T-Strategiewechsel Deutsche Telekom lässt deutsche Start-ups links liegen

T-Venture wird zum lästigen Anhängsel von Deutsche Telekom Capital Partners. Doch nicht nur der Name ändert sich, auch die Ausrichtung: Deutsche Telekom Capital Partners will in den USA reüssieren. Eine Fehlentscheidung, wie nicht nur LinkedIn-Mitgründer Konstantin Guericke findet.
Deutsche Telekom lässt deutsche Start-ups links liegen

Eine schlechte Nachricht für junge, deutsche Unternehmen: Die Deutsche Telekom kehrt der (gereiften) deutschen Start-up-Szene quasi komplett den Rücken. “Die Deutsche Telekom baut ihre Wagniskapitalfinanzierung um – und will sich künftig stärker auf Wachstumsunternehmen vor allem im US-Markt konzentrieren”, schreibt das Wall Street Journal über den Umbau bei der Telekom bzw. T-Venture. Wie bereits berichtet, wird der Telekom-Kapitalgeber derzeit umgebaut – nun ist klar, dass T-Venture sich “in die Struktur einer Nachfolgegesellschaft namens Deutsche Telekom Capital Partners einfügen” muss. Details gibt es aber noch keine.

Doch nicht nur der Name ändert sich, auch die Ausrichtung: Deutsche Telekom Capital Partners will in den USA reüssieren. Gereifte deutsche Unternehmen, die große Millionenbeträge brauchen, bekommen somit keine Kohle mehr von der Telekom. Eine Fehlentscheidung, wie LinkedIn-Mitgründer Konstantin Guericke findet. “Falsche Strategie: T-Venture zieht sich aus A-Runden in D zurück und will in Late Stage Blase in den USA einsteigen”, schreibt er bei Twitter. “Der selbstständige Start-up-Finanzierer der Telekom für Unternehmen in der Frühphase, Hubraum sowie der Innovationsbereich T-Labs, sollen von dem Umbau dagegen nicht betroffen sein. Beide sind weiter in Deutschland aktiv”, berichtet das Wall Street Journal weiter. Wobei der Hubraum gefühlt zuletzt auch eher gedrosselt unterwegs war.

Der Grund für den Abschied von T-Venture ist banal: Das Unternehmen wirft Telekom-Chef Timotheus Höttges zu wenig Erträge ab. T-Venture ist in Deutschland etwa an 9flats, Blinkist, clipkit, Content Fleet, Flaregames und NumberFour beteiligt. Aus finanziellen Interessen ist eine solche Entscheidung nachvollziehbar, für den Standort Deutschland ist es ein Fiasko, dass selbst die Telekom nicht mehr an den heimischen Markt glaubt.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  • Andreas Otterstein

    das Problem ist, es gibt noch keine Mega-Exits in Deutschland. Wo der VC
    dann auch wirklich 1000% oder mehr zurückerhält. Nennen wir es mal
    Gier, aber unternehmerisch verständlich, das Meiste aus seinem Geld
    holen zu wollen. Aber für den Standort Deutschland ist diese Entscheidung nicht
    gut. Doppelgleisigkeit wäre für die deutsche Telekom mit ihren Mrd an
    Gewinnen kein echtes Problem. Vor allem ist dieses Geschäft ein Marathon, kein Sprint.

    • Tobias Oswald

      Wenn Rocket Internet kein Mega Exit ist (Bewertung 2009 ca. 100 Mio EUR), was dann?

  • Sascha

    Es gibt Indikatoren und Kontraindikatoren, je nach dem wie man das sieht wird man auch den Abschied werten.

  • http://ruedigermoeller.github.io/ Rüdiger Möller

    Verständlich, die politischen/steuerlichen Rahmenbedingungen für Investoren sind in D eben auch nicht gerade toll. Generell wird die Risikoprämie gerne gekappt, Verluste sind aber nur teilweise anrechenbar. Dadurch verschiebt sich das Rendite/Risiko Profil, was heimische Investments per se unrentabler macht

  • Bernhard

    Soweit man das herauslesen kann (aus MM und WSJ Artikeln, alle anderen schreiben fleißig ab), sind das doch bisher nur Gerüchte. Und in dem WSJ steht genauso vieles Richtiges wie offensichtlich Falsches drin. So ist T-Venture sicher nicht für interne Projekte wie Musicload, PagePlace oder Joyn verantwortlich (musste das WSJ dann gelich wieder auch berichtigen). Auch klingt es lustig, dass bei dem Umbau ‘mehrere hundert Stellen wegfallen’ sollen. Bei T-Venture? Wo sollen die den herkommen?
    Fakt ist, T-Venture ist einer der ältesten (seit 1997) und größten Corporate VCs weltweit, der mit Abstand größte in Deutschland sowieso. http://www.cbinsights.com/blog/top-corporate-venture-investors-tech/
    Und vielleicht sollte man bevor man kritisiert (ich weiß, bei der Telekom ist das schick und macht besonders Spaß) mal lieber die anderen Großunternehmen fragen, wieso sie sich nicht im Start-up Bereich engagieren..

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