Offline Berliner Abobastelkiste Tollabox ist insolvent

"Eine zur Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit notwendige Finanzierungsrunde ist kurz vor Abschluss gescheitert", teilt Mitgründer Oliver Beste mit. Deswegen ist Tollabox nun insolvent. "Wir haben gekämpft wie die Löwen, das könnt ihr uns glauben", schreibt das Team des Start-ups zudem in ihrem Blog.
Berliner Abobastelkiste Tollabox ist insolvent

Bei Tollabox geht es seit einigen Jahren ums spielerische Lernen. Das Konzept kam auch gut an, immerhin sammelte das Berliner Unternehmen im Sommer 2013 via Seedmatch stolze 600.000 Euro ein. Damals schrieb das Start-up: “Die TOLLABOX hat seit dem Start Ende September 2012 über 120.000 Euro Nettoumsatz realisiert und im April 2013 über 2.500 Boxen verkauft. Damit haben wir bewiesen, dass sich die TOLLABOX erfolgreich verkaufen lässt. Wenn wir in diesem Tempo weiter wachsen, werden wir 2013 deutlich über 500.000 Euro Umsatz erzielen statt der noch zu Jahresanfang geplanten 350.000 Euro”. Nun die schlechte Kunde: Tollabox ist insolvent.

Per Mail teilt Mitgründer Oliver Beste uns mit: “Eine zur Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit notwendige Finanzierungsrunde ist kurz vor Abschluss gescheitert. Die Geschäfte werden mit Zustimmung des vom Gericht eingesetzten vorläufigen Insolvenzverwalters Prof. Dr. Martini zumindest bis Ende April 2015 fortgeführt und die Kunden vertragsgemäß beliefert”. Bitter für alle Beteiligten – auch die knapp 600 Crowdinvestoren. Mit 600.000 Euro Crowdfinanzierung gehört Tollabox zu den größten deutschen Crowd-Pleiten – in einem Zug mit Vibewrite, foodieSquare und Sommelier Privé.

Im Tollabox-Blog gibt es noch weitere Infos zur Insolvenz, dort schreibt das Team: “Wir haben gekämpft wie die Löwen, das könnt ihr uns glauben. Uns ist die Finanzierungsrunde, die wir für das Wachstum der Tollabox brauchten, leider geplatzt. Die Einzelheiten dazu darf ich nicht ausbreiten, aber Fakt ist, dass wir ohne dieses Geld zahlungsunfähig sind. Deswegen waren wir als Geschäftsführer verpflichtet, diese Woche beim Amtgericht Charlottenburg Insolvenzantrag einzureichen”

Und woran krankt das Tollabox-Konzept? “Das Hauptproblem des Geschäftsmodells bestand in der zu kurzen Abodauer für die Tollabox”, teilt Beste in seiner Mail mit. Um zu retten, was noch zu retten ist, werden nun “verschiedene Möglichkeiten für die Umstrukturierung des Geschäftsmodells geprüft”. Mitwerber Wummelkiste versuchte schon 2013 sein Abogeschäft um einen Shop zu erweitern, den man auf der Website aber suchen muss, um überhaupt dahin zu gelangen.

Passend zum Thema: “Über 50 Start-ups, die 2014 leider gescheitert sind

Hausbesuch bei Tollabox

ds-tollabox-hb

Für deutsche-startups.de öffnete Tollabox bereits 2013 ihre Türen. Wir durften damals einen Blick auf das kreative Chaos des Start-ups werfen. Einige Eindrücke gibt es in unserer Fotogalerie.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  • Udo

    was ein trauriger haufen in dem büro…typischer fall von mittelmäßigem team, standard kopie idee ohne irgendwelche form von verbindung dafür zu haben und fauler/ schlechter exekution.

    • Pascal Zuta

      Udo- so ein Quatsch. Du kennst das Team wahrscheinlich nicht, und es gibt kein wirkliches Vorbild das kopiert wurde. Die Boxen waren kreativ und meine Kids lieben sie.
      Wer bist du? Ich hoffe du hast selber schon mutiges und kreatives auf die Reihe gebracht.

      • Anna

        kein vorbild was kopiert wurde ? … Kiwicrate? Wummelkiste? etc etc ? und das so ein modell in deutschland nicht funktionieren kann sollte ein erfahrener unternehmer wie du eigentlich wissen

        • Pascal Zuta

          Hi Anna,
          Kiwicrate macht vieles anders. Wummelkiste war mE zeitlich nach Tollabox, aber das tut auch nichts zur Sache. Warum so ein Modell nicht funktionieren soll, weiß ich nicht. Teach me! Lerne gern dazu.

