel zu wenig – war es kurz vorm Exit, kann man noch lange diskutieren – ist aber auf jeden Fall schon besser.

          Wenn man sieht wie viele Vorhaben in den ersten Jahren krepieren (obwohl ähnliche Ambitionen) kann man bei so was schon mal wagen zu sagen gut gemacht. Selbst wenn man selbst schon bessere Ergebnisse erzielt hätte – unterm Strich ist es dennoch für die derzeitigen Verhältnisse ein respektabler Erfolg – das ist natürlich nur meine Meinung aus meiner Perspektive…

  • Aslan

    “Dabei könnte diese Übernahme das Berliner Ökosystem (und die Start-up-Szene des ganzen Landes) so richtig befeuern, eine Investment-Feuerwerk im deutschen Gründerland auslösen.”

    Träumt mal schön weiter! :-)

  • P. Schneiders

    trivago?

  • K

    Ich halte von diesem Deal nicht viel und das nicht aus Neid oder Missgunst. Es ist toll für die Gründer und generell ist auch die Presse für Deutschland gut. Was mich in letzter Zeit, nicht nur bei diesem Deal, beunruhigt ist, dass immer abnormalere Bewertungen für Startups gezahlt werden.

    Das sollte mich als Gründer natürlich erstmal freuen, aber ich glaube nicht, dass dies unbegrenzt so weiter geht und wenn es am Ende zu einer Blase o.Ä. kommt leiden alle darunter, auch die, die ein wirklich solides Business aufbauen.

    Mich nervt aber, dass man bei so einem Exit eigentlich keine Kritik mehr äußern darf, weil dann gleich wieder von der “Deutschen Neidgesellschaft” die Rede ist. Ein Blick in die Kommentare zu den Exits von Sociomantic & Co zeigt, dass die Leute offenbar mit dem Erfolg anderer Leute sehr gut umgehen können und sich auch über solche Exits mitfreuen.

    Der Grund für die negativen Kommentare in diesem Fall ist denke ich eher der, dass das Produkt nicht wirklich etwas Besonderes ist und in dem Zusammenhang die Bewertung als überzogen und unfair wahrgenommen wird. Ich denke, da gibt es in Deutschland “bessere” Startups die diese ganze Aufmerksamkeit eher verdient hätten.

    Weiterhin ist das Ganze sowieso aktuell lächerlich. Es ist nicht bekannt wie viel Geld genau geflossen ist, ob ein Großteil davon in Aktien ausgezahlt wird und ob vielleicht die Auszahlung sogar an weit entfernte Ziele geknüpft ist.

  • Johann Q

    Recht guter Exit, für 6WK und für Berlin, aber “Stolz” ist definitiv das falsche Wort. Produkt hat wohl immernoch Sync-Probleme, aus Sequoia-Sicht war’s möglicherweise nur ein 5x Exit (und damit nichts besonderes für deren Ansprüche) und ob 6WK jetzt zu Microsoft passt, nachdem man jahrelang ein Apple-nahes Image aufgebaut hat… Also da gibt’s auch “Schatten” und damit berechtige Kritikpunkte.

  • Frank

    Herzlichen Glückwunsch an 6Wunderkinder. Das ist ein überragendes Ergebnis. Es zeigt, dass wir die Fähigkeit haben gute Produkte/Services zu bauen. Selbst habe ich zwar Wunderlist durch TODOIST schon vor zwei Jahren ersetzt, dennoch denke ich, dass nicht die subjektive Betrachtung über einen geschäftlichen Erfolg entscheidet. Genau das ist aber was ich bei all den Kommentaren auch bei FB sehe. Nichts als Subjektivität. Sehr Schade.

    Wo ist der Stolz über die Schaffenskraft deutscher Gründer geblieben. Wenn alles so einfach ist, dann sollten sich alle anderen die Zeit nehmen weniger bei FB zu schreiben und ein vergleichbares Produkt auf den Markt bringen. Ich muss weiterarbeiten, denn 6Wunderkinder haben bewiesen, dass der deutsche IT Sektor von den großen Unternehmen aus Übersee ernst genommen wird.

