Corporate Responsibilty Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil für Start-ups

Eine gelebte Nachhaltigkeitsstrategie bringt immense Wettbewerbsvorteile für Unternehmen, unabhängig von der Größe. Nachhaltigkeit ist zudem nicht als kurzfristigen Trend zu betrachten sondern als gesellschaftlicher Wertewandel. Heute stellt die Nachhaltigkeitsorientierung des Wirtschaftens einen Wettbewerbsvorteil dar.
Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil für Start-ups

Vergleichbare Produkte und Dienste gibt es überall. Wie hebt man sich ab? Durch ein Alleinstellungsmerkmal welches in der Digitalwirtschaft kaum vertreten ist: Nachhaltigkeit.

Vorsprung durch Nachhaltigkeit

Welches Unternehmen kennt das Problem nicht – Wie soll es sich von der Konkurrenz abheben? Vor allem wenn sein Leistungsspektrum ähnlich aufgebaut ist und gerade in der Digitalwirtschaft der Wettbewerb bei neuen Features schnell nachzieht. Eine effektive Möglichkeit die von Startups der Branche noch kaum beachtet wird ist die strategische Ausrichtung ihrer Geschäftsprozesse auf Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit oder Rentabilität?

Wer noch keine Berührungspunkte mit „Nachhaltigkeit“ hatte ist jetzt wahrscheinlich kurz aufgeschreckt, denn noch immer besteht der Irrglaube, dass Nachhaltigkeit nur Kosten verursacht und im schlimmsten Fall die Rentabilität eines Unternehmens gefährdet. Doch richtig geplant und umgesetzt kann eine Nachhaltigkeitsstrategie durch Kostenreduktion, Umsatzsteigerung, Risikosenkung sowie Image & Reputationspflege viele Vorteile für Unternehmen, Mitarbeiter, Bewerber, Kunden und Investoren bringen und auf einem hart umkämpften Markt ein Alleinstellungsmerkmal sein.

Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil

Wie kann Nachhaltigkeit einen Wettbewerbsvorteil schaffen? Eine vereinfachte Darstellung am Beispiel des Online-Versandhandels. Zwei Plattformen verkaufen Konsumprodukte und bieten vergleichbare Dienste an: schnelle Lieferung, kostenloser Versand, problemlose Rücksendung, freundlicher Kundendienst etc. Der Kunde sucht nach einem Produkt und wird auf beiden Seiten fündig, allerdings zu unterschiedlichen Preispunkten. Im Regelfall wird er sich am Preis orientieren wenn alle Zusatzdienste vergleichbar sind, es sei denn er hat bestimmte Präferenzen die meist auf Image, Reputation und Vertrauen beruhen.

Wenn das Unternehmen sich nun für eine nachhaltige Ausrichtung entscheidet, kann es z.B. gezielt Verpackungen minimieren um das Abfallaufkommen zu reduzieren, auf Recyclingpapier umstellen, Ökostrom beziehen, einen Logistik-Partner nach Nachhaltigkeitskriterien auswählen, eine CO2-Ausgleichsfunktion ermöglichen und Mitarbeiter fair behandeln, um nur wenige Maßnahmen zu nennen. Richtet es seine Prozesse auf Nachhaltigkeit aus kann das Unternehmen die Kaufentscheidung zu seinen Gunsten beeinflussen und gleichzeitig dabei Kosten sparen.

Wer legt Wert darauf?

Kunden

Die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen eine deutlich zunehmende Werteorientierung in den Kaufentscheidungen der Verbraucher. Beispielsweise konnte 2013 die Biolebensmittelbranche eine Wachstumsrate von 7,2 Prozent erzielen, über 50 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Bei fair gehandelten Waren lag die Wachstumsrate mit 21 Prozent sogar im zweistelligen Bereich. Vergleicht man diese Entwicklung mit der Umsatzentwicklung des allgemeinen Einzelhandels, die im gleichen Zeitraum um etwa 1,1 Prozent zugelegt hat wird die Relevanz deutlich. Verbraucher legen vermehrt Wert auf Nachhaltigkeit und sind laut einer aktuellen GfK Untersuchung bereit, auch mehr Geld dafür auszugeben.

Mitarbeiter

Gleichermaßen wichtig für den Unternehmenserfolg sind die Mitarbeiter. Gelebte unternehmerische Nachhaltigkeit kann für diese internen Kunden die Motivation und Zufriedenheit steigern und eine erhörte Mitarbeiterbindung bewirken.

Vor dem Hintergrund der Personalbeschaffung kann Nachhaltigkeit für einen potentiellen Bewerber ein bedeutendes Kriterium sein und die Attraktivität des Unternehmens erhöhen. Laut einer Studie 2011 von PWC (Managing Tomorrow’s People) suchten 90 Prozent der U.S. Absolventen bewusst nach Unternehmen, deren Corporate Responsibility /unternehmerische Wertorientierung ihr eigenes wiederspiegelt. Nachhaltige Unternehmen sind im Wettbewerb um die besten Köpfe im Vorteil.

Nachhaltige Unternehmen performen besser

Anhand des Dow Jones Sustainability Indexes (DJSI), welcher Großunternehmen nach dem Best-in-Class Prinzip bewertet, wird deutlich, dass nachhaltigkeitsorientiere Unternehmen vor allem in der Wirtschaftskrise bessere Leistungen erzielt haben als jene die nicht im DJSI gelistet sind. Womöglich mit ein Grund warum Nachhaltigkeitsindices bei Investoren an Bedeutung gewinnen. Dieser Wettbewerbsvorteil ist auch bei den Top-Managern angekommen. In einer weltweiten Umfrage von Accenture im Auftrag des UN Global Compact gaben nach der Wirtschaftskrise sogar 81 Prozent der Top-Manager an, dass Nachhaltigkeit fundamental wichtig ist, vor der Krise 2007 stimmten nur die Hälfte der Befragten dem zu.

