Ulrik Deichsel von Pagido “Wir haben viel Nachfrage und unsere Kundengruppe bereits ausgeweitet”

Das Berliner Start-up Pagido übernimmt neben der Rechnungserstellung auch die gesamte Kommunikation mit dem Auftraggeber. Im Gründer-Kurzinterview spricht Gründer Ulrik Deichsel von eigenen leidvollen Erfahrungen mit säumigen Auftraggebern, Inkasso-Dienstleistungen sowie von teuren Krediten, die dem Freelancer mehr schaden als nutzen.
“Wir haben viel Nachfrage und unsere Kundengruppe bereits ausgeweitet”

Wer als Freelancer tätig ist, für den ist die Rechnungsstellung an den Auftraggeber meist mehr lästige Pflicht als Genuss. Vor allem dann, wenn der Auftraggeber Honorare nicht zahlt und Mahnungen geschickt werden müssen. Das Berliner Start-up Pagido übernimmt neben der gesamten Kommunikation mit dem Auftraggeber auch das Factoring, als den Verkauf von Rechnungen. Im Gründer-Kurzinterview spricht der Gründer Ulrik Deichsel von eigenen leidvollen Erfahrungen mit säumigen Auftraggebern, Inkasso-Dienstleistungen sowie von teuren Krediten, die dem Freelancer mehr schaden als nutzen.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Über pagido.de bieten wir Factoring, also den Verkauf von Rechnungen, erstmals auch Freiberuflern und sehr kleinen Unternehmen an. Die Idee kam uns Gründern, da wir selber als Freiberufler tätig waren und oft monatelang auf Honorare warteten.

Pagido ist das erste Finanzprodukt für Freiberufler, das solche Liquiditätsengpässe überbrückt. Zusätzlich haben wir unsere Dienstleistung auf Freiberufler in der Medienbranche maßgeschneidert und Axel Springer als Partner und Investor gewonnen.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Wir haben inzwischen viel Nachfrage von Freiberuflern aus anderen Branchen und auch von kleinen Unternehmen, sodass wir unsere Kundengruppe ausgeweitet haben. Des Weiteren bieten wir zusätzlich Inkasso-Dienstleistungen über unseren Partner Creditreform an. Denn die meisten kommen zu uns, wenn Sie bereits einige unbezahlte, offene Rechnungen haben.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Es gibt für Freelancer und kleine Mittelständler bisher nur Wettbewerber, die sogenanntes „unechtes Factoring“ anbieten. Das ist in Wirklichkeit ein teurer, kurzfristiger Kredit, der unter Umständen auf den Freelancer zurückfällt. Bei uns hingegen greift im Insolvenzfall die Versicherung, sodass es keine Honorarausfälle gibt. Mit der CreditReform-Gruppe haben wir einen der besten Partner, die unter Ihrem Dach Factoring, Inkasso, und Bonitätsprüfungen vereinen.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Neben Kundenakquise und Kundenbindung müssen wir vor allem Aufklärungsarbeit leisten: Obwohl der Service gemeinsam mit Axel Springer entwickelt wurde, gibt es Vorurteile, dass ein Factoring-Service den Auftraggeber verprellen könnte, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Auftraggeber bekommen zusätzliche 30 Tage Zahlungsziel, perfekt aufbereitete Rechnungen und können sich bei Rückfragen immer direkt an Pagido wenden.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Pagido berechnet momentan fünf Prozent Gebühr für das Factoring inklusive Rechnungsversand, Debitorenbuchhaltung und einer Ausfallversicherung. Dabei bekommt der Freelancer 80 Prozent seiner Rechnungssumme zwei Arbeitstage nach Rechnungsversand und verbleibenden 15 Prozent nach Überweisung der Summe durch den Auftraggeber. Wann wir schwarze Zahlen schreiben, hängt von der Aggressivität unserer Wachstumspläne ab – die diskutieren wir momentan mit potenziellen Investoren.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Wir konzentrieren uns momentan auf das Factoring in Deutschland. Mittelfristig können wir uns aber den Vertrieb von anderen Finanzprodukten für unsere Kunden vorstellen und können natürlich in andere Länder expandieren.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Wir stehen momentan in engem Dialog mit Investoren für eine kommende Finanzierungsrunde – deren Größe wird dann auch die nächsten Meilensteine bestimmen.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
Ulrik Deichsel arbeitete nach seinem Studium bei einem Venture-Capital-Investor, einer Strategieberatung und einer Investmentbank in London. 2008 war er Mitgründer Ebook-Startups txtr und ist seither in der Startup-Szene als Gründer und Investor mit einem Fokus auf Software- und Fintech-Startups aktiv. Jetzt wagte er mit Pagido die nächste Gründung.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

  • http://www.mittelstandsportal-factoring.de/ Alina Meyer

    Sie schreiben für Freelancer und sehr kleine Unternehmen (also vermutlich Einzelunternehmer). Gelten die Factoring Angebote von Pagido auch für GbRs mit zwei bis vier Mitarbeitern? Das Startup ist ja relativ neu – gibt es bereits Referenzen und Kundenstimmen zu den Leistungen?

    Gruß Alina

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