          Übrigens ist das einzige, was wir “erfahrenen Unternehmer” wirklich wissen, dass wir nicht wissen können was am Ende erfolgreich sein wird.

          Zeig Dich mal, ich will nicht mit anonymen diskutieren.
          Pascal

  • http://www.woonio.de/ Ro / WOONIO.COM

    Sehr schade. Die Idee ist gut, das Team (wie es sich liest) eigentlich auch.

    Der Weg über die Crowd bei solch einem massentauglichen Thema war auch richtig. No risk no fun – das gilt bei allen Investments.

  • Johann Q

    Ich hätte schon erwartet, dass die länger durchhalten, muss ich sagen. Wobei ich das Abo-Geschäftsmodell an sich allgemein für (immernoch) überschätzt halte. Also in sofern überrascht mich nur der Zeitpunkt.

  • FROMHEROTOZERO

    Das ist wirklich sehr schade! Zeigt aber auch, dass die beste Idee mit der besten Publicity (TV) schief gehen kann…

    Ich wünsche dem Team nur das beste für die Zukunft!

  • Pascal Zuta

    Schade. Tollabox war mit Liebe gemacht, von einem der leidenschaftlichsten Teams die ich kenne. Hoffentlich hat dass Team mit der nächsten Idee mehr Glück.

  • Claus Fahlbusch

    Schade. Ich hatte ehrlich damit gerechnet, dass das funktioniert. Auf ein Neues!

  • hempstar

    es wäre schon interessant zu erfahren, ob die Insolvenz für die Crowd überraschend und aus heiterem himmel kam oder ob man vorher schon andeutungen oder ähnliches erhielt.

    • Pascal Zuta

      Ich glaube nicht, dass Crowd-Investoren erwarten, ähnlich informiert zu sein wie Investoren. Dafür ist das Modell Crowd-Investing nicht geeignet.

  • Expat

    Zitat:
    “Eine zur Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit notwendige
    Finanzierungsrunde ist kurz vor Abschluss gescheitert”, teilt Mitgründer
    Oliver Beste mit. Deswegen ist Tollabox nun insolvent.”

    Die anderen, die kein neues Geld mehr verbrennen wollten, sind also schuld an der Pleite? Und nicht die erfolglosen “Gründer”?

    Ich glaube es nicht.

    • Daniel

      Das ist doch die übliche Ausrede für von fremden Kapital finanzierte Startups.

  • Anton Coqui

    Der Crowd-Investor geht mit seinem Investment ja auch kein Risiko ein und zahlt nur die Zeche … geh mal ins Casino oder investiere in Aktien und beschwere dich dann, weil du ja Geld verloren hast …

  • Guest

    Der durch das Crowdfunding eingebrachte Ertrag zeigt, dass das Projekt Potential hatte. Offenbar haben die Gründer für die Realisierung des Projekt zu hohe Ausgaben getätigt und den Gewinnaspekt vernachlässigt.
    Weiterhin bin ich der Meinung, dass Gründer solange ein Projekt keine konstanten Gewinne erwirtschaftet keine Gehälter aus der Firma beziehen sollten.

    • Johann Q

      Und wovon sollen die Gründer in der Zeit dann leben? Sollen jetzt nurnoch reiche Leute gründen?

      • Uwe

        Jo:)

    • http://www.werbecheck.de Andreas Frank

      In dem Posting ist jeder einzelne Satz Quatsch:

      1.) Die Finanzierung durch die Crowd beweist nicht, dass eine Idee im relevanten umsatzbringenden Markt ankommt. Ein häufiger Trugschluß! Dass die Masse sich genauso irrt wie andere Investoren, das zeigt die vergleichbare Insolvenzquote.

      2.) Ein Unternehmen kann auch in die Insolvenz rutschen, wenn keine “zu hohen Ausgaben getätigt” werden. Und was soll der Müll mit dem “Gewinnaspekt”? Um diese Aussagen zu beweisen, sollte der Kommentierer Belege aus dem Businessplan und der tatsächlichen Situation vorlegen. Ohne das ist es einfach nur ins Blaue geschriebener Müll.

      3.) Also sollten die Gründer ohne Erbtante unter Brücken wohnen, sich das Essen aus der Mülltonne holen und darauf hoffen, niemals krank zu werden?

  • http://blog.asianspa.co.uk sally

    Kurz, knackig, gut geschrieben.

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