Eine gelebte Nachhaltigkeitsstrategie bringt immense Wettbewerbsvorteile für Unternehmen, unabhängig von der Größe. Nachhaltigkeit ist zudem nicht als kurzfristigen Trend zu betrachten sondern als gesellschaftlicher Wertewandel. Heute stellt die Nachhaltigkeitsorientierung des Wirtschaftens einen Wettbewerbsvorteil dar – zukünftig werden Unternehmen es sich nicht mehr leisten können diese Entwicklung zu ignorieren.

Passend zum Thema: “Nachhaltige Kommunikation? Noch nie was von gehört

Zur Person
Ting Lee ist Gründerin und Geschäftsführerin der sustaineration UG und unterstützt Unternehmen und Organisationen bei der strategischen Ausrichtung ihrer Unternehmensprozesse auf Nachhaltigkeit.

Foto: Potted seedlings growing in biodegradable peat moss pots on wooden background with copy space from Shutterstock
  • Siddharta Gautama

    Ein weiterer Beitrag, der zur Verwässerung des Begriffes “Nachhaltigkeit” beiträgt. Hier hätte besser von “Umweltfreundlichkeit” und “sozial gerecht” die Rede sein sollen. Denn Nachhaltigkeit ist (gem. “Theorie der Nachhaltigkeit” sowie dem UN-Brundtland-Report von 1987 ein Prinzip globaler und intertemporaler Gerechtigkeit im Sinne gleicher Lebensentfaltungsmöglichkeiten. – Da die “umweltfreundliche” Verpackung nur sehr sehr wenig mit zu tun. -> Es geht ist ein Prinzip, somit können Unternehmen dieses “berücksichtigen”, indem sie entsprechend umweltfreundliche, rechtliche, soziale, organisatorische etc. pp. …. beachten…..

  • Ting

    Hallo Buddha,
    der Artikel beschäftigt sich nicht mit der Definition von Nachhaltigkeit, sondern welche Vorteile die Integration von Nachhaltigkeit in allen Prozessen eines Unternehmens mit sich bringt. Allerdings stimme ich der Aussage zu, dass der Begriff „Nachhaltigkeit“ immer häufiger und teils auch missbräuchlich verwendet wird.
    Gemäß der Theorie wurde dieser erstmals 1713 von Hans-Karl von Carlowitz im Rahmen der Forstwirtschaft geprägt und sagte im Kern aus, das nur soviel Holz gefällt werden darf wie der Wald verkraften kann. Auch der Brundtland-Bericht baut darauf auf und erarbeitet Lösungsansätze für verknüpfte und sich bedingende ökonomische, ökologische und soziale Probleme. Die Brundtland Definition wurde dann 1992 auf der UN-Konferenz in Rio um eine räumliche Dimension erweitert (Brundtland bildet lediglich die zeitliche Dimension ab), auch wenn ein eindeutige Definition aufgrund von unterschiedlichen Interessen der teilnehmenden Ländern nicht erarbeitet werden konnte.

    Heute wird Nachhaltigkeit als eine inter- und intragenerative Gerechtigkeit innerhalb der Grenzen der natürlichen Tragefähigkeit verstanden, also nicht auf Kosten der Umwelt und auf heute und in Zukunft lebenden Menschen. Denn ohne intakte Umwelt gibt es keine Zukunft für den Menschen.

    Es gilt die Zielsetzung „Nachhaltigkeit“ umzusetzen. Dabei können die einzelnen Maßnahmen der verschiedenen Akteure unterschiedlich ausfallen und müssen alle Bereiche umfassen. Die von Ihnen angesprochene umweltfreundliche Verpackung ist in diesem Sinne ein relevanter Umweltaspekt von vielen und trägt, gemeinsam mit sämtlichen unternehmerischen Maßnahmen zur Verbesserung der Umwelt- und Sozialverträglichkeit, zu einem nachhaltigen Wirtschaften bei.

  • Nachhaltigkeit

    Also das ist ja interessant und falsch zugleich! Nachhaltigkeit ist echt schon so unverschämt oft falsch positioniert und, Entschuldigung, misshandelt worden, dass das Wort eher einen Status das Wort des Jahres bekommen sollte.

    • Nele Lübberstedt

      Das Wort wurde bereits vor einigen Jahren zum “Unwort des Jahres” gekührt. Inzwischen scheint sich -aus meiner Sicht- unter nachhaltigen Lösungsansätzen das Angehen von Umweltaspekten, sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen als inhaltliche Definition etabliert zu haben – wenngleich der Begriff und der damit verbundene Inhalt nach wie vor heterogen verwendet wird. Es gilt daher Gerechtigkeit und eine Ausgewogenheit zwischen sämtlichen Dimensionen zu schaffen – Schritt für Schritt als kontinuierlicher Prozess. Die Ausführungen der Autorin sind daher nicht falsch, sondern folgerichtig.

  • Nachhaltigkeit

    der Artikel ist natürlich gelungen, aber ich musste grad meinen Frust hier rauslassen, weil ich es nicht mehr lesen kann. In diesem Sinne halte ich nach.

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