  • FFounder

    Leute, Microsoft ist ein globaler Konzern und verfügt trotz seiner Größe nach wie vor über eine enorme Innovationskraft. Alles was Microsoft seit Windows 8 auf den Markt gebracht hat, ist wirklich gut bis sehr gut. Wenn sich Microsoft also entscheidet solch eine Summe für 6WK auf den Tisch zu legen, dann ist das eine wohl durchdachte Entscheidung basierend auf vielfältigen Faktoren und Kriterien – analysiert und kalkuliert von hochkompetenten Branchenkennern und Tech-Leuten. Der Kaufpreis ergibt sich doch nicht nur aus der App. Wenn Microsoft will, können sie die App in weniger als einem Monat kopieren. Darum gehts doch aber nicht. Vielmehr geht es um das, was in der Pipeline liegt, wie neue Features, neue Produkte etc., um Integrationsmöglichkeiten zu Microsoft-Produkten, um die User Base, Image, darum aus Wunderlist/kit Usern Microsoft User zu machen etc. pp. Was ich sagen will: vertraut auf Microsoft, vertraut auf Wunderlist und freut euch. Exit heisst nicht Geldregen, Sommer, Sonne und Porsche kaufen. Es geht um wirtschaftliche Synergien, mehr Nachhaltigkeit, mehr Möglichkeiten, Weiterentwicklung. Sicherlich darf dieser, wie jeder andere Exit in Frage gestellt werden. Aber bitte mit mehr Qualität.

    • tenyako

      Danke!

      • http://www.pierretunger.com Pierre

        Prima Beitrag.

  • GB

    6Wunderkinder kam immer etwas “nerdig” daher, das Businessmodell war nie klar, hier konnten ein paar “Gutmenschen” entspannt vor sich hin entwickeln, weitgehend am Markt vorbei. Gratulieren muss man zur großartigen Selbstvermarktung. Ohne jeden Zweifel stärkt das Investment den “Digitalstandort Berlin”. Microsoft kauft sich mit Geld aus der Portokasse ein Stück “Startupwelt”. Das ist sicher auch als Versuch zu sehen, sich aus dem eigenen Entwicklungsdilemma zu befreien, denn Nach Windows10 kommt nichts mehr.

    • Patrick Santer

      selbstvermarktung ist immer wichtig gewesen… in der old wie in der new economy… wo ist das problem? jedes nutella-glas ist mehr selbstvermarktung als wirklicher Inhalt…

      • GB

        Warum so negativ Patrick? Selbstvermarktung ist kein Problem, es ist, wie ich schrieb, eine großartige Leistung. Für dieses Tool, solche VCs zu gewinnen und diesen Exit hinzulegen, verdient einfach viel Respekt.

  • http://www.blog.kunstleben-berlin.de Romy

    Ein Beitrag der mir wirklich aus dem Herzen spricht und mich wieder ein wenig an “uns Deutsche” glauben lässt. Ich nutze die App schon eine ganze Weile, freue mich über jedes Update, und bin stolz auf unsere neuen Superhelden! Unglaublich, dass es solche Kommentare, wie die im Beitrag erwähnten, tatsächlich gibt. Woher kommt das nur? Und wie kann man das ändern? Ein Schritt in die richtige Richtung ist jedenfalls dieser mutige und offene Beitrag. Danke dafür!

  • Daniel Rieth

    ich bin stolz auf die 6W! :)

  • LPC

    die schulden ( Reeber & Co. ) mir noch Geld, die Summe ist völlig übertrieben und das ganze Geld geht sicherlich an die anderen VC – wenn die 6 Kids und Team noch ein paar Shares haben können die froh sein; das meiste stecken sich die VC ein….vielleicht bekomme ich endlich mein Geld zurück !!!

  • BigFan

    Der Exit ist super und für Berlin auf jeden Fall brutal wertvoll. Es gibt wieder ein paar mehr Leute die ihr Wissen und ihr Geld in Startups investieren können und es zieht Talent an.
    Mit der Aussage “Oli S hat seine Finger nicht im Spiel” könnte man auch schlussfolgern: deshalb wurden es halt auch “nur” 100-200 Mio. und keine Miliarden ;-)

  • Patrick Santer

    die deutschen bleiben eben provinzler, zumindest die deutschen außerhalb berlins.. gratulation für den deal!

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